Michael Kammermeier und die Prachteiche aus Hungerberg. Unser Foto zeigt die Stammstücke bei der Verladung zum Transport. Foto: Stefan Rossmann

Die Schönsten ab zur Misswahl

Landkreis Ebersberg - Die Schönsten aus dem Landkreis Ebersberg sind angetreten zur Miss-Wahl in St. Heinrich. Dort liegen sie am Starnberger See sozusagen auf dem Laufsteg, um bald begutachtet zu werden. Die Käufer sind zudringlich. An mancher Schönheit wird sogar herumgeschnipselt.

Einmal im Jahr findet in St. Heinrich die Oberland-Wertholzsubmission statt. Aus dem Ebersberger Raum haben heuer zehn Waldbauern besondere Prachexemplare ins Rennen geschickt. Eine Eiche aus Hungerberg etwa, 180 Jahre alt, zerlegt in Stücke von sieben, 4,50 und 5,70 Metern Länge, die zum Teil so schwer waren, dass zum Auflegen auf den Holztransporter zwei Kräne notwendig waren.

„Am besten sind Eichen, die auf einem nicht so guten Boden wachsen“, berichtet Michael Kammermeier, der Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Ebersberg. „Dann bilden sie nicht so weite Jahresringe.“ An der Versteigerung nehmen auch wieder ein Bergahorn, eine Kirsche, Eschen, ein Spitzahorn und mehrere Stieleichen teil, unter anderem auch eine aus Ilching, die ähnlich stark ist wie der Baum aus Hungerberg.

Für den Bau von Massivmöbeln ist ein Baum dieser Güte offensichtlich viel zu teuer und deswegen zu schade. Die Schönheiten werden in hauchdünne Plättchen zersägt um als Furnier Möbel, Türen und Verkleidungen zu zieren.

Der Bergahorn ist mit seinen 50 Zentimetern Durchmesser fast der magersüchtige Hungerleider unter den Dicken Bertas, aber in ihm könnten verborgene Talente schlummern. Dann nämlich, wenn es sich um einen Riegelahorn handelt, aus dem Zier- und Resonanzholz für Musikinstrumente gemacht werden können. „Solche Bäume erzielen nicht selten das Zehnfache“ des regulären Preises, weiß Kammermeier. Die Käufer versuchten deshalb, ein Stück von der Rinde abzuschnipseln, um die Holzqualität vorhersagen zu können. Die Hungerberger Eiche taxiert Kammermeier auf einen Schätzpreis von etwa 5000 Euro.

Wie geht es mit den Bäumen aus dem Landkreis Ebersberg weiter? „Bis 2. Februar können Gebote abgegeben werden“, informiert Kammermeier. Am 9. Februar dann ist Platzbegehung mit den Käufern, „dann sind auch die Preise bekannt“. Jetzt schlummern die eintreffenden Gebote geheimgehalten in verschlossenen Briefumschlägen.

Im vergangenen Jahr kam die teuerste Eiche bereits einmal aus dem Landkreis Ebersberg. Und auch heuer haben die Schönen des Waldes wieder gute Chancen, beim Wettbewerb ein letztes Mal auf dem Siegertreppchen zu stehen, bevor sie schließlich zur weiteren Verarbeitung ins Säge- und Furnierwerk wandern.

Von Michael Seeholzer

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