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Mit Schimpf und Schande vor Gericht

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Poing - In Poing hatte sie sich Glück erhofft, doch für die Ukrainerin ist viel schief gegangen. Das Amtsgericht hatte sie wegen Beleidigung verurteilt, das wollte die 36-Jährige aber nicht auf sich sitzen lassen.

Vor einigen Jahren kam sie aus der Ukraine und heiratete nach Poing - doch seit der Scheidung ist es nur noch bergab gegangen für die Ukrainerin (36), so weit bergab, dass sie jetzt wegen Beleidigung vor Gericht sitzt. Sie soll die neue Lebensgefährtin ihres Ex-Freundes als "Prostituierte" und "Alkoholikerin" bezeichnet haben. Für diese Beleidigung kassierte sie vom Amtsgericht Ebersberg eine Geldstrafe von 400 Euro. Doch die will sie nicht auf sich sitzen lassen, weil sie felsenfest beteuert, unschuldig zu sein. Vor dem Landgericht München II wird die Sache noch einmal neu aufgerollt.

Im Jahr 1999 heiratete die Lehrerin für ausländische Literatur, Englisch und Deutsch, die allerdings nur schlecht Deutsch spricht, einen deutschen Ingenieur - und studierte hier bis 2003 Volkswirtschaftslehre. Als ihr Mann beruflich ein Jahr in Korea war, lernte er dort eine 18-jährige Chinesin kennen und trennte sich von der Ukrainerin. Die Scheidung läuft seit fünf Jahren. Seit der Trennung geht angeblich alles schief - sie habe eine Umschulung abgebrochen und sei nur noch krank. "Ich weine die ganze Zeit nur."

Nach der Trennung von ihrem Mann lernte die Ukrainerin einen neuen Mann kennen, einen 43-jährigen Luftsicherheitsbeauftragten. Doch der habe sich bei einer Karussellfahrt auf der Wiesn so stark gegen sie gedrückt, dass sie am Genick und an der Schulter verletzt worden sei, beklagte sich die 36-Jährige. Daraufhin habe sie sich von ihm getrennt - und in einem Telefonat die Erstattung der Krankenkosten gefordert.

Ihr Ex-Freund stellte das Telefonat ganz anders dar. Die 36-Jährige habe seine neue Freundin wüst beschimpft: Sie sei eine "Hure" und "Prostituierte", liege "in der Gosse" und habe Aids. Wenn sie ihr in der Diskothek begegnen würde, dann würde sie ihr "die Fresse einschlagen". Nach diesem Gespräch zeigte die neue Freundin des 43-Jährigen die Angeklagte an - sie hatte sie angeblich zuvor bereits sieben Mal angerufen und beleidigt.

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Auch die Beziehung und die gesundheitliche Situation seiner Ex-Freundin schilderte der Luftsicherheitsbeauftragte völlig anders. Er zeigte sich erstaunt über das angebliche Siechtum, das die Ukrainerin dem Gericht berichtet hatte. Sie sei während der Beziehung nie krank gewesen und habe keine psychischen Beschwerden gehabt. "Sie war immer lebenslustig und gut drauf." Auch habe er sich im Kettenkarussell nie gegen sie geworfen. "Sie wurde durch physikalische Kräfte hergedrückt." Er habe die Beziehung deshalb von sich aus beendet, weil es seiner Meinung nach "der Gipfel" war, dass sie ihn aufforderte, die Krankenkosten zu ersetzen.

Obwohl es eher schlecht für die bereits wegen Beleidigung vorbestrafte Poingerin aussieht, war sie nicht bereit, die Berufung zurückzunehmen. Vielmehr besteht sie darauf, dass eine Freundin von ihr als Zeugin aussagt - sie soll während des Telefonats neben der Ukrainerin auf der Couch gesessen sein. Doch die Freundin erschien nicht zum Gerichtstermin. Deshalb kassierte sie ein Ordnungsgeld von 600 Euro und wird bei einem neuen Termin zwangsvorgeführt.

von Nina Gut

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