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Steinhöringer Missbrauchs-Prozess: Angeklagter mit parasitärem Lebensstil

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Landgericht München
Vor dem Landgericht München muss sich ein 69-jähriger Steinhöringer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten © Fotostand / Fritsch / IMAGO

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern muss sich ein 69-jähriger Steinhöringer vor dem Landgericht München II verantworten. Jetzt rückte sein Lebensstil ins Blickfeld des Interesses.

Steinhöring – Seit einem Monat muss sich ein 69-jähriger Steinhöringer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von vier Mädchen vor dem Münchner Landgericht verantworten. Wie häufig bei solchen Fällen, kommt der Angeklagte aus dem persönlichen Umfeld eines der mutmaßlichen Opfer. Nach den am Freitag, 22. April, verlesenen Dokumenten hat er einen parasitären Lebensstil gepflegt und eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt.

Erste Übergriffe, als das Mädchen zehn bis elf Jahre alt ist

Laura (Name geändert) ist etwa fünf Jahre alt, als der Angeklagte in die nähere Nachbarschaft zieht, sich mit ihrer Mutter anfreundet und sich häufig in der Wohnung der beiden aufhält. Bei McDonald’s-Besuchen und weiteren gemeinsamen Unternehmungen lernt er auch Freundinnen von Laura kennen. Als die Mädchen zehn bis elf Jahre alt sind, kommt es laut Anklage zu ersten Übergriffen: der Angeklagte soll sich zu Laura und einer bei ihrer schlafenden Freundin ins Bett gelegt und sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

Später soll er mit einer der Freundinnen in ein Waldstück gefahren sein, um sich dort befriedigen zu lassen. Mit einer anderen Freundin, die ebenfalls bei Laura übernachtet hat, soll er Kitzelspiele gemacht und das Mädchen anschließend unsittlich angefasst haben. Laura selbst soll er hundertmal missbraucht haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Zeugenaussagen zum Teil auf Video aufgenommen

Die heute 20-jährige Laura und ihre Freundinnen sind im Verlauf des Prozesses vom Gericht vernommen worden. Zum Teil sind auch ihre auf Video aufgenommenen Aussagen im Gerichtssaal abgespielt worden. Wie in Fällen mutmaßlichen Kindsmissbrauchs üblich, war die Öffentlichkeit dabei ausgeschlossen.

Am Freitag hat Lauras Bruder ausgesagt. Er berichtete von zerrütteten Familienverhältnissen. Es sei „das Gegenteil von Familie“ gewesen, erinnerte sich der heute 29-Jährige. Seine Mutter sei alkoholkrank und „häufig betrunken“ gewesen. Nach der Trennung von ihrem früheren Freund habe sie zudem unter Depressionen gelitten. Er selbst habe mit dem „Schmarrn von meiner Mutter“ nichts mehr zu tun haben wollen und sei mit 18 Jahren ausgezogen. Den Kontakt zu seiner Mutter und seiner Schwester habe er anschließend abgebrochen. Deshalb könne er zum Zeitraum, in dem die angeklagten Taten stattgefunden haben sollen, keine Angaben machen.

Angeklagter soll auch Geld von Bruder und Mutter abgezweigt haben

Der Angeklagte hat offenbar über längere Zeit als Betreuer seines behinderten Bruders Zugriff auf dessen Konto und auf das seiner Mutter gehabt und Geld für sich abgezweigt. Das ergibt sich aus den Betreuungsunterlagen, die das Gericht verlesen hat. Dem Angeklagten wird darin „kriminelle Energie“ bescheinigt und dass er nur „seine eigenen Vorteile im Blick“ gehabt habe. Im Fall der Mutter ging dies offenbar soweit, dass sie wegen der Abbuchungen des Angeklagten ihre Miete nicht mehr bezahlen konnte und ins Heim musste. Beim Prozessauftakt hatte der 69-Jährige unter anderem angegeben, Immobilien und Geldanlagen im In- und Ausland zu besitzen und eine Medizintechnik-Firma in Italien mit einem Umsatz im dreistelligen Millionenbereich aufgebaut zu haben.

Auch strafrechtlich ist der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt: Kurz bevor er in die Gemeinde Steinhöring zog, war er elf Jahre lang im Gefängnis gesessen – wegen bewaffneten Raubüberfalls. Das Urteil soll Mitte Mai fallen. Andreas Müller

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