Josef Bauer hat im Krieg seinen Bruder Anton verloren.

Stille Geste der Versöhnung

Ebersberg - Josef Bauer aus Ebersberg war schon öfter in Costermano. Hier liegt sein im II. Weltkrieg gefallener Bruder Anton begraben. Heuer nahm der Ebersberger noch einmal an einer Fahrt dorthin teil, aus Anlass des Volkstrauertages. Bauer machte eine ungewöhnliche Begegnung.

Eine Gruppe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge aus Ebersberg hatte unter der bewährten Leitung von Manfred Bergmeister, Vroni und Rudi Kebinger eine Trauerfeier auf dem Soldatenfriedhof organisiert, auf dem 21 920 deutschen Gefallenen des II. Weltkriegs eine würdige Ruhestätte auf italienischem Boden eingerichtet wurde. Costermano ist ein kleines Dorf im Hinterland des Gardasees mit etwas über 3000 Einwohnern.

Bei der Trauerfeier passiertes etwas Merkwürdiges. Plötzlich und ungefragt stellte sich ein italienischer Veteran in Uniform neben Bauer, hängte ein Gedenktuch an das Grab von dessen Bruder, und stand in wortlosem Gedenken neben dem Ebersberger. Bauer war beeindruckt. „Das war eine stille Geste der Versöhnung am Grab meines Bruders“, sagte er, „ein innnerliches Beisein eines Außenstehenden“. Unmittelbar nach Ende der Gedenkfeier habe er versucht, mit dem fremden Veteranen Kontakt aufzunehmen. „Der konnte leider kein Wort Deutsch und ich nicht Italienisch“. Die Verständigung scheiterte, es blieb bei der versöhnliche Geste.

Bauers Bruder Anton war gerade 18 Jahre alt, als er bei einem Einsatz als Meldefahrer am San Bernadino bei einem Tieffliegerangriff sein Leben lassen musste. Die Gedenkfeier war für Josef Bauer und seine Frau Irene „sehr ergreifend“. Die Feier wurde in italienischer und deutscher Sprache abgehalten.

Begleitet wurde die Delegation von der Stadtkapelle Ebersberg. Der ökumenischen Feier wohnten als Vertreter der Bundsrepublik Deutschland der Generalkonsul aus Mailand, Axel Hartmann, als Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge Waldemar Krause sowie der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer bei.

Bei den Ansprachen betonten die Teilnehmer die Bedeutung der Versöhnung über den Gräbern als Mahnung an den Frieden. Im Anschluss daran wurden Kränze niedergelegt und zum Ausklang der Feier spielte die Stadtkapelle Ebersberg die italienische und die deutsche Nationalhymne. An der Grabstätte von Anton Bauer ließen die Ebersberger Gäste außerdem die Bayernhymne erklingen.

Für die Ebersberger Gruppe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge um Manfred Bergmeister war es bereits die 41. Fahrt nach Costermano. Bergmeister hat auch das große Kreuz geschmiedet, das auf dem Hügel von Costermano steht, wo die Gottesdienste abgehalten werden.

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