SPD-Landratskandidat Ernst Böhm und seine Frau Barbara freuen sich über die Zustimmung vieler Wähler. Foto: Sro

SPD: Jubel und Vorfreude

Landkreis - Die SPD zeigte sich am Sonntagabend mit dem Wahlergebnis zufrieden. Sie feierte ihren Landratskandidaten in der Ebersberger Alm. Wir waren dabei.

Ungefähr 100 Menschen, die in einem Wirtshaussaal stehen, lautstark im Stakkato applaudieren, die Daumen in die Höhe recken und „Super“ und „Bravo“ rufen: Nicht eingeweihte Gäste der Ebersberger Alm dürften am Sonntagabend geglaubt haben, hier handelt es sich um eine Veranstaltung der CSU, die in ihrem Heimatland Oberbayern mal wieder erfolgreich gewesen war. Falsch: Es ist die SPD im Landkreis Ebersberg, die kurz nach 20 Uhr hoch über der Kreisstadt ihren Landratskandidaten Ernst Böhm feiert. „Ernst, Du hast einen super, super Wahlkampf hingelegt und das beste SPD-Ergebnis in diesem Landkreis geholt“, jubelt Thomas Vogt. Wenige Minuten vorher, bevor Böhm den Saal betrat, hatte der Kreisvorsitzende die Seinen noch eingeschworen: „Ich bitte euch, den Ernst mit dem verdienten, stürmischen Applaus zu empfangen.“ Diese Anweisung hätte es gar nicht gebraucht, so glückselig sind die SPD-Mitglieder und -Freunde angesichts des Wahlergebnisses.

Ernst Böhms Ansprache dauert keine zwei Minuten, den Namen des CSU-Kontrahenten (Robert Niedergesäß) nennt er nicht. Die Kampfansage, die der SPD-Kandidat mit ruhiger Stimme vorträgt, ist fünf Sätze lang: „Wir müssen nochmal 14 Tage kämpfen, aber mühsam erzielte Siege zählen doppelt. Ich glaube, dass wir dann gewinnen.“ Jubel, Applaus. „Ich glaube nicht, dass die CSU nochmal nachlegen kann. Wir schon.“ Kräftiger Applaus. „Er (Niedergesäß, die Red.) kriegt nicht mehr, er bleibt bei 48 Prozent stehen.“ Jubelrufe, Applaus. Um 20.11 Uhr verlässt Ernst Böhm kurz den Saal mit den Worten: „Jetzt hol’ i mir a Bier!“

Das wird er (und wohl einige andere SPD-Kollegen auch) benötigt haben, denn eines ist vielen auf den Magen geschlagen. „Die Wahlbeteiligung war unanständig gering“, sagt der SPD-Kreisvorsitzende Thomas Vogt. Die beiden Bürgermeister Albert Hingerl (Poing) und Georg Hohmann (Markt Schwaben) können sich das geringe Interesse insbesondere ihrer Bürger nicht erklären. „Ich ärgere mich über meine Poinger“, gesteht Hingerl ins Mikrofon. „Ernst, es tut mir Leid. Die Poinger müssen lernen, dass ein Landrat auch für ihre Gemeinde wichtig ist.“ Deshalb werde er in den kommenden zwei Wochen bis zur Stichwahl viel Aufklärungsarbeit leisten, verspricht Hingerl.

In der geringen Wahlbeteiligung sieht die Kreis-SPD aber auch ihre Chance für die entscheidende Abstimmung. „Da ist noch viel Potential drin, vor allem bei uns im Norden. Bislang hat Böhm den Schwerpunkt seines Wahlkampfes in den Landkreissüden gelegt“, analysiert Markt Schwabens Bürgermeister Hohmann. Nun gelte es, den Fokus auf den Norden zu richten.

Der Himmel der Bayern könnte in zwei Wochen, zumindest über dem Landkreis Ebersberg, rot leuchten. Dazu würde wohl nochmals jenes Musikstück gespielt wie am Sonntagabend auf der Alm, als Ernst Böhm den Saal betrat: „When The Saints Go Marching In“. Bis gestern undenkbar im bislang „schwarzen“ Landkreis.

Armin Rösl

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