„Das ist so ein schönes Hobby , das beruhigt mich“, sagt Herta Hufnagel (76), hier vor Kisten mit Babysocken, die sie einem Krankenhaus spendet.  sro

Herta Hufnagel (76) aus Steinhöring

Sie strickt für Merkel, Macron und Obama

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Herta Hufnagel aus Abersdorf in der Gemeinde Steinhöring pflegt regen Briefwechsel mit Staatsoberhäuptern und Spitzenpolitikern auf der ganzen Welt. Der Grund dafür sind ihre Wollsocken.

Abersdorf – Wenn Herta Hufnagel aus Abersdorf in der Gemeinde Steinhöring Post bekommt, dann sagt der Briefträger schon mal Sätze wie diesen: „Wieder ein Brief mit dem Bundesadler!“ Die 76-Jährige pflegt mit ihren beiden Töchtern Margot (49) und Jutta (45) einen internationalen Schriftverkehr mit Staatsoberhäuptern und Ministern. Und der Grund dafür sind Socken.

„Ich habe als zwölfjähriges Mädchen von meiner Mutter das Stricken gelernt“, berichtet die Abersdorferin. Nach einer längeren Pause hat sie das wollige Hobby wiederentdeckt und damit ihre beiden Töchter „angesteckt“. Der ganze erste Stock des Wohnhauses wurde zur Strickwerkstatt. Hier wird auch geklöppelt und gehäkelt – zum Beispiel eine Wollweste für Wärmflaschen. 360 Paar Baby-Schühchen lagern hier. „Die spende ich einem Krankenhaus“, sagt die fleißige „Strickliesl“. „Das ist so ein schönes Hobby, das beruhigt mich“, berichtet die 76-Jährige.

Zu den Adressaten, die echt handgestrickte Abersdorfer Wollsocken bekommen, gehören diverse Staatsoberhäupter. Zum Beispiel der französische Staatspräsident Emmanuel Macron oder dessen Vorgänger François Hollande. Den beiden hat die ältere Tochter des Abersdorfer Ehepaares, Margot Ruthenkolk, geschrieben, dass sie Socken bekommen, weil die Frühlingsabende in Paris oft noch sehr kalt sein können. Dafür gab’s je ein persönliches Antwortschreiben von höchster Stelle.

Auch Papst Benedikt hat Socken aus Abersdorf erhalten, fand aber ein Antwortschreiben offensichtlich der Mühe nicht wert. „Deswegen haben mich meine Töchter aufgezogen“, sagt Herta Hufnagel und lacht. Auch der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, hat Socken bekommen in seinen Landesfarben. Aber auch da wartet die Familie noch auf eine Replik.

Woher wissen die Hufnagels, was die Staatsoberhäupter überhaupt für eine Größe brauchen? „Ich seh’ doch im Fernsehen ihre Hände, dann weiß ich auch, was sie für eine Schuhgröße haben“, erklärt die 76-Jährige.

Einer ihrer Ordner, in denen sie die Korrespondenz aufbewahrt, liest sich wie das „Who is who“ der deutschen Politikerszene. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Wollsocken bekommen, „in die wir Spielgeld reingesteckt haben.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist „das originelle Sockenmotiv nicht entgangen“. Er bedankte sich bei der Spenderfamilie mit der Übersendung einer Warnweste verbunden mit dem nützlichen Hinweis, dass diese „Leben retten kann“. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ebenfalls Socken aus Abersdorf im Tornister. Sie lässt durch ihr Ministerium ausrichten, dass sie die Wollstrümpfe „künftig begleiten werden“.

Gelegentlich nutzen die Sockenstrickerinnen die Anschreiben auch, um ihre eigene Botschaft an die Politiker loszulassen. So lässt Bundesernährungsminister Christian Schmidt wissen: „Über ihre schönen, selbst gestrickten Socken hat sich Minister Schmidt ebenso gefreut wie über Ihr Lob für die Internet-Kinderseite des Ministeriums.“

Manchmal beweisen die Politiker auch, dass ihnen beim aktuellen Tagesgeschäft der Humor nicht abhanden gekommen ist. Die ehemalige Arbeitsministerin und heutige Fraktionschefin Andrea Nahles (SPD) gehört zu dieser Spezies. Sie schreibt: „Das ist dann endlich mal eine ,Rote-Socken-Kampagne’, die auch mir gefällt. Etwas Warmes für die Füße, das mich wunderbar überrascht hat und deshalb auch mein Herz zu erwärmen vermöchte – was will frau mehr!“ Etwas spröde hingegen ist Innenminister Thomas de Maizière. Er dürfe als Beamter keine Belohnung annehmen, meinte er. „Deshalb übersende ich Ihnen die von Ihnen gestrickten Socken zurück.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, damals noch Außenminister, sah das Präsent pragmatisch: „Es kommt nicht oft vor, dass sich jemand darum sorgt, ob der Außenminister kalte Füße hat und ihm deshalb selbst gestrickte Socken mit Initialen schenkt. Über diese wärmende Geste habe ich mich wirklich sehr gefreut“, schreibt Steinmeier. Linken-Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi versprach sogar, die ihm zugedachten Socken in den Winterurlaub mitzunehmen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) freute sich über handgemachte Füßlinge aus Abersdorf. Sie schickte zum Dank eine persönliche Grußkarte an die Familie, die mit ihrem Hobby zwar inzwischen auf internationalen Ausstellungen zu bewundern ist, aber keinen Profit aus ihrer Tätigkeit schöpfen will. „Die Sachen verschenke ich alle. Hauptsächlich vor Weihnachten“, sagt Herta Hufnagel.

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