Ernst Böhm, Landratskandidat der SPD.

Sparen: SPD-Kandidat hat Klinik im Visier

Landkreis - Den Haushalt in Ordnung bringen: Dafür will SPD-Landratskandidat Ernst Böhm (55) alles unter die Lupe nehmen - auch die Kreisklinik und die Kreissparkasse.

Angesichts der desolaten Kreisfinanzen und des Schuldenberges von 78 Millionen Euro geht es dem Grafinger um die beiden wesentlichen wirtschaftlichen Beteiligungen des Kreises. Nach seiner Ansicht müsse man über die Zukunft der Klinik mit Blick auf die laufenden Investitionen nachdenken, sagt er im EZ-Interview. Diese Investitionen könnten auch aus Gewinnen der Kreissparkasse finanziert werden. Wie die Bank ihr Geld investiert, da müsse man genauer hinschauen, sagte Böhm. Bisher seien unter anderem Staatsanleihen gekauft worden, die fünf bis sechs Prozent Rendite gebracht hätten. „Aber das geht heute nicht mehr.“

Eines der zentralen Ziele des SPD-Kandidaten ist bezahlbarer Wohnraum. Doch wie geht das angesichts hoher Immobilienpreise und knappem Bauland im Münchner Umland? Ein Vorschlag von Böhm: Man müsste grundsätzlich prüfen, ob man nicht die Parkplätze an der S-Bahn überbaut. Beispiele dafür gebe es unter anderem in Stockholm oder Kopenhagen. Böhm: „In Grafing-Bahnhof gibt es einen Parkplatz, der gehört der Stadt, dann den anderen, der gehört der Bahn. Die Stadt Grafing könnte auf ihrem Gelände 300 bis 400 Wohnungen schaffen und zusätzlich ein paar Millionen Euro Wertschöpfung generieren.“ Jetzt ist nach Ansicht von Böhm auch die Zeit, in der man mit der Bahn reden könnte. „Sie muss wegen des Brennertunnels und seiner Zufahrten sowieso verhandeln. Im Moment wird sie sich mit den Anliegergemeinde nicht anlegen.“ Klar ist für Böhm, dass die Gemeinden bei der Ausweisung von Bauland die Planungshoheit haben. Aber: „Ich könnte als Landrat ein qualifizierte Ansprechpartner sein.“ Und dabei hat er keine Berührungsängste mit CSU-Rathauschefs. „Das sind vernünftige Leute. Und ich bin auch vernünftig.“

Aber wie kann man Wohnraum günstig finanzieren? Böhm: „Ich halte Genossenschaftsmodelle für vorbildlich.“ Damit hat der Unternehmer Erfahrung. Heute könne sich kaum jemand eine Wohnung für 300 000 oder 400 000 Euro leisten. Aber 100 000 Euro bringe man zusammen. „Und das reicht in einer Genossenschaft , um ein Leben lang zu wohnen.“ Aber der Kandidat betont auch: „Mit meiner Firma habe ich bis dato keinen Euro Umsatz im Landkreis gemacht.“ Und das soll so bleiben, wenn er Landrat wird. „Ich interessiere mich für das Landratsamt grundsätzlich, weil ich es begreifen will und nicht, weil ich ein Geschäft machen will.“ (lan)

Wortlaut des Interviews: Am 22.1. in der EZ

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