„Wir würden es wieder machen“: Rosemarie Oberschätzl-Kopp und Max Kopp in ihrem Haus.
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„Wir würden es wieder machen“: Rosemarie Oberschätzl-Kopp und Max Kopp in ihrem Haus.

Haus in St. Christoph/Steinhöring erhält Auszeichnung

Sie wohnen in einem Denkmal

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Ein Bauernhaus in St. Christoph hat die Denkmalschutzmedaille erhalten. Es gehört Rosemarie Oberschätzl-Kopp und Max Kopp. Sie haben viele Hürden hinter sich.

St. Christoph – Hier waren schon viele Menschen zu Besuch – unter anderem am Tag des Denkmals vor zwei Jahren. Kein Wunder, das Haus ist mit Holz errichtet das im Jahr 1779 geschlagen wurde. Neues Leben ist im aufwändig renovierten Hofna-Anwesen in St. Christoph 10 aktuell auch dazu gekommen. Max Kopp und seine Frau Rosemarie freuen sich über ihren Nachwuchs Leonhard, der Papa ist momentan in Elternzeit. Zeit für einen Rück- und Ausblick.

Ein Brunner vor dem Haus: Auch bei der Gestaltung der Außenanlagen wurde an alles gedacht.

Dass unter den vielen Besuchern des Hofna-Hauses Fachleute des Denkmalamtes waren, hatte jetzt Folgen. Für die liebevolle Instandsetzung des Bauernhauses in Steinhöring gab es eine Auszeichnung. Rosemarie Oberschätzl-Kopp und ihrem Mann Max Kopp wurde am Sonntag die Denkmalschutzmedaille 2020 verliehen. Der Lohn für fünf Jahre Umbauarbeiten. Würden die Kopps das wieder machen? „Auf jeden Fall. Wir sind immer bei der Stange geblieben. Wenn man das Schritt für Schritt macht, sieht man, wohin die Reise geht. Da hat man Freude daran.“ In diesem Jahrgang gibt es nur 26 Preisträger im gesamten Freistaat mit seinen über 13 Millionen Einwohnern. Das gaben Kunstminister Bernd Sibler und Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, am Sonntag in München bekannt. Sibler betonte dabei: „Unsere Denkmäler sind wertvolle Zeugen unserer Vergangenheit, aus denen wir auf ganz besondere Weise in unsere Geschichte eintauchen können. Wenn wir uns auf sie einlassen, finden wir in den historischen Bauwerken einen Teil unserer Identität. Hier sind wir zuhause, das ist unsere Heimat. Dafür bewahren und pflegen wir sie.“ Da hatte der Minister im Falle des Hofna-Anwesens gleich zweimal recht. Denn das Ehepaar Kopp wohnt tatsächlich in seinem Denkmal und bis es soweit war, waren einige Schwierigkeiten zu überwinden – bis zum Schluss.

Das gesamte Interieur wurde von den Kopps entworfen und nach historischen Vorbildern gefertigt.

Die Verleihung des Preises konnte aufgrund der Corona-Pandemie ausnahmsweise nicht in der Alten Münze in München vollzogen werden. Die Übergabe wird deshalb im Rahmen eines persönlichen Besuches vollzogen. „Die kommen bei uns vorbei“, sagt Max Kopp. Wann genau, das wisse er noch nicht. Wer hingegen wissen will, wie es sich in einem Denkmal wohnt, kann das ausprobieren. Ein Teil des Gebäudes wurde zum Gästehaus gestaltet, deswegen hat das renovierte Hofna-Anwesen auch zwei Haustüren. Hinter der einen befindet sich ein zweigeschossiges Bauernhaus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Seit seinem Bau um das Jahr 1780 hat sich dort kaum etwas verändert, beziehungsweise wurde jetzt behutsam renoviert. Hinter der anderen öffnet sich eine moderne Wohnlandschaft über zwei Ebenen. Für den Bereich im Gästehaus „haben wir im Juli die ersten Buchungen“. Dass das Haus so abgeschieden liege, könne in Zeiten der Corona-Pandemie sogar ein Vorteil sein, glaubt Kopp. Früher vereinte der Einfirsthof Wohnbereich, Stall und Tenne unter einem Dach. Als ihn Rosemarie Oberschätzl-Kopp und Max Kopp 2014 übernahmen, sollte er ihr neues Zuhause werden. Nur, wie konnten sie dabei seinen historischen Charakter erhalten und gleichzeitig den Umbruch in die Moderne wagen? Die Antwort auf diese Frage bestand in einem Haus-im-Haus-Konzept. Dort, wo einst Stall und Tenne waren, befindet sich jetzt das Heim der Kopps. So war es unter anderem möglich, große Fenster einzuziehen, ohne dass sie von außen auffallen. Projektbeteiligte waren das Architekturbüro Reinhard Lindner, Wörth, Martin Tauchmann, Pfaffing-Forsting und die denkmalfachliche Beratung erfolgte durch Hildegard Sahler.

Altes neu interpretiert

Das Anwesen der Kopps in St. Christoph, einem Gemeindeteil von Steinhöring.

„Die Bundwerkfassade des Wirtschaftsteils blieb nahezu unberührt“, lobt das Denkmalamt. Hier und da fehlen Bretter, damit Licht ins Innere fällt. „Altes hat das Paar neu interpretiert und etwa den Tennenboden in den neuen Betonboden integriert. Im früheren Wohnteil, den heute Feriengäste mieten können, baute es die Fenster nach historischem Vorbild zurück. Damit der Blockbau außen und innen sichtbar bleibt, verzichtete es auf eine zusätzliche Wärmedämmung.“ Im Erdgeschoß steht ein alter Ofen, dessen Wärme durch die Ritzen im Gebäude aufsteigt und im Obergeschoss der Ferienwohnung für Wärme sorgt.

Freilich musste für den Umbau ein zusätzlicher Aufwand betrieben werden – unter anderem mit einem aufwändigen Lüftungssystem im neuen Wohnbereich, in dem aufgrund der Konstruktion nicht quergelüftet werden kann. „Das war nicht immer leicht“, berichtet Kopp. Am Ende sei die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt aber „sehr gut“ gewesen.

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