Das Helferteam der Nachbarschaftshilfe Oberpframmern: Auf dem Foto sind zu sehen (von links) Annette Bayer, Beate Feist, Waltraud Bauer, Bürgermeister Andreas Lutz, Renate Heussler und Klaus Pastusiak. Foto: Christine gerneth

Arm sein in einer reichen Gemeinde

Oberpframmern - Die Nachbarschaftshilfe Oberpframmern bietet seit 25 Jahren schnelle und unbürokratische Hilfe.

Reiche Gemeinde ist gleich wohlhabende Bürger? Nein, auch in Oberpframmern gibt es Hilfsbedürftige, Hartz IV-Empfänger, alte Menschen mit kleinen Renten und kranke Mitbürger. Unbürokratische Hilfe ist hier oftmals gefragt. Eine der Stärken der Nachbarschaftshilfe Oberpframmern - und das seit mittlerweile 25 Jahren.

„Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt.“ Mit diesem Zitat beglückwünschte Bürgermeister Andreas Lutz die ehrenamtlichen Helfer der Nachbarschaftshilfe bei der Jubiläumsfeier im Sportheim „Anstoss“.

Guido Scheller hatte 1990 mit 17 engagierten Frauen und Männern diese soziale Initiative als Ergänzung zu den großen sozialen Institutionen gegründet. Seither ist der Verein aus dem sozialen und kulturellen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Viele lobende Worte hatte Lutz für das große Engagement der Ehrenamtlichen, er bedankte sich auch im Namen all derjenigen, die auf die Unterstützung der Nachbarschaftshilfe angewiesen sind.

Dass das Spektrum der Unterstützungsabgebote der Nachbarschaftshilfe weitaus größer ist, zeigen ein paar nackte Zahlen: 422 Arbeitsstunden wurden geleistet, davon alleine 186 Stunden in der Altenbetreuung. Über 2000 Kilometer wurden im letzten Jahr gefahren. Wenn man bedenkt, dass die meisten Einsätze in der näheren Umgebung stattfinden, kann man auf die Zahl der Einsätze schließen.

58 Frauen und Männer sind in der Nachbarschaftshilfe tätig, sie stellen ihre Zeit einer wichtigen Aufgabe zur Verfügung: sie besuchen kranke und alte Menschen und helfen ihnen im Haushalt, kaufen ein oder begleiten diese Menschen bei Einkäufen, Arztbesuchen oder Erledigungen, sie besuchen Oberpframmerner in der Kreisklinik oder im Altenheim, entlasten Angehörige von Pflegebedürftigen oder Mütter mit mehreren Kindern - und das alles individuell, zuverlässig, vertrauenswürdig und schnell.

Ein ganz besonderer Service wird noch angeboten: der Verleih von Pflegehilfsmitteln wie Krankenbetten, Rollstühlen, Rollatoren, Krücken und Sitzerhöhungen - kostenlos, schnell und unbürokratisch. „Wenn sich jemand ein Bein bricht oder ein Krankenbett braucht, bin ich zehn Minuten später da“, erzählt die rührige Vorsitzende Annette Bayer stolz und schränkt mit einem Augenzwinkern ein: „Wenn ich zu Hause bin“.

Die Hilfsmittel können bei ihr unter der Telefonnummer (0 80 93) 2455 abgefragt werden.

Hat sich die Art der Einsätze in den 25 Jahren verändert? „Ja“, berichtete Bayer. War früher sehr viel Kinderbetreuung gefragt, so sei diese heute durch die Kindergärten und Krippen abgedeckt. Krankenpflege dagegen dürfen heute nur noch Menschen mit Ausbildung machen. Der Schwerpunkt der Arbeit liege auf Besorgungsfahrten, Einkäufen und Begleitung zu Ärzten.

Die Zahl der Personen, die hierbei Hilfe brauchen, steigt. Das ist dem demografischen Wandel geschuldet. Einige der Ehrenamtlichen sind von Anfang an dabei. „Da auch wir älter werden, suchen wir Nachwuchs“, so Bayer. In der Nachbarschaftshilfe Oberpframmern kann sich jeder Ehrenamtliche so einbringen, wie es sein Zeit- und Kräftebudget erlaubt.

„Wir sind kein Dienstleister für Freizeitgestaltung“, grenzt die Vorsitzende das Leistungsspektrum ein und fügt gleich ein „aber“ dazu: „Wenn ein alter Mensch gar nicht mehr aus dem Haus kommt, dann gehen wir auch mal Kaffee trinken mit ihm“. Die Helfer der Nachbarschaftshilfe sind versichert, für die Fahrten gibt es eine Kilometerpauschale und als Dankeschön ein gemeinsames Essen. Nach Wünschen und Anregungen gefragt, schlugen die Mitglieder die Einrichtung eines Apotheker-Briefkastens wie in Moosach vor. Da hatte Bürgermeister Andreas Lutz schon gute Nachrichten: „Das steht auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung“.

Christine Gerneth.

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