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Posieren für ein Selfie: Adam, Eva-Maria, Kursleiterin und Heilpraktikerin Andrea Tretner und Celina.

Voll im Bilde

Integrations-Fotoprojekt in Steinhöring mit Jugendlichen und Asylbewerbern

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Steinhöring - Manchmal sagt ein Bild tatsächlich mehr als tausend Worte. Oder es hilft beim Reden. So wie in Steinhöring, wo Asylbewerber und Einheimische gemeinsam fotografieren.

Selfies sind der Fotografie-Stil von Adam Farah Mohammed. Auf solchen Fotos, meist mit der Kamera auf der Vorderseite des Smartphones geschossen, ist der Fotograf selbst vor seinem Motiv zu sehen. Das sind bei dem 24-jährigen Somalier, der seit 2014 in Steinhöring lebt, meistens seine Freunde.

Am Wochenende war Adam spazieren, gemeinsam mit den anderen aus Steinhöring, Flüchtlingen, Jugendlichen aus dem Ort und Mitgliedern des Helferkreises. Sie alle machen mit bei dem Fotoprojekt der Steinhöringer Heilpraktikerin Andrea Tretner. Das Thema bei dem Spaziergang waren Dinge, die den Teilnehmern an Steinhöring gefallen, oder auch nicht.

Alteingesessene und neue Ortsbewohner lernen sich kennen und verstehen

Adam hat natürlich ein Selfie gemacht. Mit drauf sind drei Mit-Spaziergänger und ein Trafo-Häuschen als Beifang. „Das war ein schöner Tag“, sagt er. Bei dem Fotoprojekt macht er mit, weil er Deutsch lernen will und froh ist, Anschluss an Leute aus dem Ort zu haben. Das ist auch der Sinn der Sache, findet Kursleiterin Tretner. „Man merkt einfach, dass hier etwas Gemeinsames entsteht“, sagt sie. Das Kunstprojekt soll ein Weg sein, mit dem sich die alteingesessenen und die neuen Ortsbewohner besser kennelernen und verstehen sollen.

Buntes „Plus-Minus“-Foto-Sammelsurium mit Motiven aus Steinhöring, die den Fotografen gefallen oder nicht gefallen haben.

Nun, am Montagabend, ist der Fotokurs wieder zusammengekommen. Die Teilnehmer treffen sich im alten Raiffeisengebäude am Steinhöringer Bahnhof, wie jede Woche seit Mitte September. Da sind gut ein halbes Dutzend Flüchtlinge und ungefähr genauso viele Mitglieder vom Helferkreis sowie Jugendliche aus dem Ort. An diesem Tag ist die Nachbesprechung des Spaziergangs vom Wochenende. Auf einer Tischtennisplatte, die als improvisierter Sortiertisch herhält, sind die Fotos vom Wochenende ausgebreitet.

Bilder bieten Diskussionsstoff

Diskussion über die Bilder mit (v.l.) Heylom, Magda, Andrea Tretner, Amenab und Adam.

Die Motive sind ganz unterschiedlich: Der Maibaum, bunt gestrichene Häuser, eine Bushaltestelle, der Kiesplatz vor der Kirche, ein Graffito an einer Hauswand. Bei der Beurteilung „schön“ oder „nicht schön“ gehen die Meinungen manchmal auseinander. Unschön findet ein Mitglied des Helferkreises die Verkehrslawine, die sich durch den Ort wälzt. Das seien tolle Autos auf einer gut ausgebauten Straße, widerspricht einer der Flüchtlinge.

So kommen die Neulinge und die Alteingesessenen ins Gespräch und überwinden mit den Bildern die eine oder andere Sprachbarriere. Die ist dank des Helferkreises ohnehin schon geschrumpft – manche Ehrenamtliche kommen täglich zum Deutschlernen in die Unterkünfte, erzählt Adam dankbar.

Probleme werden ausdiskutiert, nicht totgeschwiegen

Ich war ganz überrascht, wie gut ihre Deutschkenntnisse sind“, sagt Celina (15). Sie und ihre Freundin Eva-Maria (16) haben von Anfang an bei dem Fotoprojekt mitgemacht. „So lernt man die Leute einfach wirklich kennen“, sagt Celina. „Sie sind alle gleich total nett und offen auf uns zugegangen“, ergänzt Eva-Maria. „Am Anfang waren eher wir die Schüchternen.“

Diese Schüchternheit ist nun verschwunden. „Es macht jedes Mal großen Spaß hier“, erzählt Adam. Auch wenn es vor Kurzem eine kleine Projektkrise gab: Einige der Asylbewerber nahmen es mit der Pünktlichkeit nicht so genau. Es gab eine Aussprache der Asylbewerber und der Jugendlichen untereinander. Am Ende stand eine Pünktlichkeitsvereinbarung. „Wir haben ihnen erklärt, wie es bei uns läuft“, sagt Celina. Einige sind abgesprungen, weil sie eingesehen haben, dass sie den Termin nicht einhalten können. Doch an diesem Montag kommt keiner mehr zu spät. Nun ist das nächste Ziel, im Februar in Steinhöring eine gemeinsame Ausstellung auf die Beine zu stellen.

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