Stehen hinter ihrem Parteichef: Ebersbergs Landrat Robert NIedergesäß (li.) und der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der nicht Kanzlerkandidat wird.
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Stehen hinter ihrem Parteichef: Ebersbergs Landrat Robert NIedergesäß (li.) und der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der nicht Kanzlerkandidat wird.

CSU-Basis im Landkreis Ebersberg enttäuscht über Söders verhinderte Kanzlerkandidatur

CSU-Basis zu Laschet: Ein Sieg der „Apparatschiks“

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Bundestagswahl muss die Union nicht nur gegen die Grünen, sondern auch gegen ihren eigenen Kanzlerkandidaten gewinnen – das ist der Eindruck, der sich bei einem Rundruf unter den CSU-Größen aus dem Landkreis Ebersberg einstellt.

Landkreis - Die Union werde den Fokus „aufs Programmatische“ legen müssen, sagt vielsagend der Frauenneuhartinger Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz. Und ergänzt tapfer: „Die Partei besteht nicht nur aus dem Kanzlerkandidaten.“ Dass der nun Armin Laschet heißt, bezeichnet Lenz als eine Entscheidung der „Apparatschiks“ im Bundesvorstand, die nicht repräsentativ für die Parteibasis getroffen worden sei.

Andreas Lenz, CSU-Bundestagsabgeordneter: Söder wäre besser gewesen

„Söder wäre der bessere Kanzlerkandidat gewesen“, sagt der Abgeordnete. „Es ist ein Schaden da“, kommentiert er den nun entschiedenen Machtkampf, der mit einem „bewegten Prozess“ in der Berliner Bundestagsfraktion einhergegangen sei. Dort will Lenz eine Mehrheit für den Bewerber aus Bayern ausgemacht haben. Zu verantworten habe den ganzen Trubel übrigens nicht Markus Söder, der sich als Alternative präsentiert und „mit Transparenz und Anstand“ für sich geworben habe. Lenz hofft nun auf einen engagierten Wahlkampf und sagt: „Wir werden die Kraft finden.“

JU-Kreisvorsitzender Philipp Trepte: Willen den Basis missachtet

Diesen Eindruck müht sich auch der JU-Kreisvorsitzende Philipp Trepte vom Ortsverband Vaterstetten zu verströmen. Die Junge Union wolle dem Bundestagskandidaten Lenz ein starkes Mandat für die nächste Legislaturperiode erkämpfen, das sei reichlich Motivation für den Wahlkampf. Auf Nachfrage sagt der 23-Jährige auch etwas Positives über Laschet: Der bringe für die aktuell stürmischen Zeiten Regierungserfahrung mit – es gelte, Wirtschafts- und Umweltpolitik unter einen Hut zu bekommen. Bei der Entscheidung für den CDU-Mann aus NRW habe der Bundesvorstand aber den Willen der Basis missachtet – „ausdrücklich bundesweit“, sagt Trepte.

Kathrin Alte, Bürgermeisterin von Anzing: Wir machen für Lenz Wahlkampf

In dieselbe Kerbe schlägt Kathrin Alte, Bürgermeisterin von Anzing, die auch im Bezirksvorstand der Oberbayern-CSU sitzt. „Ich finde das sehr schade“, sagt sie über die verhinderte Söder-Kandidatur. Sie ärgere, dass es kein festgelegtes Verfahren zur Bestimmung eines Kanzlerkandidaten gebe. Mit mehr Vorlauf wäre Alte am liebsten eine Mitgliederbefragung, als zweitliebste Lösung eine Kreisvorsitzenden-Konferenz gewesen. „Das Angebot aus Bayern war da“, sagt die Anzinger CSU-Vorsitzende und fügt hinzu: „Wir machen für Andreas Lenz Wahlkampf.“ Die Grünen gelte es inhaltlich zu schlagen.

Landrat Robert Niedergesäß: Es geht nicht nur um Personen

Auf Laschets Charisma zählt im Kreis Ebersberg offenbar niemand. „Es geht nicht nur um Personen“, sagt auch Landrat Robert Niedergesäß, der sich „trotz einzelner inhaltlicher Differenzen“ mit Markus Söder enttäuscht über dessen erzwungenen Rückzug äußert. Die Basis bundesweit sei damit überhört worden. Motivation, für Armin Laschet in den Wahlkampf zu ziehen: „An einem Tag wie heute ehrlich gesagt keine“, so Niedergesäß. Nun gelte es dafür zu sorgen, „dass der Rauch sich verzieht“, damit diese Aprilwoche, in der die Entscheidungsfindung „nicht glücklich inszeniert“ gewesen sei, nicht bis zum Wahltag im September nachwirke.

Thomas Huber, CSU-Landtagsabgeordneter: Wir haben schwierigen Wahlkampf vor uns

„Wir haben einen schwierigen Wahlkampf vor uns“, sagt dazu der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber, der auch CSU-Kreisvorsitzender ist. Laschet sei nicht sein Wunschkandidat. „Aber es hilft ja nichts.“ Schon einmal, bei der jüngsten Europawahl, sei mit Manfred Weber der „Kandidat der Herzen“ aus den Reihen der CSU durchgefallen. „Das Angebot aus Bayern ist von den Funktionären der CDU nicht angenommen worden“, konstatiert Huber über den Laschet-Entscheid und fügt hinzu: „Wir wollen nicht nachtreten.“ So eine Auseinandersetzung sei in einer Demokratie normal und Markus Söder sei ja auch nicht weg. Huber fordert eine Partei auf: „Helm aufsetzen, anschnallen und auf in den Kampf!“

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