Landrat-Vize Walter Brilmayer (li.) und sein Sohn Florian. Gemeinsam kritisieren sie den Wahlkampfstil von SPD-Landratskandidat Ernst Böhm. Foto: sro

Sparkasse wird Wahlkampfthema

Landkreis - Landrat-Stellvertreter Walter Brilmayer (CSU) und sein Sohn Florian, CSU-Kreisrat, werfen dem SPD-Landratskandidaten Ernst Böhm in einem Schreiben an die Ebersberger Zeitung vor, den Landkreis zu spalten. Böhm kontert mit dem Hinweis auf CSU-Filz und Seilschaften in der Vergangenheit.

Die Brilmayers schreiben wörtlich: „Vom neuen Landrat wird viel erwartet: Er muss das Landratsamt führen können, er muss den Landkreis voranbringen und er muss vor allem für alle Bürgerinnen und Bürger da sein. Er muss zusammenführen, verbinden, ausgleichen. SPD/Grüne-Kandidat Dr. Böhm tut in seinen täglichen Zeitungsanzeigen gerade das Gegenteil. Er spielt die Regionen in unserem Landkreis gegeneinander aus, bringt die Menschen gegeneinander auf. Wir beobachten das mit großer Sorge. Im Landkreis müssen Gräben zugeschüttet, nicht aufgerissen werden! Herr Böhm gibt in seinen vielen Anzeigen vor, Landrat für alle sein zu wollen. Gerade beweist er das Gegenteil.“

Böhm dagegen verteidigt seinen kürzlich gegebenen Hinweis, die Vaterstettener CSU würde die CSU im Landkreis und diesen selbst „dominieren“. Sollte ein Vaterstettener CSU-Mitglied Landrat werden, „so wäre festzuhalten, dass sowohl der Landrat als auch die Kreisvorsitzende der CSU (Angelika Niebler, Anm. d. Red.) in der Vaterstettener Gemeinde wohnen. Auch der scheidende Landrat komme aus Vaterstetten.

Weiter äußert sich Böhm gegenüber der EZ folgendermaßen: „Nach dem mir vorliegenden Wahlergebnis hat mein Mitbewerber um das Amt des Landrats, Hr. Robert Niedergesäß, 1. Bürgermeister der Gemeinde Vaterstetten, im Landkreis 20 489 Stimmen erhalten, hiervon 4927 Stimmen aus der Gemeinde Vaterstetten. Damit hat Hr. Niedergesäß aus einer von 21 Landkreisgemeinden in etwa ein Viertel aller für ihn abgegebenen Stimmen erhalten. In diesem Zusammenhang von einer Dominanz zu sprechen, ist sachlich richtig. Andere Bürger des Landkreises, darunter auch CSU-Wähler und CSU-Mitglieder gebrauchen andere Begriffe, die ich nicht gebrauchen möchte, für den Einfluss der Vaterstettener CSU.“

Böhm geht noch einen Schritt weiter und erinnert in Zusammenhang mit der „Vaterstetten-Connection“ an Turbulenzen, die die Kreissparkasse Ebersberg vor Jahren in erhebliche Schieflage gebracht hatten. Das Geldinstut habe in den Jahren 2002 bis 2004 „wegen verlorener Kredite an Verwaltungsräte 51 Millionen Euro an Wertberichtigungen vornehmen müssen“. Ein großer Teil der Kredite sei an den langjährigen Schatzmeister des CSU-Kreisverbands ausgereicht worden, so Böhm. Er meint den in finanzielle Turbulenzen geratenen Vaterstettener Bauunternehmer Martin Decker. Böhm: „Aus Rücksicht auf die Bedeutung der Sparkasse für den Landkreis habe ich das, soweit irgend möglich, aus dem Wahlkampf herausgehalten.“

Im Laufe der Woche hatte CSU-Kandidat Robert Niedergesäß Böhm vorgeworfen, die „Ebene der Sachlichkeit und Fairness“ zu verlassen. Der Vorwurf der Vaterstettener Dominanz entbehre jeder Grundlage, so der Vaterstettener Bürgermeister.

Neben Walter und Florian Brilmayer greift auch der FDP-Chef im Landkreis, Ewald Silberhorn aus Poing, den Wahlkampfstil Böhms scharf an. Böhm eröffne mit seinen Aussagen einen „Lagerwahlkampf“. Die SPD vergifte den Wahlkampf „in nicht vertretbarer Weise. Herr Böhm und die SPD sollten bei sachlichen Argumenten bleiben oder, besser gesagt, dahin zurückkehren.“

Michael Acker

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