Stolz aufs Emmerbrot (v.l.): Martin Freundl, Robert Niedergesäß, Johann Taschner, Monika Drax, Andreas Löffel und Markus Gmeinwieser. Foto: Stefan Rossmann

Wir sind bio

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Landkreis - Der Landkreis Ebersberg ist jetzt zertifizierter Öko-Landwirt und baut Emmer an.

Der Landkreis ist Bauer. Stolz präsentiert Johann Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde die Urkunde im Landratsamt. „Wir sind zertifizierter Bio-Landwirt“, freut er sich - und beißt in ein frisches Emmer-Brot. Die Liebe zur Natur geht halt doch durch den Magen.

Bei Froschkern am Neufarner Berg hat die Gemeinde Anzing dem Landkreis eine Ausgleichsfläche zur Bewirtschaftung überlassen. „Da müssten wir doch etwas daraus machen können“, überlegte Taschner. Landrat Robert Niedergesäß fand das gut. Herausgekommen ist der ökologisch zertifizierte Anbau der Urweizensorte Emmer. Um zum anerkannten Biolandwirt zu werden, hat sich der Landkreis erfolgreich einem längeren Zertifizierungsverfahren unterzogen.

Urweizen: Artenschutz, nicht Erntemaximierung

Die Fläche ist 2,5 Hektar groß. Sie wird durch den Landkreis extensiv genutzt. Immerhin 3,4 Tonnen des wilden Weizens konnten heuer geerntet werden. Die Ansaat ist nicht zu dicht, damit Feldlerche und andere Wiesenbrüter ausreichend Platz haben. „Das ist ein Artenschutzprojekt und dient nicht der Erntemaximierung“, stellt Taschner klar. Die Wiesenbrüter bleiben unbehelligt, während der Emmer wächst und reift. Denn der Urweizen braucht keine Spritzmittel. „Das Besondere am Anbau ist die sehr lückige Ansaat sowie eine Bewirtschaftungsruhe auf der Fläche von der Aussaat bis zur Ernte im August. Der Emmer ist durch die sieben, seine Körner umhüllenden Spelzen sehr robust gegen Krankheiten und Schädlinge und stellt heute eine absolute Rarität dar“, sagt Taschner.

Seit über 10 000 Jahren von Menschen genutzt

Der Urweizen gehört zu den ältesten, kultivierten Getreidearten, die der Mensch nachgewiesenermaßen seit mehr als 10 000 Jahren nutzt. Er schaut aus wie normaler Weizen, nur ein bisschen „ungekämmt“ und strubbelig. Die Grannen stehen in alle Richtungen ab.

Für Taschner ist das Experiment des Emmeranbaus gleich in zweifacher Hinsicht ein Erfolg: „Denn es zeigt auf, dass auch die für den Naturschutz wichtigen Ausgleichsflächen nicht generell für die Produktion von Nahrungsmitteln verloren sein müssen.“

Auch für Weizenallergiker geeignet

Bäckermeister Markus Gmeinwieser aus Eglharting ist bekannt für die hervorragende Qualität seiner Backwaren. Mit dem wilden Weizen musste er eigener Auskunft nach erst ein bisschen experimentieren. Bald wird er das Resultat in sein normales Warenangebot aufnehmen. „Die Nachfrage ist da, vor allem von Weizenallergikern“, schildert er. Sein Emmerbrot hat eine knusprige Rinde und ist innen saftig und würzig. „Emmer, Kartoffeln Sauerteig“, sagt Gemeinwieser zu den Inhaltsstoffen. Auch sein Ebersberger Kollege Martin Freundl bietet das Emmerbrot an: „Leinsamen, Roggenvollkorn, Emmervollkorn“ schildert er seine Zutaten.

Um aus dem Korn Mehl zu machen, das von den Bäckereien Freundl und Gmeinwieser verarbeitet werden kann, muss es gemahlen werden. Das übernehmen die Müllermeister Andreas Löffel von der Wolfmühle und von der Drax-Mühle in Rechtmehring Monika Drax, die eine der letzten zehn Müllermeisterinnen in ganz Deutschland ist.

Bald soll auch Emmer-Bier kommen

Auf Nachfrage ist das Landratsamt Ebersberg durchaus bereit, Kleinmengen des seltenen Getreides abzugeben. Auch Bier will Taschner demnächst aus dem Emmer brauen lassen. Die nächste Aussaat wird erst vorgenommen, wenn sich abzeichnet, dass das Getreide auch tatsächlich seine Abnehmer findet.

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