Sehr beliebt, weil sehr bürgerfreundlich: Der Wertstoffhof der Stadt Grafing in der Jahnstraße. Foto: Stefan Rossmann

Security am Wertstoffhof

Grafing - Die Öffnungszeiten wurden immer wieder erweitert. Bis auf 40 Stunden wöchentlich. Vorbildlich bürgerfreundlich. Vor allem auch für die Bürger von auswärts, die rechnen können. Jetzt musste der Grafinger Bauausschuss bremsen.

Wer künftig am Wertstoffhof in der Jahnstraße etwas loswerden will, muss per Ausweis nachweisen, dass er ein echter Grafinger ist. Möglicherweise wacht sogar eine Security darüber, dass keine Nassauer kommen - im Landkreis Ebersebrg einzigartig.

„Wir stoßen mit unserem Wertstoffhof unsere Grenzen“, schilderte Wolfgang Bilo von der Stadtverwaltung, warum der Tagesordnungspunkt überhaupt auftauchte. Das Prinzip funktioniert: Die Grafinger Einrichtung ist zu einer erfolgreichen Drehscheibe der Wiederverwertung geworden. Die Weichen hatten Stadtrat und Bauausschuss selbst gestellt, die dort tätige Mannschaft leistet ganze Arbeit. Über die Gebühren wird der Aufwand bestritten. Die Grafinger sind nicht die billigsten, dürfen aber an den Gebühren auch nichts verdienen. So will es der Gesetzgeber, sonst wäre die Müllverwertung längst noch zu einem größeren Geschäft geworden, als sie es für die Entsorgerfirmen ohnehin ist.

Bilo berichtete von „Stichprobenkontrollen“ bei denen festgestellt wurde, dass die Klientel aus dem ganzen Landkreis Ebersberg komme „und sogar aus dem Landkreis Rosenheim“. „Wir verlangen geringe Gebühren beim Altholz“ nannte er ein Beispiel dafür, warum die Menschen lieber einen etwas weiteren Weg auf sich nehmen. Vor allem sind es aber wohl die extrem bürgerfreundlichen Öffnungszeiten, die überzeugen. „Die Mengen haben sich entwickelt“, bilanzierte Bilo, und rechnete vor, dass der Container für Grüngutabfall 30 Kubikmeter fasse und inzwischen bereits einmal am Tag geleert werden müsse. „Und das reicht auch schon nicht mehr. Wir müssen die Belastung für den Wertstoffhof auf ein normales Maß zurückführen.“

Bürgermeister Rudolf Heiler (FW) stärkte ihm den Rücken, als er meinte: „Wir müssen einen gewissen Druck ausüben auf diejenigen, die von einer Einrichtung einen Vorteil haben, der ihnen eigentlich nicht zusteht.“ Dass eine Erhöhung der Gebühren der richtige Weg sein könnte, glaubt Josef Fritz (CSU) überhaupt nicht. Er meldete sich im Anschluss an Regina Offenwanger (SPD) zu Wort, die die Frage nach der Gebührenhöhe aufgeworfen hatte. Fritz: „Da werden nur die Grafinger gestraft. Ich bin dagegen. Wir sperren für die anderen zu und fertig.“ „Wie kontrolliert man das? Damit sollten wir uns genau befassen“, meinte Heinz Fröhlich (BfG) und konstruierte das realistische Szenario eines erbosten Autofahrers von außerhalb, der mit vollbepacktem Wagen unverrichteter Dinge wieder heimfahren soll. „Wir sollten eine Security einführen, damit sich die Frau vom Wertstoffhof nichts anhören muss. So teuer ist das nicht.“ „Die Leute sind sehr schnell im Erfinden von Ausreden“, pflichtete ihm Heiler bei. „Diese Security ist geschult auf solche Situationen“, so Fröhlich. „Wir sollten lieber mit Fingerspitzengefühl rangehen, statt einen Sheriff hinzustellen“, widersprach ihm Offenwanger.

Jetzt soll es erst mal einen Warnschuss geben für die Mülltouristen: Der Bauausschuss beschloss einstimmig dauerhafte Zugangskontrollen innerhalb eines zusammenhängenden, dreiwöchigen Zeitraums im Jahr 2012. „Dabei sind alle Bürger ohne Benutzungsberechtigung von der Benutzung auszuschließen.“

Von Michael Seeholzer

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