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Bilder des Grauens: Fische verenden qualvoll in Tümpel – Gemeinde kann nur zusehen

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Von: Michael Seeholzer

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Der Dürre-Sommer fordert Opfer: Am Berger See in der Gemeinde Steinhöring ersticken die Fische. Gemeinde und Experten können nur zusehen.

Steinhöring – Der Berger See bei Steinhöring ist verschwunden. Die Trockenheit der letzten Wochen ließ ihn verlanden. Dort, wo sonst eine glitzernde Wasserfläche Vögel, Amphibien, Libellen, Spaziergänger mit Hunden und gelegentlich Angler anlockte, ist nur noch rissiger, grauer und knochentrockener Seegrund. Schlimm für die Natur unter Wasser. Hilfe ist nicht in Sicht – außer es fällt bald ein ergiebiger Regen. In dem in der Mitte verbliebenen Tümpel verendeten in den vergangenen Tagen viele Fische an Sauerstoffmangel.

Ein Bild des Grauens: Tote Fische treiben an der Oberfläche des Tümpels, der einmal ein kleiner See war.
Ein Bild des Grauens: Tote Fische treiben an der Oberfläche des Tümpels, der einmal ein kleiner See war. © Johannes Dziemballa

Der Eigentümerfamilie Abinger bleibt nichts anderes übrig, als die Kadaver einzusammeln. Zwei Kubikmeter waren es bis Mittwochmittag bereits. „Die kommen morgen in die Tierkörperverwertung“, sagt Altbauer Martin Abinger.

Tote Fische in Tümpel: Abgespreizte Kiemendeckel zeigen - Tiere sind erstickt

Die Bergung der Fische ist keine leichte Aufgabe. Die Familie und ihre Helfer benutzen dazu zwei kleine Schlauchboote. Am Ufer steht ein Traktor mit einer großen Frontladerschaufel. In die werden die verendeten Fische abgelegt. Die Tiere sind erstickt, was man an ihren abgespreizten Kiemendeckeln erkennen kann.

Mit dem Traktor in den See zu fahren, um sich die Arbeit zu erleichtern, sei wegen des morastigen Untergrunds ganz unmöglich, sagt Abinger. Es sei sehr schade um die schönen Karpfen, bedauert er das Unglück und hofft, dass „wenigstens ein paar Schleien“ überleben. Der Sauerstoffbedarf dieser Fischart sei so gering, dass sie „sogar im Schlamm überleben“ könnten.

Aufgrund des Sauerstoffmangels ersticken die Fische. Hilfe für die Tiere gibt es nicht.
Aufgrund des Sauerstoffmangels ersticken die Fische. Hilfe für die Tiere gibt es nicht. © Johannes Dziemballa

Trockener Seegrund: Auch für Teichmuscheln kommt jede Hilfe zu spät

Für die im trockenen Seegrund gefangenen Teichmuscheln käme aber ohnehin jede Hilfe zu spät. In ein anderes Gewässer kann man sie nicht einfach umsetzen, zumindest müsste das mit dem jeweiligen Fischereirechtsinhaber abgeklärt werden. So soll verhindert werden, dass Krankheitskeime und Parasiten von einem Gewässer in ein anderes verfrachtet werden.

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Vor ein paar Jahren war der Berger See schon einmal fast gänzlich verlandet. Die Teichmuschelbestände, so berichtet Abinger, haben sich trotzdem wieder erholt. „Der Bach oberhalb“, so sagt Abinger über den einzigen Zulauf des Sees, „ist fast trocken. Und auch aus den Drainagen läuft kein Wasser mehr zu. So schlimm wie heuer war es noch nie“.

Dürre-Sommer: Von See ist nur noch Tümpel übrig geblieben

Der See hat normalerweise eine Fläche von vier Hektar, jetzt ist es nur noch ein kleiner Bruchteil davon, in den sich die Lebewesen zurückziehen können. In der Folge wird das Wasser zu warm, der Sauerstoffgehalt sinkt dramatisch und auch widerstandsfähige Fischarten müssen letztendlich sterben.

Im Steinhöringer Rathaus läutete dieser Tage ständig das Telefon bei Bürgermeisterin Martina Lietsch. Aufgeregte Spaziergänger berichteten ihr von dem Fischsterben, das sich vor ihren Augen abspielte. Lietsch wandte sich hilfesuchend an Josef Noder, den Vorsitzenden des Kreisfischereivereins Ebersberg. „Wenn wir da reingehen, wirbeln wir den Schlamm noch mehr auf“, sagt Noder zu einer etwaigen Bergungsaktion. „Das ist kontraproduktiv. Es ist schlimm, wenn man da so zuschauen muss. Aber da haben wir keine Chance. Das ist die Natur.“

Der See hat normalerweise eine Fläche von vier Hektar, jetzt ist es nur noch ein kleiner Bruchteil übrig.
Der See hat normalerweise eine Fläche von vier Hektar, jetzt ist es nur noch ein kleiner Bruchteil übrig. © J. Dziemballa

Der Vorsitzende befürchtet: „Das wird nicht das letzte Mal sein, dass der See verlandet.“ Linderung könnte seiner Meinung nach dauerhaft nur ein höherer Frischwasserzulauf verschaffen. „Überall fehlt derzeit Wasser“, sagt Noder. „Auch am Steinsee“. „Wir haben geprüft, ob es doch nicht irgendeine Möglichkeit gibt, zu helfen“, berichtet Lietsch.

Eine Sauerstoffpumpe sei dabei auch im Gespräch gewesen. Aber auch sie wirbelt Schlamm auf, sagt Noder. „Das Restwasser ist einfach zu warm“, bestätigt Lietsch. Den See mit Trinkwasser aus der gemeindlichen Versorgung aufzufüllen, sei in der momentanen Situation ebenfalls keine Option, die ernsthaft in Erwägung gezogen werden könnte. „Das geht einfach nicht.“

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