Das Sport-Fachgeschäft Gürteler aus Kirchseeon (hier Mitarbeiter Adi Ziegleder) eröffnet im ehemaligen Lentner-Gelände in Grafing einen Skiservice-Center. Foto: Stefan Rossmann

Stadtrat empört: Wir sind doch keine Amigos!

Grafing - Der Grafinger Bauausschuss musste die Rolle rückwärts machen: In der jüngsten Sitzung wurde erwartungsgemäß der eben erst gefasste Beschluss wieder gekippt, in der Münchner Straße 55 keinen Skireparaturraum zuzulassen. Nachgeholfen hatte Druck der Aufsichtsbehörde.

„Das Landratsamt ist nochmal auf die Stadt zugegangen“, umschrieb Bürgermeister Rudolf Heiler etwas beschönigend den schriftlichen Rüffel, den Bauamtsleiter Josef Niedermaier dann auch nochwörtlich vorlesen durfte. Der hatte bei der vorherigen Sitzung vergeblich gewarnt, dass sich die Ausschussmitglieder mit ihrer Ablehnung zu weit aus dem Fenster lehnen würden. Die Kreisbehörde gab ihm Recht: „Indizien reichen nicht aus, um einen Verstoß gegen das Baurecht zu unterstellen“, hieß es darin. Die Aufforderung dahinter war deutlich: „Der Weg ist es, das Einverständnis zu erklären“, so Niedermaier in seinem Sachvortrag. Damit war klar: Der erste Beschluss kam zustande aufgrund einer Mutmaßung und ist damit rechtswidrig. Der Antrag von Fritz und Richard Grill, auf dem ehemaligen Lentner-Gelände einen Skiverleih- und -reparaturservice zu errichten, muss grünes Licht bekommen.

Einige Ratsmitglieder wollten das partout nicht wahrhaben. „Wir stehen da, als wenn wir Amigos wären, das sind wir aber nicht“, polterte etwa Stadtrat Michael Hirschläger (parteifrei). In der Abstimmung waren dann aber nur Josef Pollinger (CSU), Franz Frey und Olaf Rautenberg (beide SPD) halsstarrig genug, dem Bauwerber auch weiterhin die Stirn zu bieten.

Andere Ausschussmitglieder versuchten, sich um die Blamage herumzumogeln. „In der Zeitung als Dilettant vorgeführt zu werden, das ist nicht der richtige Ton“, ärgerte sich etwa Franz Frey. Er erinnerte jedoch zeitgleich und zu Recht daran, wie die Ratsmitglieder überhaupt in diesen Konflikt geraten waren. Sie hatten nämlich dem Umzugswunsch eines ortsansässigen Sportartikelhändlers an diesen Standort früher schon einmal die Zustimmung verweigert. Und jetzt entsteht an eben dieser Stelle ein Skiservice einfach deswegen, weil er da zulässig ist. „Ich fühle mich dem Kipfelsberger verpflichtet“, meinte Frey mit Blick auf das Sportfachgeschäft in der Innenstadt.

„Wenn wir uns strikt daran halten müssen, dann stimme ich dem zu. Aber dann ist es wirklich gescheiter, dass wir zum Wirt gehen“, ärgerte sich Josef Fritz (CSU). Stadtrat Heinz Fröhlich (Grüne) hatte sich dagegen persönlich in der Skireparaturwerkstatt umgesehen, die von Sport Gürteler aus Kirchseeon betrieben werden wird. „Da deutet überhaupt nichts auf einen Skiverkauf hin“, beruhigte er die anderen Ausschussmitglieder. Ein Verkauf an dieser Stelle, so bestätigte auch Niedermaier noch einmal, sei nicht zulässig. Die Grafinger Stadträte haben damit das Recht, ein „innenstadtschädliches Sortiments“ am Standort Münchner Straße 55 zu unterbinden. „Wir können die Grafinger Unternehmer nicht unter Denkmalschutz stellen“, hatte Angelika Obermayr (Grüne) trotzdem keine Probleme mit dem neuen Angebot.

Die Gegner verwiesen noch einmal auf den Inhalt eines Flyers, in dem es heißt: „Bei Neukauf eines Skis bei Sport Gürteler bis zum 28. Februar schreiben wir ihnen die Ski-Leihgebühren gut.“ „Da holt in Grafing einer die Ski und auf der Rechnung steht Kirchseeon“, mutmaßte Pollinger. „Das ist eine Unterstellung, da wäre ich ganz leise“, warnte ihn Obermayr. Auf Vorschlag von Christian Einhellig (FW) soll die Stadt aber „sehr schnell eingreifen“ im Falle einer „Zuwiderhandlung“. Dann also, wenn in der Grafinger „Filiale“ tatsächlich ein Verkauf stattfinden sollte.

Von Michael Seeholzer

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