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In Steinhöring, oberhalb des Berger Sees, musste jetzt eine größere Fällaktion gestartet werden. Spaziergänger und Reiter waren gefährdet. 

Fallaktion in Steinhöring

Bäume als Gefahr für Spaziergänger

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Die Eschen im Landkreis Ebersberg kämpfen ums Überleben. Vielerorts müssen größere Fällaktionen gestartet werden. 

Steinhöring – Von oben der Schlauchpilz von unten der Hallimasch: Die Eschen im Landkreis Ebersberg haben an zwei Fronten gesundheitliche Probleme. Und dann gibt den geschwächten Bäumen oft der Eschenbastkäfer den Rest. Der startet seinen Flug in den kommenden Wochen. In Steinhöring, oberhalb des Berger Sees, musste jetzt eine größere Fällaktion gestartet werden. Spaziergänger und Reiter waren gefährdet.

Grau-braune Verfärbungen im Inneren

Die gelagerten Bäumstämme am Waldrand in Steinhöring zeigen, dass die Eschen schon länger um ihr Überleben kämpften. Deutlich erkennbar sind grau-braune Verfärbungen im Inneren des Holzes. Typisch dabei ist ihre diffuse Ausdehnung, die nicht an Jahresringe gebunden ist. Sie sind dem Fachmann ein untrügliches Zeichen für fortschreitende Fäulnisvorgänge, die zum Schluss die Statik des ganzen Baumes gefährden können.

Wie Michael Kammermeier, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Ebersberg/München Ost berichtet, wurden die Bäume teils mit dem Harvester und teils mittels Seilwinden umgeschnitten. „Es bestand die Gefahr, dass beim Keilen große Äste abbrechen“, schildert er die Situation. Mit Keilen wird der Baum beim Fällen in eine bestimmte Richtung gelenkt. Die Arbeiter wären gefährdet worden. Teilweise fielen beim Fällen auch benachbarte Eschen einfach mit um, weil der Hallimasch, ebenfalls ein Pilz, das Wurzelwerk vollkommen zerstört hatte.

300 Festmeter wurden geschlagen

Insgesamt wurden etwa 300 Festmeter geschlagen auf zwei Grundstücken. „An der Straße mussten alle Bäume gefällt werden“, so Kammermeier – Stichwort Verkehrssicherheit. Der WBV-Geschäftsführer kündigte aber an, dass in den Eschenbestand wohl noch einmal eingegriffen werden müsse „im nächsten Jahr“. Auf den Flächen werden junge Bäume wieder angepflanzt oder kommen bei entsprechender Pflege als natürlicher Anflug wieder nach. Junge Eschen haben dabei aber keine Chance. Denn im Gegensatz zu älteren Exemplaren schreitet der Krankheitsverlauf beim Eschentriebsterben aufgrund des geringeren Stammdurchmessers schneller voran.

Pilz beeinträchtigt Bäume in ihrer Entwicklung

Ursache des neuen Phänomens ist der Pilz „Hymenoscyphus pseudoalbidus“, der die Eschen derzeit massiv in ihrer Verbreitung und Entwicklung beeinträchtigt. „Der Verursacher, auch ,Falsches Weißes Stengelbecherchen’ genannt, hat sich mittlerweile in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas etabliert“, informiert die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Im Landkreis Ebersberg ist die Krankheit flächendeckend in den Beständen anzutreffen.

Finanzieller Schaden für Waldbesitzer

Das Eschensterben verursacht den Waldbesitzern einen finanziellen Schaden. Aus den meisten Bäumen der Fällaktion in Steinhöring wird Brennholz werden, bedauert Kammermeier. Ein kleinerer Teil des anfallenden Holzes werde an regionale Säger gehen.

Eschenholz ist in der Möbelindustrie gefragt. Kammermeier selbst hat sich einen Schreibtisch daraus gezimmert. „Auch einen Axtstil habe ich daraus schon gemacht“, sagt er. Schaufel- und Axtstile aus einheimischem Eschenholz waren früher wegen ihrer Elastizität gefragt. „Jetzt werden sie meist aus Hickory gemacht.“

Kein Rezept gegen das Eschensterben

Gegen das Eschentriebsterben ist derzeit noch kein Rezept gefunden. Das infizierte Holzmaterial ganz aus den Beständen zu entfernen ist nahezu unmöglich. Chemische Pflanzenschutzmittel dürfen im Wald nicht eingesetzt werden.

Lesen Sie auch: Das Sterben der Eschen

Die einzige Strategie, die den Waldbesitzern bleibt, ist die, geringer befallene oder noch gesunde Bäume zu erhalten und zu fördern, da sie eine vielleicht vorhandene Resistenz oder auch eine Toleranz gegen den 2007 eingeschleppten Schädling an ihre Nachkommen übertragen könnten.

Lesen Sie auch: Der Landkreis Ebersberg sitzt auf dem Trockenen

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