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Susanne Kneidl in ihrem Wirtschaftsgarten, in dem sie Gemüsebeete angelegt hat – ganz nach Vorschrift.

Susanne und Karl Kneidl aus Steinhöring freuen sich über erstes Zertifikat im Landkreis

Bayern blüht: Mit Rasen im ausgezeichneten Naturgarten

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Naturgarten und Rasen? Das kann sich durchaus gut vertragen, wie ein Beispiel aus Steinhöring zeigt. Dort gibt es einen ausgezeichneten Garten.

Steinhöring – „Struktur ist alles“, sagt Susanne Kneidl (65) aus Steinhöring. Ihr Garten, ganz in der Nähe der Kirche des Ortes, ist eine Verbindung aus der englischen Tradition einer naturnah geschaffenen Landschaft mit Rasenflächen, was im Gesamtblick einen teilweise durchaus strengen Eindruck macht, und einem Naturgarten, der wild wirkt, aber bei genauerem Hinschauen organisiert ist.

Viele Sitzgelegenheiten

Unterschiedliche Bereiche sind abgetrennt und dennoch verbunden. Klare Linien sind sichtbar. Als vereinigendes Element gibt es auf dem Gelände sowohl Wege als auch sehr viele zum Verweilen einladende Sitzgelegenheiten mit interessanten Sichtachsen. Das Gesamtkonzept führte jetzt zu einer besondern Auszeichnung, worauf eine Ehrenurkunde und ein Schild am Eingang hinweist: „Naturgarten – Bayern blüht“ steht da.

Erste Auszeichnung im Landkreis

Im Steingarten wachsen und blühen genügsame Pflanzen.

Dahinter steht die Bayerische Gartenakademie an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, wie Kneidl erklärt. Laut dem Kreisfachberater im Landratsamt, Harald Käsbauer, ist dies die erste Auszeichnung und das erste Zertifikat dieser Art im Landkreis. Eine Kommission sei da gewesen mit einer langen Liste, erzählt Kneidl. Der Garten hat bestanden. Hauptkriterium: das bewusste Gestalten im Einklang mit der Natur.

Seit 35 Jahren haben Susanne und Karl Kneidl (71), lange Apotheker in Steinhöring, den Garten aufgebaut. Das Gelände ist rund 1000 Quadratmeter groß. Das Haus, an einer Stichstraße gelegen, wurde im Jahr 1956 errichtet.

Versitzgrube als Wasserreservoir

Aus der Zeit stammt auch eine alte Versitzgrube, ein Relikt aus Jahren, als es noch keine zentrale Abwasserentsorgung gab. Die Jahreszahl ist in den Beton der Deckplatte geritzt. Heute wird in dem unterirdischen Reservoir das Regenwasser vom Hausdach gesammelt. Mit einer Schlegelpumpe, von Hand zu bedienen, kommt das kühle Nass nach oben.

Schon an der Zufahrt zum Grundstück ist die Gestaltung sichtbar. Trockenmauer, Steine, und dennoch gut gedeihende Pflanzen. „Der Streifen gehört eigentlich der Gemeinde“, sagt Susanne Kneidl. „Wir betreuen ihn. Guerilla-Gardening heißt das wohl.“ Nach mehreren Versuchen entwickelte sich ein funktionierendes Konzept. „Es passt, wir brauchen dort nicht gießen.“

Disteln und Lavendel

Gleich nach dem Eingangstor etwas Ähnliches an der Hauswand. Dort unter anderem Mariendistel, Kugeldistel und Lavendel. Auch alles eher trocken. Doch wer den Blick kurz wendet, sieht etwas anderes. Der Eingang wird dominiert durch einen Hausbaum, eine Kastanie. Daneben überall hellgrüne Farne, Vogeltränken, gestaltet aus den unterschiedlichsten Gefäßen, viel Wasser, schattige Bereiche, ein Grillplatz. Wenn der nicht genutzt wird, liegt auf der Feuerstelle eine große, flache Schale, gefüllt mit Wasser, auch für gefiederte Besucher. Links neben dem Weg ein großer Gartenteich. „Den haben wir ausbaggern lassen“, sagt Susanne Kneidl. Alles andere auf dem Grundstück sei per Hand gemacht worden, auch die leichten Geländemodellierungen.

