Udo Ricke zweifelt die Solvenz eines der Planungsbüros an. Die „Alpine Bau“ sei in die Schlagzeilen geraten. jro

Schwimmbad contra Bürgersaal

Vaterstetten - Schwimmbad oder Bürgersaal? Diese Frage wurde bei der Bürgerversammlung der Gemeinde Vaterstetten heiß diskutiert.

Rund 80 Bürger waren trotz der Hitze in den Pfarrsaal gekommen, um dem Rechenschaftsbericht des amtierenden Bürgermeisters Martin Wagner und seiner Mitarbeiter zu lauschen und anschließend ihre eigenen Fragen und Wünsche loszuwerden.

Haushalt, Schuldenstand, Gewerbegebiet Parsdorf, Betreuungsplätze und Straßensanierungen waren nur einige der Themen, die von den jeweiligen Ressortleitern angesprochen wurden. Viele dieser Themen wurden von den Bürgern ohne größere Rückfragen abgehakt. Anders bei den Planungen zum neuen Vaterstettener Ortszentrum mit Rathausneubau und Bürgersaal: Etliche Bürger bemängelten, dass zu wenig Grün in den Plänen enthalten sei. Bauamtsleiterin Brigitte Littke beruhigte: Grünflächen seien durchaus vorgesehen, die gesonderten Freiflächengestaltungspläne habe man nur aus Zeitgründen in der Versammlung nicht gezeigt. So bleibe auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung auch die Linde auf der Nordseite der Kirche erhalten.

Zweifel an der Solvenz eines der drei involvierten Planungsbüros äußerte Udo Ricke: „Die Alpine Bau ist wegen finanzieller Probleme in den Schlagzeilen“, bemerkte er. Dazu habe das Bauamt bereits eine Stellungnahme angefordert, so Littke, außerdem sei Alpine Bau ja nur einer von drei Bietern: „Wir sind da noch nicht festgelegt.“

Lieber ein Schwimmbad als ein Bürgersaal, war die Forderung anderer Zuhörer. „Unser Schwimmbad wird quasi Tag und Nacht genutzt. Wo sollen die Kinder künftig schwimmen lernen?“, fragte Sophie Birnkammer, Leiterin der Schwimmabteilung beim TSV Vaterstetten, und erhielt dafür kräftigen Applaus. TSV-Übungsleiterin Beate Kammel ergänzte, dass der Schwimmverein derzeit rund 700 Mitglieder habe, und eine Baldhamerin meinte: „Kinder und Senioren brauchen das Schwimmbad. Die Gemeinde sollte das Bad erhalten, weil es zu ihrer Attraktivität beträgt. Wenn dadurch mehr Familien hierher ziehen, bekommt die Gemeinde auch mehr Einkommensteuer.“

Dem sei leider nicht so, entgegnete Wagner, denn der Anteil der Kommunen an der Einkommensteuer sei gedeckelt. Zudem seien Schwimmbäder derzeit im ganzen Landkreis schwierig. Ein Neubau würde zwischen acht und zwölf Millionen kosten, darin seien Wartung und Unterhalt noch nicht enthalten. Derzeit verfolge die Gemeinde einen Vorschlag des Bauamts, mit den Gemeinden im Norden und Nordwesten des Landkreises eine gemeinsame Schwimmbad-Lösung anzustreben. Dieser Vorschlag überzeugte die Anwesenden aber nicht: „Wenn immer mehr Schwimmbäder schließen, sind die wenigen verbleibenden Bäder schnell überfüllt und es ist auch dort kein Schwimmunterricht mehr möglich. Schon jetzt sterben immer mehr Kinder durch Ertrinken, weil sie nie schwimmen gelernt haben!“, so Melanie Redl, ehrenamtliche Trainerin im Schwimmverein. Viele Zuhörer forderten, die Prioritäten neu zu überdenken: „Brauchen wir überhaupt ein neues Ortszentrum oder kann man das Geld nicht anders sinnvoller investieren?“, fragten sie und Achim Burgstaller forderte gar eine Bürgerbeteiligung bei der Klärung der Prioriäten. Wagner machte deutlich: „Ausschlaggebend für die Gemeinde ist die Schaffung einer Nahversorgung im Zentrum, weil der Supermarkt am Bahnhof mittelfristig schließen wird und es sonst nur noch Discounter am Ortsrand gibt, die für ältere Bürger nicht zu Fuß zu erreichen sind.“

Zudem würde eine Sanierung des Rathauses mindestens acht Millionen Euro kosten, so dass Abriss und Neubau in einem neu gestalteten Ortszentrum letztlich günstiger kämen. Und während eine Turnhalle beim Neubau einer Schule zum Pflichtprogramm gehöre, sei dies bei einem Schwimmbad eben nicht der Fall.

Susanne Edelmann

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