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Straußdorf soll Nahwärme "kanalisieren"

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Sonnenbeschienen: Straußdorf könnte sich energetisch selbst versorgen – vorausgesetzt es gibt ein Nahwärmenetz. jro
Sonnenbeschienen: Straußdorf könnte sich energetisch selbst versorgen – vorausgesetzt es gibt ein Nahwärmenetz. jro

Grafing - Eine überwiegend alte Bausubstanz, kein Erdgasanschluss und bevorstehende Kanalbaumaßnahmen: Das sind die Zutaten, aus denen in Straußdorf ein Nahwärmenetz erwachsen könnte - wenn die Bürger mitmachen.

Initiator dieses Vorhabens ist der CSU-Kreisrat und Vorstand der Bioenergie Grafing AG, Martin Lechner, der selbst in Straußdorf wohnt. Auftaktveranstaltung soll ein Diskussionsabend am Freitag, 2. Dezember, um 19 Uhr, im Gasthaus Aschauer in Straußdorf werden.

Vor genau einem Jahr hat Lechner dort bei einer Bürgerversammlung schon einmal vorgeschlagen, die Dorfbewohner sollten sich ein eigenes Nahwärmenetz zulegen. Der anfänglichen Skepsis, die sich in dem Einwand kristallisierte, dass bis zur Verwirklichung einer Nahwärmeversorgung damit totes Kapital im Boden verbuddelt würde, scheint sich jetzt Interesse anzuschließen: „Ich hab etwa 20 Rückmeldungen“ freut sich Lechner. Der Zeitpunkt scheint tatsächlich günstig: In den Jahren 2013 bis 2014 soll der Ortsteil von Grafing an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen werden. Lechner: „Das bedeutet, dass im ganzen Ort die Straßen aufgegraben und jedes Haus für den Anschluss an den Kanal angegraben wird. Die Straußdorfer müssen sich jetzt überlegen, ob sie mitmachen wollen.“ Der Klimaschutzmanager des Landkreises, Hans Gröbmayr, steht dem Projekt positiv gegenüber: „Grundsätzlich wäre es ideal, wenn wir es schaffen würden, dass sich der Bürger selbst ein Nahwärmenetz baut. Aber zur Umsetzung braucht man einen Macher.“

Straußdorf ist nach Ansicht von Lechner gut geeignet für eine „Wärmegenossenschaft“. Im Ort befinden sich viele alte Häuser, die im Gegensatz zu modernen Nullenergiebauten einen hohen Wärmebedarf haben. Dann gebe es in Straußdorf keinen Erdgasanschluss, was zur Folge habe, dass viele ihre Häuser mit Heizöl beheizen. „Das ist aufwändig und teuer“, so Lechner. Er könne sich vorstellen, dass die Straßdorfer mit einem Mix verschiedener regenerativer Energiequellen „unabhängig von fossilen Energieträgern werden“ können.

Für grundsätzlich geeignet hält Lechner dabei die Oberflächengeothermie. Die den Ort umgebenden landwirtschaftlichen Areale sind groß genug, um dort flächig Leitungen zu verlegen, mittels derer dem Boden ein paar Grad Wärme entzogen werden können. Auch die großen Dachflächen von Straußdorf könnten mittels Sonnenkollektoren zur Wärmegewinnung herangezogen werden. „Wichtig ist, dass die Leitung den Leuten gehört“, so Lechner. Vielleicht gebe es ja in 30 Jahren eine bislang noch nicht entwickelte Energiequelle, „die noch günstiger ist“. Woher dann die Wärme komme, spiele eine zweitrangige Rolle. Nicht kommen soll die Energie aber aus einer weiteren Biogasanlage - und zwar aus praktischen Gründen, wie der Vorstand der Bioenergie Grafing AG erläutert. Gesetzlich sei vorgeschrieben, dass sommers wie winters 60 Prozent der Wärme einer Biogasanlage ganzjährig genutzt werden. „Das geht nur, wenn ein Großabnehmer da ist.“ Den gebe es in Straußdorf aber nicht.

Von Michael Seeholzer

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