Vorher-Nachher-Bild: Die Anti-Asyl-Parole des Wieshamer Bauern wurde nachts von Unbekannten gegen eine Willkommensbotschaft ausgetauscht.

Nächtliche Aktion

Asyl-Debatte auf dem Misthaufen: Schilder heimlich getauscht

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Grafing - "Der spannendste Misthaufen, den ich kenne", schreibt eine Nutzerin auf der Facebook-Seite der Ebersberger Zeitung: Die Anti-Asyl-Schilder eines Landwirts aus Wiesham bei Grafing sorgen für heftige Diskussionen. Seine Gegner haben nun in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Kontra gegeben.

Fast 40 000 Nutzer haben den Post auf der Facebook-Seite der Ebersberger Zeitung gesehen. Um die Misthaufen-Schilder des Wieshamer Landwirts, die gegen Kanzlerin Merkel und Asylbewerber wettern, entstand eine schwunghafte Debatte um die Themen Asyl und Meinungsfreiheit.

Passend zur Weihnachtszeit zeigt dieser Wieshamer Landwirt mal wieder seinen Hang zur Nächstenliebe. Wenigstens hat er sich einen passenden Untergrund für seine Botschaften ausgesucht: den Misthaufen.

Posted by Ebersberger Zeitung on Monday, December 21, 2015

"Schämen soll er sich. Und am Haus hängt schön groß ein Christuskreuz", empört sich ein Leser in einem Kommentar über die vorweihnachtlichen Botschaften, die der Landwirt gut sichtbar an der Durchfahrtsstraße angebracht hatte. Ein anderer äußert Verständnis: "Mal einer der sich was traut!!!" "Es ist seine Meinung und was gibts da zu reden? Der oane mogs, da anda ned.", kommentiert ein Dritter, dass die Äußerungen auf dem Misthaufen von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Wenigstens ein nächtlicher Besucher sah das offensichtlich anders: In der Nacht von Samstag auf Sonntag ersetzte er die Anti-Asyl-Schilder gegen selbstgebastelte Tafeln. "Refugees Welcome", ist auf einer zu lesen, die andere stellt den Eigentümer des Misthaufens in ein wenig schmeichelhaftes Licht. Auf Facebook wird der "plötzliche Meinungsumschwung", den ein Nutzer fotografiert hatte, ebenfalls heftig debattiert.

Hoppala, Neues vom Misthaufen in Wiesham. Offensichtlich eine Nacht-und-Nebel-Aktion. Danke für das Foto, Matthias Gruber.

Posted by Ebersberger Zeitung on Saturday, December 26, 2015

Der Bauer, der die neuen Schilder am Sonntagmorgen bemerkt und entfernt hat, nimmt es gelassen. Verstanden habe er die Botschaft beider Schilder ohnehin nicht. Anzeige erstatten will er keine, mangels Erfolgsaussichten. "Das sind Feiglinge", kommentiert er die Nacht-und-Nebel-Aktion im Gespräch mit der EZ. "Diejenigen hätten einfach zu mir kommen sollen, dann hätten wir das schon ausdiskutiert." Ob er neue Schilder gegen Asylbewerber aufstellt, weiß der Landwirt noch nicht. Er vermutet, dass diese ebenfalls geklaut würden.

Ein Nachbar des Mannes ist übrigens wenig begeistert von der Kontroverse um den Wieshamer Misthaufen. Er fürchtet, dass ihn die Leute mit dem rechtsgerichteten Landwirt verwechseln. "Es hat sich gezeigt, das dieses für uns sowohl für den Christbaumverkauf als auch für das Holzgeschäft absolut geschäftsschädigend wirkt", schreibt er in einem Fax an die Redaktion der EZ.

Mit dem Diebstahl der Schilder ist die Kampagne des streitbaren Bauern jedenfalls nicht beendet: An Brennholzstapeln neben dem Wohnhaus des Republikaner-Mitglieds hängen nach wie vor Plakate mit Botschaften der rechten Partei. An der Haustür des Bauern prangt das überzeichnete Konterfei eines Dunkelhäutigen, dargestellt mit wulstigen Lippen und einfältigem Grinsen. Es ist mit einem dicken, roten Balken durchgestrichen. Die Botschaft ist klar.

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