Bauherr Markus Murr verteidigte von Nachbarn und Lokalpolitikern sein Vorhaben beim verregneten Ortstermin in Baumhau. Foto: Jürgen Rossmann

Schweinemastpläne stinken Nachbarn

Moosach - Unruhe im sonst so beschaulichen Baumhau bei Moosach: Bürgerinitiative wehrt sich gegen Bauvorhaben.

Mit dem Bauantrag auf Errichtung einer Schweinemastanlage kam Unruhe in das sonst so beschauliche Baumhau, einem kleinen Weiler in der Gemeinde Moosach. Umgehend hagelte es Proteste, die Bürgerinitiative „Pro Moosach“ wurde gegründet. An der Stelle, wo die geplante Anlage entstehen soll, trafen nun Gegner, Kommunalpolitiker und der Bauherr aufeinander und diskutierten das geplante Vorhaben.

„Was haben sie gegen Moosach, Herr Murr?“, fragte Siegfried Lehnberg, Sprecher der Initiative „Pro Moosach“. Eine Mastanlage für 600 Schweine an einem äußerst sensiblen Standort wie Baumhau sei für die Initiative unvorstellbar. Nicht nur wegen der nahen Wohnbebauung, sondern vor allem wegen der schützenswerten Natur in unmittelbarer Nähe: dem FFH-Gebiet „Gutterstätter Streuwiesen“, den „Alten Bahndamm“, den Wäldern und dem Landschaftsschutzgebiet „Steinsee, Moosach, Doblbach, Brucker Moos und Umgebung“. Seit knapp zwei Jahren läuft der Streit um die Schweinemastanlage. Der Moosacher Gemeinderat stimmte dem Vorbescheid zu, legte aber eine Höchstgrenze von 600 Schweinen für die Anlage fest. Eine richtige Handhabe hatte der Gemeinderat sowieso nicht. Eine landwirtschaftliche Anlage wie der Maststall gehört zu den so genannten „privilegierten Vorhaben“, was bedeutet, dass eine solche Anlage im Außenbereich auch ohne Genehmigung durch die Gemeinde gebaut werden kann - wenn das Landratsamt zustimmt.

Gespräche hat es mit der Fachbehörde, Landrat Robert Niedergesäß und der Bürgerinitiative schon gegeben. Siegfried Lehnberg hat den Eindruck, dass das Vorhaben auch im Landratsamt skeptisch gesehen wird.

Beim Lokaltermin am geplanten Standort diskutierten Nachbarn aber auch Kommunalpolitiker wie Waltraud Gruber (Grüne), Bianka Poschenrieder (SPD), die Moosacher Gemeinderäte Willi Mirus (AMB), Michael Eisenschmid und Jürgen Weidlich (CSU), Sigi Hagl (Grünen- Landesvorstand), Olaf Rautenberg und Klaus Schöffel (Bund Naturschutz). Bauherr Markus Murr stellte sich den Vorwürfen und Fragen und erläuterte ausführlich sein Stallkonzept. Kritikpunkte waren vor allem der zu erwartende Gestank, die Haltung und Futtermethoden der Tiere, die Ammoniak-Ausdünstungen, die befürchtete Gülle im Grundwasser, die Zunahme des Verkehrs aber auch die Verschandelung der Landschaft durch das rund 1200 Quadratmeter große Gebäude.

Murr versicherte, dass er eine verträgliche Lösung mit regionaler Wertschöpfung anstrebe. Durch das spezielle Stallkonzept und die Unterdruckbelüftung werde der Stall so gut wie gar nicht stinken. Murr, der auch eine Schlachterei und eine Metzgerei betreibt, betonte, dass die Tiere gentechnikfrei und mit Futter aus der Region ernährt würden, kurze Transportwege hätten und die Gülle in die Biogasanlage nach Taglaching gefahren werde. „Wir wollen ja eh alles, was die Grünen auch wollen“, sagte er. Aussagen, die ihm vor allem die Nachbarn nicht glauben wollten. Hanns Mutzbauer warf Murr vor, in Baumhau nur einen Briefkasten zu haben und keine Schweine mästen zu wollen, sondern: „ In zwei Jahren sind das dann Gewerbeflächen.“ Der Gemeinderat wartet derweil auf die Stellungnahme vom Landratsamt.

Christine Gerneth

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