Sabine Pauker nimmt wehmütig Abschied von ihrem 10-jährigen Wallach „Klaas“, den sie schon als fünf Monate altes Fohlen erhalten hat. Foto: hartl

Ein Pferd auf Reisen: Abschied für neun Wochen

Straußdorf - Die „Landshuter Hochzeit“ wirft ihre Schatten voraus. Für neun Wochen wird der schwarze Friesen-Wallach „Klaas“, zu deutsch Klaus, eine tragende Rolle bei der diesjährigen „Landshuter Hochzeit 1475“ spielen, wie schon einmal vor vier Jahren, bei seinem ersten „Einsatz“ in Landshut.

Sabine Pauker aus Straußdorf nimmt Abschied von ihrem geliebten „Klaas“, der in wenigen Minuten verladen wird und seine Reise nach Landshut an der Isar antreten wird. Die Aufführung des weltweit größten mittelalterlichen Spektakels findet vom 28.Juni bis 21. Juli 2013 statt. Schon Wochen vor Beginn des Festes werden rund hundert Pferde aus ganz Bayern nach Landshut gebracht, wo sie auf ihren Einsatz von speziellen Pferdeführern vorbereitet werden.

Der prächtige „Klaas“ mit seiner gewaltigen Mähne wird beim Fest vom Bräutigam und Hauptdarsteller der mittelalterlichen Hochzeit, Herzog Georg von Bayern-Landshut, geritten. „Georg der Reiche“ war bei seiner Hochzeit 20 Jahre alt und bereits mitregierender Herzog. Die Braut, Prinzessin Hedwig von Polen, wird in einer prächtigen Kutsche gefahren, die von sechs Pferden gezogen wird.

Die Pferderasse der Friesen ist eine der ältesten Pferderassen Europas, die ursprünglich aus der Provinz Friesland stammt und heute in Reinzucht ohne Fremdbluteinkreuzung gezüchtet wird. Friesen sind stämmige Pferde mit sehr kräftigem Hals und ausgeprägter Rippenwölbung und werden ausschließlich auf die schwarze Farbe des Rappen selektiert, haben üppiges Langhaar und sind erkennbar am Kötenbehang an den Beinen.

Der große Festzug an den vier Sonntagnachmittagen, zu dem sich über 2000 Mitwirkende der „Landshuter Hochzeit“ versammeln, erinnert an den Einzug der Polnischen Braut in die Reichsstadt Landshut am 14. November 1475. Der Festzug bewegt sich über den Dreifaltigkeitsplatz, die Altstadt hinunter, an der Hl. Geist-Kirche vorbei, über den Bischof-Sailer-Platz zur Neustadt, diese hinauf bis zur Jesuitenkirche, kommt auf demselben Weg wieder zurück und mündet in den Turnierplatz. Entlang des Zuges tummeln sich Gaukler, Reigentänzer, Spielleute und mancherlei Volk. Über 100 rassige Pferde werden die Besucher begeistern, darunter der prachtvolle Wallach „Klaas“ aus Straußdorf. Die Futterzettel aus dem Jahr 1475 belegen, dass bei der damaligen Hochzeit über 8800 Pferde versorgt werden mussten. Man schließt daraus auf rund 10 000 Hochzeitsgäste, die über acht Tage zu versorgen waren. Etwa so viele, wie Landshut 1475 Einwohner hatte. Ende Juli wird Sabine Pauker ihren „Klaas“ wiedersehen.

Weitere Informationen

unter www.landshuter-hochzeit.de

Otto Hartl

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