Grund zum Lachen hatten Peter Rosipal vom Bauernverband und Kreisbäuerin Andrea Huber beim Landfrauentag. Die Grafinger Stadthalle war gut besetzt mit vielen Bäuerinnen aus dem Landkreis. Foto: sro

Sagt einfach mal: Nein!

Grafing - Die Bäuerinnen des Landkreises Ebersberg zeigen sich gut gelaunt beim Landfrauentag, in dessen Mittelpunkt die Frage steht, wie notwendig das Abgrenzen ist.

Sage ,Nein‘ und fühle dich wohl.“ Diesen Rat hat Theologe, Psychotherapeut und Pater Jörg Müller am Dienstagabend den Bäuerinnen beim Landfrauentag gegeben. Seine These veranschaulichte er mit einer Erzählung aus seiner Jugend: In der Schule hatte ihm einmal sein Lehrer einen Test zurückgegeben mit den Worten: „Dein Wissen verhält sich wie Oasen in der Wüste.“ Der junge Müller war daraufhin so wütend geworden, dass er aufstand und sagte: „Und Kamele finden keine Oasen“. Nach dieser Reaktion hatten alle Respekt vor ihm - besonders er selbst.

Bei Kaffee und Kuchen saßen etwa 180 Frauen und vereinzelt auch Männer in der Grafinger Stadthalle. Die meisten kannten sich, es wurde viel geratscht. Kreisbäuerin Andrea Huber freute sich besonders, dass auch die Kreisbäuerinnen aus München und Starnberg gekommen waren. Kreisobmann Franz Lenz bedankte sich bei den Bäuerinnen vor allem für ihren Einsatz in der Öffentlichkeitsarbeit. Am Tag des offenen Hofes seien die Bemühungen der Frauen besonders sichtbar gewesen: „Die Männer muss man da ja oft ganz schön rabiat antreiben.“

In seiner Ansprache wünschte sich Landrat Robert Niedergesäß, dass das Bewusstsein für Lebensmittel steigt. „Ich persönlich freue mich immer, wenn ich Eier mit dem Gesicht von Andrea Huber auf der Verpackung kaufe. Da weiß ich, wo sie herkommen“, sagte er. Er ging auch auf das Thema des Nachmittags ein: „Das Nein ist in der Politik wichtig.“ Gleichzeitig müsse man es aber auch begründen können.

Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr kennt die Problematik mit dem Widersprechen nur zu gut: „Im Rathaus höre ich Frauen immer wieder sagen: ,In der Zeit, in der ich es dir erkläre, hab ich es schon zehn Mal selbst gemacht.‘ Frauen neigen dazu, alle Arbeit übernehmen zu wollen.“ Viele der Landfrauen kennen das. Schließlich verbinden sie Beruf, Familie und Freizeit. Da fällt es besonders schwer, das Ruder mal aus der Hand zu geben.

Um sie davon zu überzeugen, wie wichtig das aber ist, betrat Referent Müller die Bühne mit einer Gitarre in der Hand. Der große, hagere Herr in Hemd und Sakko erzählte von seinen 40 Jahren Therapieerfahrung. Er habe immer wieder beobachtet, dass es besonders Frauen schwer fällt, „Nein“ zu sagen. Sie hätten Angst vor Schuldgefühlen und Liebesverlust. „Ein Nein ist für beide Seiten schwierig, für den Sender und den Adressaten.“ Wichtig sei das Widersprechen trotzdem: „Das Max-Planck-Institut hat herausgefunden, dass Nein-Sager länger und gesünder leben.“ Beispielsweise Bluthochdruck könne davon kommen, dass jemand zu viel schluckt.

Müller betonte, dass sich Harmoniesucht von Friedfertigkeit unterscheide. Wer friedfertig sei, der könne sich auch streiten und Kritik aushalten. Nur dann könne man mit sich selbst im Reinen sein. Zum Schluss sang er dann noch das „Lied vom Ungehorsam des Jesus“. Besonders davon war Kreisbäuerin Huber begeistert: „Das Lied hat gut zusammengefasst, dass überlegt werden muss, wo Schuldgefühle angebracht wären und wo nicht.“

Silja Beck

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