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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Gertrud Hanslmeier-Prockl vor dem Betreuungszentrum in Steinhöring, für das sie 18 Jahre lang tätig war, neun Jahre als Chefin. Jetzt wurde sie gekündigt. 

Nach dem Rauswurf von Hanslmeier-Prockl

BZ-Mitarbeiter kämpfen für ihre Chefin

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  • Michael Acker
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Die Nachricht von dieser Kündigung kam vollkommen überraschend, die Reaktionen darauf dürfen jetzt aber die Verantwortlichen in der Katholischen Jugendfürsorge kräftig überraschen.

Steinhöring – Der Rauswurf der beliebten Leiterin des Einrichtungsverbundes Steinhöring, Gertrud Hanslmeier-Prockl, hat eine Reihe von öffentlichen Reaktionen provoziert. Die Ebersberger Zeitung hatte am Dienstag exklusiv darüber berichtet. Inzwischen ist unter den Mitarbeitern eine Unterschriftenaktion angelaufen, in der sich die Beschäftigten mit ihrer Chefin solidarisieren.

Der Vorstand des Trägervereins, die Katholische Jugendfürsorge, hatte Hanslmeier-Prockl den Stuhl vor die Türe gestellt. Der Grund: „Unüberbrückbare Differenzen.“

Einer, der dieser Darstellung wenig Glauben schenkt, ist der frühere und immer noch anerkannte Leiter des Betreuungszentrum Steinhöring, Anton Karl. „Die katholische Jugendfürsorge handelt hier gegen ihr eigenes Leitbild, in dem steht: Wir greifen das Problem an und nicht den Menschen.“ 

Karl ist empört

Er ist empört: „Das ist ein unglaublicher Skandal, was hier passiert.“ Er verweist nicht nur auf die fachliche Kompetenz von Hanslmeier-Prockl, sondern noch auf eine Besonderheit ihres Hauses: „Das ist die einzige Einrichtung, die schwarze Zahlen schreibt.“ Aber bei einem Verein „mit vielen Einrichtungen, die Minus machen kann, auch eine gut laufende in den Abgrund gezogen werden“.

Die Mitarbeiter sind nicht gewillt, die Kündigung so einfach hinzunehmen. „Wir sollten uns alle mobilisieren, wir sind fast 1000. In Zeiten des Fachkräftemangels haben wir Macht“, heißt es in einer internen Nachricht.

Auch bei den Angehörigen der Betreuten herrscht großes Unverständnis, das zeigten etliche Anrufe in der Redaktion.

Hanslmeier-Prockl: Ich bin sehr betroffen

Hanslmeier-Prockl selbst wollte zu den Vorgängen nicht Stellung nehmen. Trotzdem sagt sie am Telefon emotional bewegt: „Ich bin sehr betroffen.“ Sie habe seit 1996 für die Einrichtung gearbeitet, insgesamt 18 Jahre mit einer vierjährigen Unterbrechung. „Ich habe das immer sehr gerne gemacht.“

„Sie ist ein Mensch der klaren Worte. Man hätte mit Sicherheit Brücken bauen können“, sagt Karl. „Mit stellt sich hier die Sinnfrage: Wem dient diese Kündigung? Sie dient ganz klar nicht den Behinderten, nicht den Eltern und nicht den Mitarbeitern.“

Auch Landrat Robert Niedergesäß äußerte sich öffentlich. „Das ist ein ganz großer Verlust für das soziale Leben im Landkreis Ebersberg, das Frau Hanslmeier-Prockl mit Herzblut, hoher Kompetenz, Kreativität und großem Einsatz mit geprägt hat!“, schreibt er auf Facebook. Die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) kennt Hanslmeier-Prockl „wegen des Behinderten-Wohnheimes in Nettelkofen. Da war sie immer vorne mit dabei. Sie ist kompetent und gescheit.“

Huber kündigt Widerstand an

Der Grafinger CSU-Landtagsageordnete Thomas Huber äußerte gegenüber unserer Zeitung „absolutes Unverständnis“ für die Trennung von Hanslmeier-Prockl. Bei ihr handele es sich um eine „hochkompetente Frau“, ohne die der Einrichtungsverbund heute nicht so hervorragend da stehen würde. Sie sei darüber hinaus bei allen politischen Entscheidungsträgern, egal welcher Couleur, sehr anerkannt. Huber, der dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern angehört, kündigte Widerstand gegen die Entscheidung an.

Stewens ist sehr enttäuscht

Die frühere bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) sagte am Dienstag, sie sei sehr enttäuscht über das Vorgehen der Katholischen Jugendfürsorge. „In meiner Arbeit als Sozialministerin waren Herr Karl und Frau Hanslmeier-Prockl immer sehr wertvolle und lebensnahe Ratgeber, insbesondere in der Jugendhilfe und in der Politik für Menschen mit Behinderungen. Kritische Anregungen aus dem BZ habe ich immer dankbar aufgenommen, geprüft und ich konnte vieles davon in der Landespolitik umsetzen.“ Sie, Stewens, könne nur an alle Verantwortliche appellieren, nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen und nicht auf einer Kündigung zu beharren.

Lesen Sie auch den Kommentar: Rauswurf der BZ-Chefin: Erbärmliches Verhalten der Kirche

Der frühere Einrichtungsleiter Anton Karl glaubt, dass der Widerstand von Eltern, Beschäftigten und Behinderten noch weiter wachsen wird. „Das geht hin bis zu einer Demonstration in der Zentrale“ der Jugendfürsorge, schließt er nicht aus. Er vermutet den Grund für die überraschende Kündigung tatsächlich in einem Konflikt: „Sie hat Kritik geübt am Vorstand. Die sind beleidigt.“ Unüberbrückbare Differenzen könne es gerade in der Kirche aber kaum geben, gibt Karl zu bedenken.

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