+
Nördlich der bestehenden Siedlung Am Schönblick könnten in exklusiver Lage repräsentative Wohn häuser entstehen. Das freut die Anwohner nicht. 

Mögliche neue Häuser in Grafings Exklusivlage stoßen vor Ort eher auf Ablehnung

Schönblick‘ler wollen lieber unter sich bleiben

  • schließen

Normalerweise gehören die Anlieger am Schönblick nicht zu den regelmäßigen Besuchern von Bauausschusssitzungen. Diesmal waren aber erstaunlich viele Bürger dieses Ortsteils unter den Zuhörern im Grafinger Rathaus.

Grafing – Grund für die außergewöhnliche Aufmerksamkeit war der Tagesordnungspunkt Nummer 12. Es ging um die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für ein 15 000 Quadratmeter großes Grundstück nördlich der bestehenden Siedlung Am Schönblick. Dort könnten in exklusiver Lage repräsentative Wohnbauten entstehen, in direktem Anschluss an die bestehende Villenbebauung. Die Begeisterung der Anlieger über eine neue Nachbarschaft hält sich in Grenzen.

Zu einer Entscheidung über einen Aufstellungsbeschluss kam es nicht, weil die Angelegenheit mehrheitlich vertagt wurde. Zu frisch war die Entwicklung. Das Angebot an die Stadt, hier eine weitere Wohnbauentwicklung zu verfolgen, weil der Grundeigentümer Verkaufsabsichten hegt, war offensichtlich erst wenige Tage alt. „Ich würde heute über nichts abstimmen wollen“, gab Christiane Goldschmitt-Behmer (Grüne) die unter den Ratsmitgliedern mehrheitliche vorherrschende Grundstimmung wider. Sie hatte grundsätzliche Bedenken, ob es angesichts der infrastrukturellen Belastungen gut sei, „schon wieder etwas auszuweisen“.

„Wir sollten nichts beschließen, sondern nur einen ersten Eindruck mitnehmen“, meinte auch Stadtrat und Architekt Christian Einhellig (Freie Wähler) mit Blick auf eine große Skizze, die von Städteplaner Klaus Immich angefertigt worden war. Sie wies neben zwei Dreispännern vor allen Dingen Doppelhäuser aus. Eingeschlossen ist dabei wohl die Möglichkeit, beim Kauf von zwei Grundstücken kein Doppelhaus, sondern auch ein großes Einzelhaus zu erstellen, und das fand im Gremium sogar einen Befürworter.

„Nicht zehn Doppelhäuser, sondern fünf prachtvolle Villen“ hielt Ernst Böhm (SPD) an dieser Stelle für die bessere Variante. Möglicherweise locke man so einen Unternehmer an den Ort, der mit einem hohen Gewerbesteueraufkommen in Grafing schließlich höchst willkommen sei, meinte Böhm sinngemäß. Etwas in die gleiche Richtung dachte Einhellig mit Hinweis darauf, dass am Schönblick ein Stück Grafinger Baugeschichte geschrieben worden war. „Das war sehr elitäres Bauen damals“, erinnerte er und fügte an: „Ich kann mir da was vorstellen.“ Gleichwohl fühlte auch Einhellig sich „nicht in der Lage, mich innerhalb von 20 Minuten zu entscheiden“, was den Aufstellungsbeschluss für den Einstieg in ein Bebauungsplanverfahren betreffe.

„Wie kann man als Kommunalpolitiker der Zerstörung von 15 000 Quadratmetern Natur ohne ersichtlichen Grund zustimmen. Oder sind die privaten, wirtschaftlichen Gründe des Eigentümers des Geländes Grund genug?“, meinte ein Anliegerehepaar in einer Mail an die Ebersberger Zeitung am Morgen nach der betreffenden Sitzung, um zu schließen: „Es handelt sich nicht um eine Polit-Posse, es ist leider die Realität.“

Nach einem Grundsatzbeschluss der Stadt würden sich die 1,5  Hektar Fläche so aufteilen: Etwa 3500 Quadratmeter müsste der Grundeigentümer kostenlos an die Stadt abtreten zur Erschließung des Geländes. 7500 Quadratmeter könnte er zu Marktkonditionen verkaufen, gut 4000 Quadratmeter hingegen zu einem Preis von 40 Prozent unter dem amtlichen Bodenrichtpreis. Der wurde am 31. Dezember 2016 letztmalig auf 900 Euro pro Quadratmeter taxiert. Angedacht wurde in der Sitzung zumindest schon, die Planung nicht Klaus Immich zu überlassen, sondern einem anderen Planungsbüro. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann findet Waffe und bringt sie zur Polizei - plötzlich bekommt er eine Anzeige
Er hat es nur gut gemeint und war sich keiner Schuld bewusst. Trotzdem hat ein 71-Jähriger jetzt Ärger mit der Justiz. Er hatte ein Waffe bei der Polizei abgegeben.
Mann findet Waffe und bringt sie zur Polizei - plötzlich bekommt er eine Anzeige
Betrunken in Markt Schwaben: Mann (60) gleich zweimal erwischt
Er konnte es nicht sein lassen: Ein 60-Jähriger wurde in Markt Schwaben gleich zwei Mal  betrunken beim Autofahren erwischt -  in ein und derselben Nacht.
Betrunken in Markt Schwaben: Mann (60) gleich zweimal erwischt
Sophia aus St. Wolfgang
Da träumt schon jemand von einem wundervollen Leben. Sophia ist nach Isabella (3), Leonora und Maximilian (4) sowie Laura (14) das fünfte Kind von Christine Richter-Haas …
Sophia aus St. Wolfgang
Her mit dem Kreisel am Amtsgericht!
Sie ist ein ständiges Ärgernis und sie ist gefährlich: die Kreuzung am Amtsgericht Ebersberg. Seit Jahren wird ein Kreisel gefordert. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.
Her mit dem Kreisel am Amtsgericht!

Kommentare