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Um das Brummen ist es still geworden. Hier der Kirchturm in Steinhöring. 

Woher kommt das Geräusch?

Steinhöring: Um das mysteriöse Brummen ist es still geworden

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Einige Steinhöringer hören es noch, andere nicht mehr: Die Ursache ist nach wie vor unklar. Ein Gemeindemitglied hat recherchiert. 

Steinhöring – Resignation, tatsächliche Verbesserung oder Nothilfemaßnahmen der Betroffenen, die greifen: Was es genau ist, lässt sich schwer sagen. Fest steht, dass es nach geharnischten Protesten von vor drei Jahren um das unheimliche Brummen in Steinhöring zumindest in der Öffentlichkeit etwas stiller geworden ist. „Von der rechtlichen Seite her und vom Goodwill ist alles ausgeschöpft“, sagt Steinhörings neue Bürgermeisterin Martina Lietsch).

Die Ursachen des Brummens konnten bisher genau so wenig exakt herausgefunden werden, wie die Stimmen dazu nicht einheitlich sind. Während Henning Böhm (52) als Betroffener sagt: „Ich habe das Gefühl, dass das Brummen schwankt, kurz vor den Ferien wird es schlimm“, berichtet dagegen ein Betroffener aus Dietmering (60), dass das Geräusch seiner Wahrnehmung nach komplett verschwunden sei. Der Betriebstechniker glaubt sogar, dass er dazu einen Beitrag geleistet hat.

„Ich hab es selbst gehört und das alles mitgemacht“

„Ich hab es selbst gehört und das alles mitgemacht“, erinnert sich der 60-Jährige. Im Rahmen seiner Arbeit in München sei er auf einen interessanten Vorgang aufmerksam geworden. „Da waren große Lüftermotoren am Stachus so laut, dass sie vier Häuserblocks weit zu hören waren“. Ein Techniker habe sich kundig gemacht und einen Phasenabgleich der Motoren vorgenommen. Und siehe da, das Geräusch verschwand.

Brummen kommt von großen Pumpen?

In der Öffentlichkeit wurde gemutmaßt, das Brummen könnte von großen Pumpen kommen, die die OMV bei Etzenberg betreibt. Zum Betrieb der Pipeline sind leistungsfähige Pumpen notwendig. Der Betriebstechniker rief damals eigener Auskunft nach bei OMV an und bat darum, doch bei den riesigen Pumpenmotoren ebenfalls einen solchen Phasenabgleich zu machen. „Schaut’s mal nach, vielleicht liegt es ja daran.“ 

Damals habe er am Telefon zwar die Auskunft bekommen, dass momentan nichts zu machen sei, weil der betreffende Techniker gerade in Urlaub sei. „Aber schon in der folgenden Nacht waren die Pumpen viel leiser, als sie hochgefahren wurden. Seitdem höre ich nichts mehr.“ Dietmering ist etwa zwei Kilometer vom Tanklager in Etzenberg entfernt.

Phasenabgleich kann bei großen Elektromotoren helfen

Dass ein Phasenabgleich bei großen Elektromotoren tatsächlich helfen könne, unerwünschte Resonanzen und Schwingungen zu reduzieren oder sie sogar zu egalisieren, bestätigt ein Anruf bei der Firma Rothmoser in Grafing. Das geschehe mittels Kondensatoren oder auf elektronischem Weg, erklärte Martin Rothmoser.

War die Lösung so einfach? „Da ist viel Resignation dabei“, erklärt eine Betroffene, warum das Thema Brummton kaum mehr in der Öffentlichkeit steht. „Ich habe davon schon länger nichts mehr gehört“, berichtet Rathauschefin Martina Lietsch. Sie sagt aber auch, Bürger hätten ihr berichtet, dass man das Brummen manchmal höre und manchmal nicht.

Martina Lietsch, Bürgermeisterin.

Böhm hört die „Brummerei“ nach wie vor

Anders als der 60-jährige Betriebstechniker hört Böhm die Brummerei jedoch nach wie vor. Er ist aufgrund der Corona-Situation derzeit „zu 95 Prozent im Homeoffice“ und hat deswegen die Geräuschkulisse ganztägig auf dem Schirm. Eigener Auskunft nach ist er mit dem Schlafzimmer in den Keller seines Hauses umgezogen. Den Raum habe er mit Schaumstoff schallisoliert. „Ich kann jetzt zu 80 Prozent mehr schlafen“, berichtet er vom Teilerfolg dieser Maßnahme. Das Brummen sei aber besonders „in der Nacht sehr präsent“.

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