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Mann (69) soll vier Kinder missbraucht haben

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Von: Angela Walser

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Sitzungssaal im Landgericht München II: Ein Miesbacher Fall wird dort weiter verhandelt.
Sitzungssaal im Landgericht München II: Ein Steinhöringer muss sich hier verantworten. © Lino Mirgeler/dpa

Einem Mann (69) aus Steinhöring wird vor dem Landgericht München II der Prozess gemacht. Er soll vier Mädchen sexuell missbraucht haben. Der Mann streitet alles ab.

Steinhöring/München – Ist es plausibel, dass ein Mensch Immobilien und Geldanlagen im In- und Ausland besitzt und gleichzeitig als Putzhilfe und Regalauffüller im Supermarkt jobbt? Dem Wahrheitsgehalt dieser und vieler anderer Behauptungen geht seit Montag das Landgericht München II nach. Angeklagt ist ein 69-Jähriger aus Steinhöring. Zwischen 2012 und 2019 soll er vier Mädchen sexuell missbraucht haben.

Angeklagter: „Damit habe ich nichts zu tun“

Zu Prozessauftakt bestritt er die Vorwürfe der Anklage. „Damit habe ich nichts zu tun“, sagte er. „Und wie kommen die Damen darauf?“, fragte der Vorsitzende Richter Martin Hofmann nach. Das sei aus Neid der Freundinnen entstanden, mutmaßte der Angeklagte, weil er „Sugardaddy-mäßig“ für Klamotten, Urlaube und Handys gesorgt hätte. „Ich habe alle Kinder erst nach 2016 kennen gelernt... Sie sagen die Unwahrheit“, fügte er noch hinzu.

Zuvor hatte er das Gericht mit einem bemerkenswerten Lebenslauf bedient. Demnach verweigerte er wegen seiner jüdischen Religionszugehörigkeit die Bundeswehr, haute immer wieder ab. Er entwickelte eine Medizin-Technik-Firma in Italien und erzielte einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich. Er wurde 1985 in Tschechien „politisch gefoltert“. Obwohl er Immobilien in Italien, zwei Campingplätze in Griechenland und ein Hotel in Kroatien besaß, überfiel er zehn Jahre später in München einen Supermarkt und zwei Videotheken sowie einen Baumarkt in Wolfratshausen. Er wurde zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Frau wurde in Banja Luca erschossen, die Tochter starb bei einem Verkehrsunfall in Paris, der Sohn wurde in Kroatien von einem Lkw überrollt. 2006 kam der Mann nach Steinhöring.

Eine 14-jährige soll er 20 Mal vergewaltigt haben

Offenbar war er gut mit der Mutter eines heute 20-jährigen Opfers befreundet. Er half im Alltag aus, machte mit den Kindern Hausaufgaben. Aber mehr war nicht. „Die hängen alle zusammen“, beklagte sich der Angeklagte. Sie wollten ihn fertig machen, weil er sie früher links liegen ließ, behauptete er. Die beiden Anklagen hingegen gehen davon aus, dass er sich den heute erwachsenen Frauen unsittlich näherte. Eine damals 14-Jährige soll er 2015 in 20 Fällen vergewaltigt und dem Kind angedroht haben, es solle nichts der psychisch kranken Mutter sagen, weil deren Versorgung sonst nicht gesichert sei wie auch das Wohl der Familie.

Warum sich die jungen Frauen erst vor zwei Jahren offenbarten, blieb zu Prozessbeginn unbekannt. Bei der Vorführung einer Video-Vernehmung wurde die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. Der Angeklagte hatte angesichts der massiven Vorwürfe noch erklärt, dass er schon den Mumm habe, alles einzugestehen, „wenn etwas dran wäre.“ Er selber war 2019 nach Chemnitz gezogen. Dort wurde er im September 2020 festgenommen und war nach eigenen Angaben völlig überrascht ob der Missbrauchsvorwürfe. Im Oktober wurde er nach München überstellt, wo er bis April vergangenen Jahres eine Ersatzfreiheitsstrafe aufgrund eines Strafbefehls des Amtsgerichts Ebersberg absaß. Der aktuelle Prozess ist zunächst bis Ende April diesen Jahres terminiert. Sollte der 69-Jährige die Taten nicht einräumen, müssen die jungen Frauen nochmals vor Gericht vernommen werden.

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