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Gertrud Hanslmeier-Prockl sitzt am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht in München neben ihrem Anwalt. Der Saal ist brechend voll. Zahlreiche Frauen und Männer aus dem Landkreis waren gekommen, um ihre Solidarität mit der geschassten Einrichtungsleiterin zu bekunden.

Verhandlung am Donnerstag, 23. Mai

Vor dem Arbeitsgericht: Steinhöringer lassen ihre „Gerti“ nicht hängen

Es war der größte Saal im Münchner Arbeitsgericht – und trotzdem reichten die Plätze nicht. Über 50 Mitarbeiter, Bewohner, Eltern und Betreuer waren gekommen, um sich für Gertrud Hanslmeier-Prockl einzusetzen.

Steinhöring – Die Leiterin des Einrichtungsverbunds Steinhöringer Werkstätten klagte gegen ihre Kündigung durch die Katholische Jugendfürsorge (KJV).

Es zeigte sich: Hanslmeier-Prockl hat viele Fürsprecher. „Gerti hat sich immer für uns eingesetzt“, sagte zum Beispiel Eberhard Neubert, der seit 42 Jahren im BZ ist. „Jetzt geben wir es ihr wieder zurück. Wir stehen alle hinter ihr.“

Sorge um Betreuungszentrum

Schon vor der Verhandlung war spürbar, dass die Sorge groß ist, wie es künftig mit dem Betreuungszentrum (BZ) in Steinhöring weiter geht. Berichtet wurde auf dem Gerichtsflur auch von einer Krisenbesprechung zwischen dem Aufsichtsrat und Vertretern des BZ – zu einer Annäherung soll es dabei nicht gekommen sein. Gertrud Hanslmeier-Prockl ist derzeit von der Arbeit freigestellt.

Vor Gericht wirkte sie sichtlich mitgenommen, aber kämpferisch. Die beiden gegnerischen Parteien hatten bereits zuvor vereinbart, ein Güterichterverfahren durchzuführen. Wie bei einer Mediation soll dabei versucht werden, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Der Termin steht noch nicht fest.

Differenzen sind groß

Schon jetzt aber deutete sich an, dass die Differenzen groß sind. Während Max Aschenbrenner, Rechtsanwalt der Katholischen Jugendfürsorge, betonte, dass vor und nach Ausspruch der Kündigung „jederzeit die Türe für Gespräche offen“ gestanden sei, erklärte Hanslmeier-Prockl, dass es „kein Gesprächsangebot zur Weiterbeschäftigung gegeben“ habe.

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Im März hätte sie Kritik an der KJV geäußert, berichtete sie. Ein weiteres Gespräch hätte am 1. April stattgefunden und am 9. April hätte man ihr schließlich mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat beschlossen hat, sich von ihr zu trennen. Am 23. April hätte sie die Kündigung erhalten.

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Die genauen Gründe für die Kündigung wollte Rechtsanwalt Max Aschenbrenner noch nicht nennen. „Wir sollten den Ball flach halten, um die Gespräche nicht zu belasten“, erklärte er. Nur so viel sagte er: „Wir haben auf der juristischen Seite Argumente, die zur Trennung führen können.“

Claudia Schuri

Unser Kommentar: Rauswurf der BZ-Chefin: Erbärmliches Verhalten der Kirche

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