Steinhöringer Wirte-Paar lädt Partei aus

AfD fliegt raus

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Die AfD darf bis auf Weiteres in der „Alten Post“ in Steinhöring keine Veranstaltungen mehr abhalten. Ein für vergangenen Freitag angekündigter Vortrag zum Thema „Gender-Mainstreaming“ musste kurzfristig abgesagt werden. Ursache war die „Stimmung“ im Ort, sagte Wirtin Justyna Srocynska.

Steinhöring – „Wir wohnen hier und haben zwei Kinder“, meint die Wirtin gegenüber der EZ vorsichtig. Sie und ihr Mann Krzysztof bewirtschaften das Lokal schon seit sechs Jahren erfolgreich. Sie wollten keinen Ärger im Ort.

In einer Mail an die „Mitglieder und Förderer“ der AfD auf Kreisebene berichtet Walter Gehring in seiner Funktion als kommisarischer AfD-Kreisverbandsvorsitzender von einem „Bedrohungsszenario“, das von Polizei, Landratsamt und Bürgermeister vor den Wirtsleuten aufgebaut worden sei.

Dass er Druck auf das Gastwirtsehepaar ausgeübt habe, weist Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU) von sich. „Das wüsste ich aber“, meinte er auf Nachfrage. Er habe den Wirt lediglich darauf hingewiesen, dass der Termin für die AfD-Veranstaltung unglücklich gewählt sei, weil am nächsten Tag die Dorfplatzeinweihung und das Bürgerfest angesetzt waren und das Vorbereitungen erforderte. Die AfD sei seinem Kenntnisstand nach schon öfter in Steinhöring zu Gast gewesen, nur diesmal seien eben „Flyer verteilt“ worden.

Auch die Ebersberger Polizei weist von sich, sie hätte Druck auf das Wirtsehepaar ausgeübt. „Die Anmeldung (zu dieser Veranstaltung, Anm. der Red.) ist bei uns eingegangen, das ist ein ganz normaler Ablauf“, lautet die Auskunft aus der Inspektion. Man habe anschließend „mit dem Veranstalter und dem Betreiber der Örtlichkeit Kontakt aufgenommen“. Das Weitere sei Sache des Landratsamtes. Gehring hingegen sieht die AfD ungerecht behandelt und teilte den „Mitgliedern und Förderern“ mit: „Aufgabe von Landratsamt Bürgermeister und Polizei wäre es, den Wirtsleuten zu ermöglichen, ihrem Geschäft nachzugehen, ohne eine demokratische und durch Wahlergebnisse in beachtlichem Umfang legitimierte Partei diskriminieren zu müssen.“

Dass es ein Gespräch mit der Polizei gab, bestätigt auch Justyna Srocynska. „Sie haben gesagt, dass eine Demonstration beabsichtigt wird.“ Die Familie entschloss sich angesichts dieser Gegenveranstaltung, den AfD-Vortrag in ihrer Gaststätte lieber nicht stattfinden zu lassen.

„Der Vortrag von Anne Cyron hätte mich interessiert, mit der AfD habe ich aber nichts am Hut“, sagt einer, der deswegen extra nach Steinhöring gefahren ist. Dass das Referat von Anne Cyron auf „brutale Weise vereitelt wurde“, findet er „nicht in Ordnung“.

Anne Cyron will als Direktkandidatin im Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen bei den kommenden Wahlen für die AfD in den Landtag einziehen. Sie findet die „Genderideologie“ gefährlich, weil sie „Kinder und Enkelkinder zu verwirrten und identitätslosen Objekten erziehen möchte“. Für sie gehört der „Islam nicht zu Deutschland“, sie will „traditionelle Familienstrukturen“ und die „Schließung der bayerischen Grenzen“ sowie die „sofortige Abschiebung aller Scheinasylanten“. Am Dienstagabend hätte im Tannenhof in Egmating eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden sollen, weil Teile des AfD-Vorstandes zurückgetreten sind. „Der Raum im Tannenhof wurde abgesagt“, teilte Gehring aber auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung mit.

Rubriklistenbild: © dpa / Christophe Gateau

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