Teich am Grund frostsicher

Im Teich ist auch eine Sumpfzone für Amphibien.

Der Teich ist rund 1,20 Meter tief, also weitgehend am Grund frostsicher. Fische gibt es nicht. Aber Molche und Unken. Im nahen Totholz im Schatten der Bäume sind sichere Plätze für verschiedenste Tiere, an vielen Stellen umgeben von geschnittenem Pflanzenmaterial aus dem Garten. Das umfangreiche Altholz ist überlegt gelagert, geschichtet, teilweise durch Dachziegel abgedeckt. „Das ist kein Chaos.“ Der Streifen zieht sich entlang der Grundstücksgrenze, weitgehend verdeckt durch üppigen grünen Wuchs. Susanne Kneidl setzt auf einheimische Arten. „Die Vielfalt macht es.“ Bei den Stauden ebenso wie bei den markanten Gräsern. „Man muss für alles den richtigen Standort finden, sonst wird es nichts.“

Auffällig ein Kasten, ein Holz-Gestell, gefüllt mit dünneren Äste. Ein Meter auf einen Meter auf einen Meter. Damit haben Susanne und Karl Kneidl ihren inzwischen erwachsenen Söhnen Kilian und Korbinian erklärt, was ein Kubikmeter ist. Heute ist das geschichtete Gebilde Lebensraum für Insekten, oben drauf ein Dach, das ein weiterer besonderer Lebensraum ist. Da hat sich auch angesiedelt, was Wind und Vögel brachten.

Gepflegte Rasenfläche

Der Blick öffnet sich beim Rundgang auf eine gepflegte Rasenfläche. „Das ist natürlich nicht sehr ökologisch“, räumt Karl Kneidl ein. Aber sie gehört zum Gesamtkonzept, trägt zum Parkeindruck des Geländes bei. Gedüngt werde der Rasen natürlich nicht, betont Susanne Kneidl. Das sei auch gar nicht nötig. „Beikräuter werden händisch entfernt“.

Am Rande der Fläche und des Gartens ein besonderer Punkt mit dem „König-Ludwig-Stuhl“ und einer speziellen Schau auf den Garten, fast alles im Blick, trotz aller Ecken, Hecken und Zwischenstrukturen. Auf dem Holz am Sitzplatz übrigens wunderbar gestaltete Sterne, die Susanne Kneidl aus alten Getränkedosen macht. „Wenn es einmal regnet“, meint sie.

Gleich daneben, abgetrennt durch eine Hecke, liegt der Gemüsegarten, umgeben von einem Staketenzaun. Mehrere Steinplatten im Boden markieren die Grenze und den Übergang. Kurze Stäbe zeigen in den Beeten mit daran angehängten Zettel an, was gepflanzt wurde, damit man nicht vergisst, was im Boden ist. Oben, an der Spitze der Stäbe, ist ein Golfball aufgesetzt, damit sich niemand verletzt. Auffällig auch an einer Rankhilfe in die Höhe strebender Zwerg-Hopfen. Ganz oben thront ein Bierkrug. Dekomaterial sollte nicht zu üppig verwendet werden, sagt Susanne Kneidl. Nur was in das Konzept passt. Es gibt daher seltsame Gebilde, wie einige Eisenkugeln, die an Kanonengeschosse erinnern, oder mit Rost überzogene Vögel aus Metall.

Einfach ausprobieren

Jeder könne seinen Garten gestalten, wie er wolle, sagt Kneidl. Man solle bei der Auswahl der Pflanzen einfach etwas ausprobieren und die richtigen Standorte herausfinden. „Kein Gartenfortschritt ohne Wagnis“, steht auf einem Schild am Fenster des Gerätehäuschens im Garten.

Kontakt

Susanne Kneidl gibt gerne Tipps weiter. Infos unter susanne.kneidl@googlemail.com. Besuche im Garten möglich. Voranmeldung notwendig.

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