Uli Proske, Kommandant der Ebersberger Feuerwehr.

Sicherheit wird Exportartikel

Ebersberg - Stell Dir vor es brennt - und die Feuerwehr ist weg. Unrealistisch? Die Personaldecke der verfügbaren Einsatzkräfte ist manchmal gefährlich kurz. Deshalb wird in Ebersberg etwas Neues getestet. Seit einem Jahr ist eine Alarm-App im Einsatz. Funktioniert gut, sagt der Kommandant.

Wie weiß der Ebersberger Feuerwehrchef Uli Proske, dass er im Falle eines Alarms nicht mutterseelenalleine im Gerätehaus steht? Er schaut nach bei easyStandby. Das ist ein System, in das sich alle Feuerwehrmänner elektronisch einchecken können. Die Vollversion läuft seit einem Jahr und das Ebersberger System beginnt sich in kleinem Umfang bereits zum regionalen Exportartikel zu entwickeln. Inzwischen benutzen es auch die Feuerwehren in Kolbermoor und Bad Aibling, „mit gutem Erfolg“, wie der für den Vertrieb zuständige Robin Wedekind aus Ebersberg berichtet.

So funktioniert’s: Mit der App auf dem Handy können sich die Einsatzkräfte an- und abmelden. Die Information, wer im Fall eines Einsatzes alles zur Verfügung steht, bekommen alle Teilnehmer. Wird ein kritischer Wert unterschritten, bekommen die Führungskräfte eine warnende SMS oder eine What’s App-Nachricht. „Im Notfall kann der Kommandant dann ein Fahrzeug als nicht einsatzbereit abmelden.“ Der Vorteil: Es wird sofort eine andere Wehr alarmiert, in Ebersberg zum Beispiel die Oberndorfer. „Das spart uns wertvolle Minuten, weil die Wehren nicht erst nachalarmiert werden müssen“, sagt Proske.

Interessant: Bei einem Besuch von Gästen aus der Ebersberger Partnerstadt Yssingeaux in der Kreisstadt hat Proske erfahren, dass sich die französischen Feuerwehren eines ähnlichen Systems bedienen, obwohl das Löschwesen dort „eher militärisch“ organisiert sei. Die Tagesalarmsicherheit ist aber auch ein Thema in Ländern, die eine Berufsfeuerwehr haben und bei denen nur teilweise ehrenamtliche Kräfte tätig sind.

Die Situation in der Kreisstadt ist noch relativ „komfortabel“. „Tagsüber stehen mir 18 Mann zur Verfügung“ berichtet Proske. Im schlechtesten Fall seien es aber nur elf. Dass in Ebersberg Mitglieder des Bauhofes sich bei der Feuerwehr engagieren, hat nicht nur Vorteile. Zwar sind die Männer meistens nah am Ort tätig, aber „im Winter sitzen sie z. B. auch im Schneepflug“, berichtet Proske. „Wenn dann der Funkwecker geht, bleiben die Männer Fahrzeug sitzen, weil sie die Straßenunterhalts- und Räumpflicht haben“, so Proske.

Das System easyStandby ist eine Ebersberger Erfindung. Entwickelt hat sie Martin Geisler. Er will damit eine verlässliche Personalplanung ermöglichen - nicht nur für die Feuerwehren. „Es wurde gemacht speziell für alle Hilfs- und Notfallorganisationen, die auf die Einsatzbereitschaft einer größeren Anzahl freiwilliger Helfer angewiesen sind.“ Fernziel der Firma ist es, die App zur Verfügbarkeitsplanung flächendeckend für die Feuerwehren einzuführen. Dabei ist das System nur so gut, wie es die Einsatzkräfte selbst pflegen. Das Einwählen oder Abmelden geht relativ fix - und dauert „in etwa 30 Sekunden“. So klappt es: Internetseite am Handy aufrufen und den entsprechenden Button drücken. mps

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