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Bürgermeister Walter Brilmayer lässt seinen Blick in den Alten Speicher schweifen, als die ersten Gäste zur Bürgerversammlung kommen.  

Bürgerversammlung in Ebersberg

Stehende Ovationen für scheidenden Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer

Es war seine letzte Bürgerversammlung als Ebersberger Bürgermeister. Walter Brilmayer sprach mit etwas Wehmut. Und er erntete stehende Ovationen.

Ebersberg – Das schafft nur einer wie er: Bei der Bürgerversammlung erntet Rathauschef Walter Brilmayer (CSU) minutenlangen Applaus und stehende Ovationen – für ein gutes Jahr der Stadt Ebersberg, für einen gelungenen Jahresbericht, vor allem aber für 26 Jahre als ausnehmend respektierter Bürgermeister. Es war das letzte Mal, dass Brilmayer als solcher Rede und Antwort stand. Nächstes Jahr übernimmt sein Nachfolger.

Starker Rückhalt bei den Ebersbergern

Mit dem Beifall ist das so eine Sache. Während das Publikum Musikern oder Schauspielern den Lohn des Künstlers recht willig spendet, geht es in der Politik umso geiziger damit um. Jedes Thema, jedes Parteiprogramm, jede Person entzweit. Was die Einen beklatschen, buhen Andere aus.

Eine Ausnahme bildet Walter Brilmayer. Als sich der Charismat am Ende der Bürgerversammlung im Alten Speicher mit persönlichen Worten verabschiedet, wird nicht pflichtbewusst geklatscht. Es brandet ein Applaus los, der nicht enden will. Schließlich stehen die 500 Ebersberger im vollen Saal, um ihrem Bürgermeister für sein politisches Lebenswerk zu danken. Brilmayer ist in diesem Moment anzusehen, dass er mit seinem Gemüt kämpft. So ein starker Rückhalt ist nicht selbstverständlich, und das rührt den 67-Jährigen, der aus Altersgründen bei der Kommunalwahl im März 2020 ausscheidet.

Er habe seine Sache stets leidenschaftlich gemacht, räume jetzt aber gerne einem Jüngeren das Feld, sagt Brilmayer. „Man verbraucht sich auch.“ Er selbst fühle sich in Zeiten der Digitalisierung manchmal als „Auslaufmodell“. 48 Jahre lang hätten er und sein Vorgänger Hans Vollhardt (CSU) hintereinander als Bürgermeister gewirkt, rechnet er vor. „Jetzt reicht es auch.“ Er habe im Laufe der Jahre sehr viel gesehen, sei durch seine Erfahrungen vorsichtiger geworden. „Wir brauchen in diesem Amt jemanden, der mit Mut und frischem Wind daherkommt.“ Er selbst freue sich darauf, ab nächstem Frühjahr mehr Zeit mit seinen sieben Enkeln zu verbringen.

Parksituation am E-Einz ist vielen ein Dorn im Auge

Vor seinen Abschiedsworten hat Brilmayer noch einmal in seiner Paradedisziplin brilliert: In seiner Jahresbilanz berichtete er gefühlt frei von der Leber weg von aktuellen Projekten der Kreisstadt und fand wie kaum ein Zweiter gewohnt intuitiv und unbefangen auf Fragen und Kritik aus dem Publikum die richtigen Worte. Mehr Fahrrad-Stellplätze am Einkaufszentrum und am Bahnhof forderten mehrere Bürger. Von einer „katastrophalen Situation“ mit Kreuz-und-Quer-Parkern am E-EinZ sprach Jutta Bethmann. Vom Betreiber sei keine Einsicht zu erwarten, also müsse die Stadt aktiver werden, forderte sie. „Wir werden zusätzliche Plätze schaffen können“, stellte Brilmayer in Aussicht. Ärger an überladenen und verdreckten Müllsammelstellen beklagten zwei andere. Brilmayer schlug eine Lanze für die Müllinseln: Man sei sehr erfolgreich damit, seit Jahren belege die Kreisstadt im Landkreis hinter Vaterstetten den zweiten Platz bei der Recylingquote.

Neuer Feuerwehrstandort eine „Riesen-Chance“ für Ebersberg

Bettina Goldner thematisierte das „marode Bahngebäude“, ein „Schandfleck“, aus dem man „etwas Tolles“ machen könnte, wenn die Stadt es kaufen würde. Das hätte man vor Jahren leider erfolglos versucht, antwortete Brilmayer. Aber man könne ja wieder einmal anklopfen.

Zahlen hat Brilmayer bei der Bürgerversammlung bewusst nicht vorgetragen, diese könne jeder dem schriftlich vorliegenden Jahresbericht entnehmen. Vielmehr informierte er über Projekte, die ihm am Herzen lägen; über Ideen des Arbeitskreises Verkehr („Als Lösungsansatz bleibt nur der Tunnel“), den Klimaschutz („Es passiert unglaublich viel, aber zu langsam“) und die Suche nach einem neuen Feuerwehrstandort. Eine „Riesenchance“, für die Stadt.

Uta Künkler

Auch in der Diskussion in Ebersberg: Die Vergabekriterien fürs Einheimischenbauland

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