Die Außenfassade des Kirchseeoner Gymnasiums: Der „Mindestluftwechsel“ ist sichergestellt. Foto: sro

Schulbau: Organisierte Verschwendung

Kirchseeon - „Orientierung und Beratung“ bietet das Regionalmanagement des Landkreises Ebersberg privaten Bauherren, die Nachhilfe auf dem Energiesektor brauchen – zwecks Weitsicht. Vielleicht hätte aber der Landkreis selbst so eine Beratung schon gut gebrauchen können.

Wer privat baut, muss eine Energie-Einspar-Verordnungs-Berechnung machen. „Das gilt seit 2002 zum Beispiel beim Bau eines Einfamilienhauses“, wissen die privatwirtschaftlichen Energieberater aus dem Landkreis Ebersberg. Sie wissen aber auch: „Für Nichtwohngebäude gilt die DIN 18599 erst seit Oktober 2007.“ Also noch nicht für den Bau des neuen Gymnasiums in Kirchseeon. Dieses Schulgebäude wurde noch nach der alten Energie-Einspar-Verordnung genehmigt – der Bauantrag war im Juli 2007 eingereicht worden.

So erklärt sich vielleicht auch, warum das Gebäude zur aktuellen Winterzeit zwar mittels umweltfreundlicher Hackschnitzel und reichlich dimensionierter Heizkörper erwärmt wird, gleichzeitig aber auf eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verzichtet wurde. Pflicht wäre sie ja nicht gewesen, auch die neue Verordnung gibt nicht zwingend eine Zwangsbelüftung mit Wärmetauscher vor. In Klassenräumen ist aber vorgeschrieben, dass die Kohlendioxidkonzentration von 1500 ppm (Teilchen per Million) nicht übersteigt. Was das für das Gymnasium Kirchseeon bedeutet, erklärt Evelyn Schwaiger, Sprecherin des Landratsamtes, so: Das zu errichtende Gebäude sei lediglich so auszuführen gewesen, „dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist. Das wird am Gymnasium durch die vorhandenen Fensteröffnungen gewährleistet.“ Und weiter: „In der DIN 1946 wird gefordert, dass der mittlere Volumengehalt an CO2 1500 ppm nicht überschreiten soll, das heißt, ein mehrmaliger Luftwechsel pro Stunde ist sicher sinnvoll.“

Das heißt im Klartext: Die Grenzwerte können nur eingehalten werden, wenn man alle 20 Minuten sämtliche Türen und Fenster aufreißt und die kostbare Wärme entweichen lässt, die man zwar umweltfreundlich aus Hackschnitzeln herstellt aber doch organisiert verschwendet.

Inzwischen ist unter Fachleuten längst eine Diskussion im Gang, die Höchstkonzentration von CO2 in Schulräumen auf 1000 ppm zu senken, weil die Schüler einen erhöhten Sauerstoffbedarf haben. Was das für das Lüftungsverhalten im Kirchseeoner Neubau bedeuten würde, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Es gibt in unmittelbarer Nachbarschaft, zum Beispiel im Landkreis München, Exempel, die belegen, dass andernorts energiesparende Bauweise tatsächlich eine Bedeutung hat - etwa beim Bau einer Sport- und Veranstaltungshalle im Passivhaus-Standard in Unterschleißheim. Diese Halle wurde mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und bedarfsabhängiger Steuerung ausgestattet. Eine intelligente Architektur. Übrigens aus dem Jahr 2004.

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