Ein Mann bringt neben sich eine Glühbirne durch ein Photovoltaik-Modul zum leuchten.
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Markus Bürgmayr (71) aus Steinhöring erzeugt Strom mit einem ausgedientem Photovoltaik-Modul.

Bitte nicht wegwerfen

Ausgelaufene Förderung: Dutzende Photovoltaikmodule werden entsorgt, obwohl sie noch funktionieren

Weil gesetzliche Förderungen auslaufen, werfen viele ihre Photovoltaikmodule weg. Einen Steinhöringer macht das fassungslos: „Es ist Irrsinn, was da passiert.“

Steinhöring – Markus Bürgmayr bekommt 60 ausgediente Photovoltaikmodule geschenkt. Der Steinhöringer ist irritiert. Er fragt sich, warum man ihm die Module schenkt und geht der Sache nach. Die Antwort, auf die er stößt, ist simpel: „Weil die EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) nach 20 Jahren ausläuft, bauen viele Hausbesitzer ihre bisherigen Anlagen ab, entsorgen sie und bauen neue aufs Dach.“

Denn: „Würden die alten Anlagen weiterlaufen, erhält der Eigentümer nach 20 Jahren nur noch 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde für die Einspeisung ins Netz, bei Neuanlagen hingegen 7 bis 8 Cent pro Kilowattstunde.“

Weggeworfene Photovoltaikmodule: 25 Jahre alt und trotzdem einwandfrei

Bürgmayr ist fassungslos: „Die Anlagen werden als Elektroschrott entsorgt, obwohl sie noch funktionieren!“ Ein Unding sei das und so gar nicht im Sinne der Energiewende. Die ihm geschenkten Module hat er getestet, einen Laderegler angeschlossen, einen Spannungswandler und zum Bespiel damit eine Glühbirne zum Leuchten gebracht. „Die PV-Module sind noch leistungsfähig,“ stellt der einstige Mitarbeiter des Ebersberger Rathauses fest, „und immerhin schon 25 Jahre alt.“

In Ebersberg war der Maschinenbautechniker früher für die Technik des Wasserwerks zuständig. Er habe, so erzählt er, aber auch einen Hang zur Elektrotechnik. Umso mehr ist er verärgert: „Es ist Irrsinn, was da passiert. Man wirft Dinge weg, die noch funktionieren, nur weil man ein paar Cent mehr bekommt.“

Vorschlag für alte Photovoltaikmodule: Verwendung der Kommunen für Betriebsanlagen

Auch auf dem Dach von Bürgmayrs Haus existiert seit 20 Jahren eine Solaranlage. Doch der Bastler denkt nicht daran, sie auszubauen. „Nur, wenn sie nicht mehr funktioniert, tausche ich sie aus.“ Er zieht einen Zettel hervor, auf dem die Erträge seiner PV-Anlage in den letzten 20 Jahren dokumentiert sind. „Alles funktioniert nach wie vor hervorragend,“ verkündet er. „Die Leistung der Module ist im Laufe der 20 Jahre höchstens drei bis vier Prozent schlechter geworden. Kein Grund sie zu entsorgen. Absolut nicht.“ Er schüttelt den Kopf. „Lediglich einen Wechselrichter musste ich nach 17 Jahren einmal austauschen. Das war’s.“

Der 71-Jährige ist konsterniert: „Die PV-Module haben doch einen Gebrauchtwert, ähnlich wie ein gebrauchtes Auto. Und jetzt sollen sie entsorgt werden?“ Weil ihn das ärgert, hat er sich ausgedacht, was man mit den 20 Jahre alten Photovoltaikmodulen machen könnte: „Die Kommunen könnten die Gebrauchtmodule an ihren 24 Stunden laufenden Betriebsanlagen verwenden. Das wäre ein Beitrag zum Klimaschutz, der obendrein einen Kostenvorteil mit sich bringt, denn der auf dem Dach erzeugte Strom muss nicht gekauft werden.“

Steinhöringer appelliert an Kommunen alte aber funktionierende Module weiterzuverwenden

Bürgmayr schlägt vor, die alten Module beispielsweise an Dächer der Wasser- oder Abwasserstationen anzubringen. „Die Pumpen dort laufen permanent. Es hat doch nur Vorteile, wenn man einen Teil des Stromes dafür über die Sonne gewinnt, mit PV-Modulen, die ansonsten entsorgt würden.“ Er rechnet vor: „Das würde je nach Größe des Daches bis zu 15 Prozent Ersparnis bringen.“

Natürlich weiß der Steinhöringer, dass die Anschaffung neuer Photovoltaik-Anlagen heute deutlich günstiger ist als noch vor 20 Jahren. Dennoch hält er es für falsch, immer nur auf Neues zu setzen, vor allem dann, wenn dafür funktionierende Dinge weggeschmissen werden. Das sei nicht im Sinne des Klimaschutzes. Nachgefragt: sind neue Module nicht effektiver? „Etwas schon, klar. Früher brauchte man sieben Quadratmeter für eine Kilowattstunde, heute vielleicht fünf. Und? Austauschen kann man die Module immer noch, aber erst dann, wenn sie kaputt sind. Das ist dann ganz unkompliziert.“ Sein Appell an die Kommunen: „Bitte nicht wegschmeißen, sondern weiterverwenden.“  pke

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