Waffenarsenal: Apotheker Leonhard Wieser aus Steinhöring mit einer Auswahl an Mückenmitteln.
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Waffenarsenal: Apotheker Leonhard Wieser aus Steinhöring mit einer Auswahl an Mückenmitteln.

Ratschläge für vor und nach dem Stich

Nach heftigen Überschwemmungen: Stechmückenplage in Oberbayern - Apotheker gibt Tipps

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Sie nerven, sie machen den Biergartenbesuch zur Höllenqual, sie rauben den Schlaf: Stechmücken! Apotheker Leonhard Wieser aus Steinhöring gibt Tipps für vor und nach dem Stich.

Steinhöring – Als kleiner Pimpf in der dritten Klasse hat Leonhard Wieser, damals pharmazeutischer Amateurforscher, schon Öle aus Lavendel, Nelke und Teebaum angerührt. Sein Ziel: Die Mückenabwehr. Inzwischen ist er 38 Jahre alt und gemeinsam mit seiner Frau Michaela (37) Chef der Sophien-Apotheke in Steinhöring. Er spricht also aus jahrzehntelanger praktischer und wissenschaftlicher Erfahrung, wenn er sagt: „Das hilft tatsächlich.“

Sinnvoll ist der Einsatz von Duftöl gegen die fliegenden Blutsauger aus seiner Sicht aber eher nicht, sagt der Apotheker heute. Schon nach ein, zwei Stunden verfliege die Wirkung, man müsse häufig nachcremen, und natürliche Stoffe seien nicht automatisch hautverträglicher, sondern manchmal gerade deshalb „allergologisch interessant“. Außerdem läuft, wer penetrant nach Nelke duftet, Gefahr, neben den Mücken seine Mitmenschen gleich mit zu vergraulen.

Steckmückenplage in Bayern: Überschwemmungsmücke auf dem Vormarsch

Wegen der starken Regenfälle ist in Bayern heuer die Gattung der Überschwemmungsmücke auf dem Vormarsch, stand in der gestrigen Ausgabe dieser Zeitung zu lesen. Sie verursacht teils stärkere Immunreaktionen, weil unsere Körper in den vergangenen, trockenen Jahren die Gewohnheit an deren Gift abgelegt haben, anders als bei der normalen Hausmücke.

Der Steinhöringer Apotheker beobachtet zwar derzeit keine erhöhte Nachfrage nach Mückenmittel, doch starke allergische Reaktionen wie etwa geschwollene Gliedmaßen beobachtet er immer wieder. „Schaun’s erst mal, dass Sie keine Mücke sticht“, lautet sein häufigster Tipp. Das fange schon beim Mückennetz vor dem Fenster oder über dem Kinderwagen an. „Da denken viele nicht dran“, sagt er.

Tipps gegen Mückenstiche: Chemische Keule - Apotheker rät zur Zurückhaltung

Bei der chemischen Keule rät Wieser zur Zurückhaltung – besser sei, sich mit langer, nicht zu dünner Baumwollkleidung zu schützen, die auch in der Hitze angenehm zu tragen ist, und nur freie Hautstellen mit den handelsüblichen Mitteln von DEET über Icaridin und PMD bis zu EBAAP einzuschmieren. „Man denkt, es gibt so viele Mittel, dabei sind es im Grunde nur vier Wirkstoffe“, sagt Wieser. Der Preis hänge häufig mit der Dosierung zusammen – und die wiederum bestimme, wie lange ein Produkt wirkt. Um Hautirritationen vorzubeugen, rät der Apotheker davon ab, sich für die abendliche Radlermaß im Biergarten gleich mit dem Kaliber „tropentauglich“ einzudieseln. Für seine drei Kinder nehme er lieber Gele und Lotionen statt Sprays.

Ist der Stich einmal gesetzt, beginnt ein Teufelskreis: Man kratzt, weil es juckt und es juckt, weil man kratzt. Der Gegenangriff mit dem Fingernagel ist dabei das Ungeschickteste, was ein Mückenstich-Patient unternehmen kann, sagt der kampferprobte Steinhöringer Apotheker. So komme Dreck in die Wunde, die sich damit erst recht entzünde; im allerschlimmsten Fall bis zur Blutvergiftung. So macht man aus einer Mücke einen Arzttermin. Lieber zeitig desinfizieren.

Tipps bei Mückenstichen: Was wirklich hilft - Hitze und Kälte

Was wirklich helfe: Hitze und Kälte. Die kugelschreiberähnlichen Wärmestifte, die ihre Spitze auf rund 50 Grad aufheizen und so die reizende Histaminausschüttung nach einem Stich bremsen, seien wissenschaftlich nicht zu Ende erforscht. „Aber die Verkäufe zeigen, dass es was bringt“, sagt Wieser.

Es gelte das Prinzip: Je früher, desto besser. Kältegele wiederum helfen gegen allergische Schwellungen. Dafür tut es aber oft ein Kühlakku von daheim auch, dieses Hausmittel will der Apotheker nicht verschweigen. Bei Heizstäben rät er vom Selberbasteln aber ab – Verbrennungsgefahr. Und wer wirklich arg zerstochen sei, bekomme in der Apotheke Cortison zum Eincremen oder Antihistaminika zum Schlucken. „Das ist die Bombe“, sagt Wieser. „Aber manchmal ist es das wert.“

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