Darum geht es: Die schmale Stiege rechts ist der einzige Weg aus dem Ratszimmer im zweiten Stock - abgesehen von den Fenstern.

Rathaus Steinhöring

Rettung - knapp kalkuliert

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Steinhöring - Gemütlich haben es die Gemeinderäte im holzgetäfelten Sitzungssaal des Steinhöringer Rathauses. Aber wo ist der Rettungsweg?

In den adretten Raum im zweiten Stock führt der Weg der Gemeinderäte über ein enges Stiegenhaus mit Teppichboden.

Dieses Treppenhaus ist aber auch der einzige bauliche Rettungsweg - unter dem Gesichtspunkt des Brandschutzes nicht ideal. Außentreppe oder Rettungsleiter? Fehlanzeige. Für ein Gebäude von der Größe des Steinhöringer Rathauses reicht eine Treppe normalerweise auch. Denn laut des Rettungsleitfadens des bayerischen Landesfeuerwehrverbandes kann der zweite Rettungsweg „eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein“. „Vor dem Rathaus ist ein großer Parkplatz“, sagt dazu Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU). Damit sei sichergestellt, dass im Brandfall die Feuerwehr genügend Platz habe, um mit Rettungsleitern anzurücken.

Das Problem ist aber: Für die Rettung eines Menschen über eine Steckleiter, wie sie die Steinhöringer Feuerwehr nutzt, kalkulieren die Retter einen Zeitbedarf von rund drei Minuten pro Person - bei „selbstständig handelnden und sich bewegenden Menschen“, heißt es dazu in dem Feuerwehr-Leitfaden. Und weiter: „Bei 10 Personen kann man unter diesem Hintergrund von einem Zeitbedarf von ca. 30 Minuten ausgehen.“ Der Gemeinderat von Steinhöring hat 17 Mitglieder - ohne etwaige Zuschauer.

Im Idealfall können die Retter davon ausgehen, dass die Steckleitern aus Steinhöring und St. Christoph sowie die Ebersberger Drehleiter innerhalb der üblicherweise angenommenen zehn Minuten am Einsatzort sind. Es verginge aber auch bei drei eingesetzten Leitern insgesamt fast eine halbe Stunde, bis allein die Gemeinderatsmitglieder bei einem Brand in Sicherheit wären - solange sich niemand schwerer verletzt und alle bei Bewusstsein bleiben.

Rathauschef Hofstetter sieht keinen Handlungsbedarf. Er gibt zu bedenken, dass der Raum mit Ausnahme der monatlichen Gemeinderatssitzungen kaum genutzt werde. Der Aufwand für eine Brandschutz-Umrüstung sei darum unverhältnismäßig hoch. „Wir werden auch nichts in der Richtung machen in der nächsten Zeit“, sagte Hofstetter am Mittwoch gegenüber der Ebersberger Zeitung.

Ein Brandschutzkonzept für das Rathaus gibt es nicht. Deshalb und wegen unzureichender Flucht- und Rettungswege wurden jüngst im maroden Vaterstettener Rathaus größere Umbauten fällig. In Steinhöring ist die Situation weniger dramatisch. Aber so unwahrscheinlich das Szenario auch ist - wenn sich Menschen bei einem Brand im Sitzungssaal befinden, könnten der schmuck vertäfelte Raum und die enge Stiege mit Teppichboden schlimmstenfalls zur „Falle“ werden.

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