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Grüner: Wir wollen keine Einfamilienhäuser verbieten!

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Von: Josef Ametsbichler

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„Wir fordern kein Verbot von Einfamilienhäusern: Christoph Lochmüller, Hohenlinden.
„Wir fordern kein Verbot von Einfamilienhäusern: Christoph Lochmüller, Hohenlinden. © PatrickWITTMANN.COM

Landkreis – Hohe Wellen hat ein Interview von Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, geschlagen: Seine Partei wolle das Eigenheim, speziell das Einfamilienhaus, verbieten – das warfen ihm Kritiker vor. Ebenfalls für die Grünen in den Bundestag will der Hohenlindener Biobauer und Aufzug-Unternehmer Christoph Lochmüller (53). Er kandidiert im Wahlkreis Ebersberg-Erding.

Herr Lochmüller, der Grafinger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber wirft Ihrer Partei Enteignungsfantasien vor.

Lochmüller: Es ist halt Wahlkampf. Der politische Gegner spitzt Äußerungen zu und gibt sie falsch wieder, um daraus Kapital zu schlagen. Das ist damals mit dem Veggie-Day gut gelungen. Jetzt merken es die Wähler aber.

Und zwar?

Wir fordern kein Verbot von Einfamilienhäusern und schon gar keine Enteignungen. Wenn eine Gemeinde ein Baugebiet für Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungsbau ausweist, dann ist das ein ganz normaler Vorgang.

Ist die Debatte an sich gerechtfertigt? Müssen wir den Neubau von Einfamilienhäusern eindämmen?

Das hängt von den lokalen Gegebenheiten ab. Von drei Millionen Wohngebäuden in Bayern sind nur 400 000 Mehrfamilienhäuser. Die allermeisten sind also Einfamilienhäuser. Wir stehen da aber vor einer Veränderung. Auch wenn die Nachfrage nach Eigenheimen da ist – es werden sehr viel mehr Mehrfamilienhäuser gebaut als früher. Schlicht wegen der brutal gestiegenen Preise, die ein eigenes Haus oft unerschwinglich machen. Eine Entwicklung, die wir Grünen nicht gut finden. Der Preisdruck bedeutet auch: Die Leute ziehen immer weiter nach draußen aufs Land. Da gibt es Fehlentwicklungen.

Welche?

Ein gutes Beispiel ist mein Heimatort Hohenlinden. Wir sind inzwischen auch eine Vorort-Gemeinde von München. Aber mit den paar Bussen am Tag, die hier abfahren, kommst du nicht weit. Das Nahverkehrsangebot hinkt dem Zuzug hinterher.

Weg vom Thema Wohnen: Was stört Sie noch?

Gewerbegebiete werden viel zu willig ausgewiesen. Und weiterhin mit dem Trend zum Zubetonieren: eine große, ebenerdige Halle, wo der Stapler bequem überall hinkommt. Früher gab es in beengten Städten drei- und vierstöckige Fabrikgebäude. Und das sage ich jetzt nicht als Aufzug-Unternehmer, sondern als Grüner: Mit unserem wertvollen Grund und Boden müssten wir viel sorgsamer umgehen und Gewerbegebiete in die Höhe planen.

Also nicht, damit Sie mehr Aufzüge verkaufen?

Nein, weil es ökologisch geboten ist. Als Unternehmer weiß ich, dass es Gewerbegebiete braucht. Aber wir müssen die Flächen gut ausnutzen. Sonst ist das ganz schlecht für die Artenvielfalt. Und die Fläche fehlt auch für den Wohnungsbau.

Vor allem die größeren Gemeinden im Landkreis zeigen zunehmend den Willen zum Geschosswohnungsbau. Müssen wir uns von unserem ländlichen Ortsbild verabschieden?

Nein. Auf dem Land, gerade auf dem Dorf werden die Einfamilienhäuser in der überwiegenden Mehrheit bleiben. Die Leute genießen es ja auch, wenn sie in den eigenen Garten können, das ist ja auch gut so. Man muss das nur nicht so forcieren.

Wie sieht die Neubau-Siedlung der Zukunft aus?

Sie muss attraktiv sein. Das Tolle an unserem Landkreis ist doch, dass es nie weit bis ins Grüne ist. Alles erradelbar. Und vor Ort braucht es hinreichend Einzelhandel und Begegnungsstätten, das klassische Dorfwirtshaus – und mehr. Wir leben in einem der reichsten Landkreise in Deutschland: Unsere Gemeinden können es sich doch leisten, Bürgerhäuser zu schaffen, Säle für die örtlichen Jugendgruppen. Das eine oder andere Gebäude umwidmen, damit es auch die Gemeinschaft nutzen kann.

Sie haben einen ,besseren Gesellschaftsentwurf’ versprochen. Meinen Sie das damit, eine Vergemeinschaftung des öffentlichen Raums?

Genau dafür leben wir in einem Staat und einer Gemeinde. Damit wir gemeinsam das Beste aus dem machen, was wir haben. Es soll fair und gerecht zugehen. Viele Junge können sich kein Eigenheim leisten. Sie brauchen trotzdem eine attraktive Wohnmöglichkeit in der Gemeinde, in dem Dorf, wo sie gerne sein möchten. Und die Infrastruktur muss so gut sein, dass wir nicht immer ins Auto steigen müssen.

Am Individualverkehr rütteln die Grünen auch.

Wenn ich bei mir in Hohenlinden schaue, haben die meisten Familien so viele Autos wie Arbeitnehmer: Mutter und Vater arbeiten und der 20-jährige Sohn, der noch daheim wohnt, ist in der Lehre? Dann stehen da drei Autos. Das sollte künftig weniger sein. Wenn ein Angebot da ist: autonomes Fahren, ein Rufbus, Radschnellwege Dann sollte es doch möglich sein, den Individualverkehr zu verringern.

Sie wollen in den Bundestag. Gewinnt man so in unserer Region Wählerstimmen?

Es ist noch ein weiter Weg und es braucht Überzeugungsarbeit. Aber wir können Wählerstimmen mit guter Klimaschutzpolitik gewinnen. Viele Leuten denken inzwischen darüber nach, wie sie sich persönlich verhalten. Und weil vom politischen Gegner auch dieser unsinnige Vorwurf kommt: Wir Grünen wollen das eigene Auto genauso wenig verbieten wie das Eigenheim.

Sie haben angekündigt: „Wir verändern diese Republik“ – Wie verändern Sie den Landkreis ?

Ich möchte, dass der Landkreis Ebersberg 2030 klimaneutral wird. Wenn alles getan ist und wir genügend Photovoltaik, Windkraft und andere Voraussetzungen geschaffen haben, dann wird er ein attraktiver, lebenswerter Landkreis sein und die Leute werden stolz darauf sein.

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