Die skurrilen Sätze und Geschichten des Thomas Bernhard

Glonn - Keinen leichten Lesestoff hatte sich Alfons Schweiggert jüngst im "Sammler" der Glonner Schrottgalerie des Sven Friedel ausgesucht: Thomas Bernhards "Viktor Halbnarr - ein Wintermärchen".

Der Österreicher Thomas Bernhard, Schriftsteller, Poet, Stückeschreiber und Journalist schrieb gegen die Unzulänglichkeiten der Welt, seiner Landsleute und gegen die eigenen an. Ein Unbequemer, ein Unkonventioneller, der Zeit seines kurzen Lebens (er wurde 58 Jahre) um Anerkennung rang, diese, wenn sie ihm dann einmal zuteil wurde, dann oft ablehnte und verhöhnte. Ein Schwieriger, der es sich und seinen Mitmenschen nicht leicht machte.

Nicht leicht ist er auch mitunter zu lesen. Seine Texte vorzutragen erfordert schon einen Wortakrobaten wie Alfons Schweiggert, der Freude an schwierigen Texten hat. Der auch die eigene Rhythmik von Sätzen erkennt, die Thomas Bernhard gern zu wahren Ungetümen aufbaute. Einen Artikel wie diesen hätte Bernhard leicht in einem Satz bewältigt.

Zunächst erzählte Schweiggert den Lebenslauf des Dichters, der von schwieriger Jugend, Krankheit, Armut und Verzweiflung geprägt war. Das machte ihn zum Misanthrop, der wohl gern die Menschen geliebt hätte. Die skurrile Geschichte von Viktor Halbnarr (1966 geschrieben) ist nur soweit ein Märchen, als dass in Märchen oft Grausamkeiten liebenswürdig verpackt, und so verharmlost, für Kinder konsumierbar sind.

Viktor Halbnarr ist kein Kindermärchen. Schweiggert hat es trotzdem seinen eigenen Kindern vorgelesen. Sicher hat das Schicksal des Halbnarr, der halb erfroren, mit zwei abgebrochenen Holzprothesen, dessen Reststümpfe an den Oberschenkeln festgefroren waren, in einer Winternacht von einem Arzt im Wald aufgefunden wurde, die Kinder beeindruckt. Beeindruckt waren auch die Besucher der Schrottgalerie. Vor allem vom Erzählstil des Thomas Bernhard, der solche Schilderungen mit Detailbesessenheit, dramatischen Abläufen und unerwarteten Wendungen ausstatten konnte.

Alfons Schweiggert kann solche Dramatik kongenial umsetzen. Mit leicht amüsierter Distanz gelesen, ist ihm die Freude am Skurrilen anzumerken. Nicht umsonst ist Karl Valentin, über den er viel geschrieben hat, einer seiner Lieblingsfiguren. Schweiggert hatte, um den Kindern die Sache anschaulicher zu machen, das Wintermärchen damals illustriert und später einen Verlag für eine Neu-Edition gefunden.

Die Besucher fanden sich anschließend in einer lebhafte Diskussion. Zur Schrottgalerie kam auch Klaus Eberlein aus München, der zwei Kafka-Bearbeitungen von Alfons Schweiggert illustriert hat. Das hier abgebildete Porträt von Bernhard stammt von Eberlein.

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