Frech, fröhlich, aber auch nachdenklich sind die Texte, mit denen die Gruppe „Kabarest“ unterhält. Foto: Dziemballa

Späte Rache der Vierbeiner

Anzing - "Es kann gar nimmer schlechter wern" begrüßt Weinbeisser-Wirt Conny Hoffmann seine Gäste genauso so, wie das aktuelle Programm der Gruppe "Kabarest" überschrieben ist.

Seit 20 Jahren treten sie auf, Lisa und Martin Grundhuber und Gretel Rost, und ihre zehn Programme haben auch sie in Anzings Weinbeisser vorgetragen, denn alle zwei Jahre gibt es ein neues.

Das aktuelle Programm haben sie zur 850-Jahrfeier von München einstudiert. Damals, vor einem Jahr, war die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht erkennbar und die Welt schien noch in Ordnung. Kabarest hatte im Griechenlandurlaub Sehnsucht nach München und singt zum Sirtaki, den sie in der Beengtheit des Weinbeissers tänzerisch nur andeuten können: „Mittlerer Ring, wann seh’ ich dich endlich wieder!“ Sie sehnen sich nach Stau, Feinstaub und schlechter Luft.

In einem Tango verklären sie die „Regentage von Untergiesing“. Martin Grundhuber, sich auf der Gitarre begleitend, bringt Wissenswertes über Münchner Zwitscherstüberl aus der Sicht eines kupfernen Bierwärmers. Gretel Rost singt über die Philosophie des Weißbiers. Die eröffnet dem Durchschnittalkoholiker nie erkannte Einsichten. In ihren Musiknummern verwenden sie viele Münchner Klischees, die schon Historie geworden sind, wie zum Beispiel die Unfreundlichkeit Münchner Bedienungen. Die stimmt natürlich nicht, denn Bedienungen möchten gern ein Trinkgeld und das lässt sich mit einem Lächeln und einem hübschen Dekolleté besser verdienen. Aber sie blicken auch nach vorn. Zur Winterolympiade 2018, wo der Klimawandel schon weit fortgeschritten ist, kündigen sie einen Vier-Komponenten Kunstschnee an, der nur einen Nachteil hat, dass er erst in 10 000 Jahren verwittert.

Melancholisch stimmt eine Ballade über den letzten Giesinger Hundsmetzger, der nun schon sehr lange unter dem Rasen liegt, auf den die Hunde heute bieseln. Späte Rache der Vierbeiner.

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