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Schwerer Rückschlag für Brucker Windrad

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Der Weiler Hamberg in der Gemeinde Bruck. Hier soll das Windrad entstehen. Foto: Stefan Rossmann
Der Weiler Hamberg in der Gemeinde Bruck. Hier soll das Windrad entstehen. Foto: Stefan Rossmann

Bruck - Die Hamberger Investoren, die ein Windrad errichten wollen, müssen um ihr Projekt bangen. Ein vom Landratsamt in Auftrag gegebenes Gutachten weist nach, dass das Windrad mehrere Vogelarten akut gefährden würde. Das könnte das Aus für die Brucker Windpläne bedeuten.

„Der Baumfalke soll als Verhinderungsvogel herhalten“, hatte Johann Zäuner, Sprecher der Hamberger Initiative, schon vor einem Jahr geschimpft, als die Gegner des Projekts mit zwei Gutachten winkten, die das Vorkommen des seltenen und geschützten Greifvogels im Brucker Moos belegen sollten. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde gab daraufhin ein drittes Gutachten bei der Firma „natureconsult“ in Auftrag. Das Ergebnis liegt der Ebersberger Zeitung vor.

In der Expertise wird das Vorkommen des Baumfalken „einwandfrei belegt“. Das Tier besitze ein Brutvorkommen im Gebiet. Der aktuelle Brutplatz der Art liege etwa 800 Meter südöstlich des beantragten Windrad-Standorts an einem Waldrand. „Ein Bruterfolg im Jahr 2013 wurde durch die Sichtung eines Jungvogels ebenfalls bestätigt“, schreiben die Gutachter. Und weiter: Es sei für den Baumfalken von einem „signifikant erhöhten Kollisionsrisiko auszugehen“.

Gleiches gelte für den stark gefährdeten Rotmilan der im Brucker Moos ebenso wie der Wespenbussard gesichtet wurde. Auch für diese Art sei ein Windrad an dem geplanten Standort im Brucker Moos lebensbedrohlich.

Für Rainer Förderreuther von der Kreisgruppe Ebersberg des Landesbund für Vogelschutz steht mit diesem Gutachten fest: „Es gibt ein eindeutiges Ergebnis gegen diesen Windradstandort.“ Besonders das Vorkommen des Rotmilans sieht Förderreuther kritisch. Es gebe nur noch rund 500 Brutpaare in ganz Bayern, der Vogel sei vom Aussterben bedroht, sagte er am Freitag zur Ebersberger Zeitung.

Franz Neudecker vom Landratsamt Ebersberg, der das emissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für das Brucker Windrad durchführt, hält sich bedeckt, wenn man ihn fragt, ob das Vorhaben bei Hamberg überhaupt noch eine Chance hat. Die Untere Naturschutzbehörde müsse das Gutachten jetzt bewerten und die Frage klären, was dieses artenschutzrechtlich bedeute. Es gebe kein Gesetz ohne Befreiungstatbestände. Ob es in diesem Jahr überhaupt noch zu einer Entscheidung kommt, hält Neudecker für äußerst unwahrscheinlich.

Eigentlich hätte das 140-Meter-Windrad bei Hamberg schon im Herbst vergangenen Jahres Energie liefern sollen. So lautete einst jedenfalls das Ziel der „Windenergie Osterkling Verwaltungs GmbH“. Der Name „Osterkling“ ist die alte Bezeichnung für sechs Brucker Weiler im Osten, nämlich Wild-aching, Hüttelkofen, Feichten, Balharding, Loch und Hamberg. Diese haben sich zusammengetan, um die Energiewende vor der Haustüre wahr werden zu lassen.

Von kommunaler Seite erfuhren die Osterklinger keinen nennenswerten Widerstand. Vor rund einem Jahr gab der Brucker Gemeinderat grünes Licht - wenn auch in einer äußerst knappen Entscheidung.

Michael Acker

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