1 von 6
Elisa Mayer hat schon einige Bretter abgefahren. Im September, wenn sie nach Palästina fliegt, um dort Jugendlichen das Skateboarden beizubringen,  wi rd  die Sammlung noch größer.
2 von 6
Elisa Mayer in Aktion.
3 von 6
Elisa Mayer in Aktion.
4 von 6
Elisa Mayer in Aktion.
5 von 6
Elisa Mayer in Aktion.
6 von 6
Elisa Mayer in Aktion.

Elisa Mayer (18) und ihre Geschichte

Skaten verbindet: Darum reist eine Ebersbergerin mit dem Board nach Palästina

Elisa Mayer ist 18 Jahre alt, macht demnächst ihr Abitur und hat einen außergewöhnlichen Plan. Sie will nach Palästina und Kindern das Skateboardfahren zeigen. 

Ebersberg – Der Fuß von Elisa Mayer gleicht einer Baukonstruktion: Zehn Schrauben und eine Platte aus Metall verbauen die Ärzte in ihrem Fuß. Weil die 18-Jährige im Skatepark Ebersberg stürzt und sich das Wadenbein und den Innenknöchel bricht. Für sie ein Schock. Doch die Ärzte geben Entwarnung: In vier bis fünf Monaten wird sie wieder normal Skateboard fahren können. Das war im März.

Zum Glück hat die Schülerin noch Zeit, um gesund zu werden. Denn im September fliegt Mayer nach dem Abitur für einen Monat nach Palästina. Dort bringt sie Kindern und Jugendlichen das Skateboarden bei. „SkatePal“ nennt sich die Organisation aus Schottland, für die Mayer tätig ist. Diese möchte den jungen Palästinensern eine Freizeitmöglichkeit bieten und sie von der Straße fernhalten. Damit sie nicht anfangen, aus Frust und Langeweile Steine zu werfen, gegen israelische Soldaten zu pöbeln oder – im schlimmsten Fall – sich extremen Gruppen anzuschließen.

Neue Tricks, neuer Mut

Denn obwohl die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung unter 21 Jahre ist, gibt es für sie kaum Freizeitangebote. „SkatePal“ lebt von Freiwilligen wie Mayer, die sich bereit erklären, Kurse in den verschieden Skateparks in Palästina zu geben. Vor einem Jahr hatte sie auf einem Skateboard-Event von der Organisation erfahren.

Sie folgte „SkatePal“ auf den Social Media Kanälen – und entdeckte vor Kurzem, dass noch weibliche Freiwillige gesucht werden. Da die Kurse oft geschlechtergetrennt stattfinden, braucht es auch Trainerinnen. Die sind aber eher in der Unterzahl. Elisa Mayer, graublaue Augen, lange, dunkelblonde Haare, bewirbt sich mit einem Motivationsschreiben: Wie lange sie schon Skateboard fährt, ob sie schon Kurse gegeben hat, vor allem aber: ob sie Spaß am Skateboarden und an der Arbeit mit Kindern hat. Nur einen Tag später erhält sie die Zusage. Für sie ist Skateboarden ein integrativer und daher genau der richtige Sport: „Alter, Hautfarbe, Religion spielen keine Rolle. Man hat im Skateboarden eine Gemeinsamkeit. Das verbindet.“ Und noch einen positiven Effekt bringt der Sport mit sich: Er stärkt das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. „Sie versuchen ständig neue Tricks und trainieren hart, damit sie klappen. Wenn sie es dann schaffen, freuen sie sich umso mehr“, erklärt Elisa.

Eine Leidenschaft, die verbindet

Zu sagen, dass sie Spaß am Skateboarden hat, wäre eine Untertreibung. Vor zwei Jahren probiert sie den Sport erstmals bei einem Schüleraustausch in Neuseeland aus. Sie spricht einen Skater in der Schule an, fragt, ob sie es auch mal versuchen kann. Von Anfang an gefällt ihr das Skateboarden. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, gibt sie zu. Immer wieder fragt sie den Skater, ob sie sich sein Brett für Tricks ausleihen kann. Der ist irgendwann genervt und nimmt sie mit zum Skateboard-Laden. Dort kauft sie sich ihr erstes eigenes Skateboard. Es ist ein günstigeres Modell, von keiner besonderen Marke, mit schlichtem rotem Deck. Sie bemalt es einfach, um es aufzupeppen. Auf diese Weise lernt sie auch neue Freunde kennen, Freunde, die ihre Leidenschaft teilen.

Damals hatte Elisa noch nicht damit gerechnet, dass der Sport sie so sehr begeistern würde. Mittlerweile ist sie fast täglich im Skatepark Ebersberg, der nur fünf Minuten von ihr entfernt ist. „Der ist schon zu meinem zweiten Zuhause geworden“, sagt sie. Sie lacht. Für den wohltätigen Verein „High Five“ in München hatte die Ebersbergerin schon einmal Skateboard-Kurse für Kinder gegeben. Dabei hat sie auch gemerkt, dass ihr die Arbeit mit Kindern Spaß macht. Im September darf sie Kindern und Jugendlichen in Palästina das Skateboard fahren beibringen. Fünfmal die Woche wird sie einen Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene im Skatepark in Jayyous geben, einem Ort mit 5000 Einwohnern, die vor allem von der Landwirtschaft leben. Die Mehrheit der Menschen dort ist unter 25 Jahre alt. Erst letztes Jahr haben Freiwillige von „SkatePal“ den Park fertiggestellt.

Bilder von Anschlägen im Kopf

Jayyous liegt im Nordwesten des Westjordanlands; die Grenze zu Israel mit Checkpoints ist nur einen Katzensprung entfernt. Natürlich hat man die Bilder von Anschlägen im Kopf, sagt Mayer. „Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen.“ Besonderen Schutz erhalten die Freiwilligen nicht. Stattdessen haben sie Anweisungen und Verhaltensregeln bekommen. Zum Beispiel, dass man sich in der Nähe der Checkpoints ruhig verhalten soll. Oder, weil es sich um ein eher konservatives Dorf handelt, Kleidung tragen, die über die Schultern reicht.

Ihre Eltern seien anfangs nicht begeistert gewesen, dass sie nach Palästina geht. „Aber sie sind schon Einiges von mir gewohnt und vertrauen mir. Jetzt sind sie stolz auf mich.“

Von Julia Roll

Wer das Projekt von Elisa Mayer unterstützen möchte, kann das tun

Elisa Mayer zahlt den Flug und ihre Verpflegung aus eigener Tasche. Für ihre Unterkunft und für die Organisation „SkatePal“ sammelt sie zurzeit noch Spenden. Auf www.justgiving.com/fundraising/elisa-mayer wird jede Spende dankbar angenommen.

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Zorneding
Fotos: Schwerer Unfall mit 400-PS-BMW - Fahrer tot
Bei Pöring ist ein Mann mit seinem BMW gegen einen Baum geprallt und gestorben.
Fotos: Schwerer Unfall mit 400-PS-BMW - Fahrer tot
Unfall nach Kartoffelernte: Ladung landet auf der Fahrbahn
Am Samstagabend musste ein Anhänger eines landwirtschaftlichen Gespanns wieder aufgerichtet werden. 
Unfall nach Kartoffelernte: Ladung landet auf der Fahrbahn
EBE
Porsche kollidiert mit BMW - Die Bilder vom Einsatz
Bei einem schweren Unfall auf der Kreisstraße EBE 13 nahe Glonn sind am Samstag mehrere Personen verletzt worden.
Porsche kollidiert mit BMW - Die Bilder vom Einsatz