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Einst ein Herz und eine Seele: Elias und Mops "Marley" kuschelten gerne. Doch dann wurde der Hund geraubt. 

Tier zuvor auf Ebay verkauft

Streit um einen Hund vor Gericht: Wem gehört Mops Marley? 

  • Nina Gut
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Poing - "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos", sagte Loriot. Das sah auch ein Münchner so, der seinen eigenen Mops raubte. Den hatte seine Ex-Freundin zuvor auf Ebay verkauft. Der Fall landete vor Gericht.

Schon lange hatten sich Emma und Elias einen Hund gewünscht. Als die beiden Kinder (damals 5 und 2) vor zwei Jahren den kleinen, braunen Mops „Marley“ bekamen, schlossen sie ihn gleich ins Herz. Sie kuschelten, schmusten, spielten mit ihm. Bis zu einem Morgen im November 2013: Als Mutter Stephanie C. (24) in Poing (Kreis Ebersberg) Gassi ging, wurde ihr der Hund auf offener Straße geraubt. Der Täter: der vorherige Besitzer des Hundes, Ömer G. (29). Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen des Mops-Raubes an. Nun musste er sich zum zweiten Mal vor Gericht verantworten.

Das Amtsgericht in Ebersberg hatte ihn im August 2014 wegen fahrlässiger Körperverletzung verwarnt, weil er C. beim Gerangel um den Hund am Finger verletzt hatte. Die Strafe war der Staatsanwaltschaft zu wenig. Sie legte Berufung ein. Vor dem Landgericht München II wurde der Fall jetzt wieder aufgerollt.

Die skurrile Geschichte beginnt so: Ömer G. und seine Lebensgefährtin trennten sich im Juli 2013, der zwei Jahre alte Mops blieb bei ihr in Allershausen (Kreis Freising). Sie aber bot den Mops für 400 Euro auf ebay an – und verkaufte ihn dann für 250 Euro an die Familie C. aus Poing. Als G. das erfuhr, war er außer sich. Er fragte seine Ex-Freundin, „ob sie noch alle Latten am Zaun hat“. Dann rief er die neuen Besitzer an. „Ich habe Herrn C. angefleht. Ich habe gesagt, dass das mein Hund ist und dass ich ihnen alle Unkosten ersetze. Aber Herr C. sagte, das sei ihm wurscht.“ Da habe er sich gedacht, er fahre jetzt mal rüber und schaue nach dem Hund.

Nach einer Nachtschicht als Maschinenführer fuhr der Münchner früh morgens nach Poing – und traf tatsächlich auf Stephanie C. und seinen Marley. „Mein Hund hat getänzelt vor Freude, als er mich sah“, sagt G. Da habe er ihn genommen, das Halsband abgemacht und sei davon gelaufen, während C. um Hilfe schrie. Kurz darauf rief ihn C.s Ehemann an: „Er fragte, ob das die feine Art war. Dass seine Frau weine.“ G. habe sich entschuldigt. „Aber das ist mein Hund. Der schläft immer bei mir unter der Decke.“

Stephanie C. erinnert sich noch genau: Ömer G. sei ihr auf der Straße begegnet und habe sie nach einer Hausnummer gefragt. Dann habe er den Hund gestreichelt und gesagt: „Der ist ja ein Süßer.“ Plötzlich habe er das Halsband gelöst. „Da kam es mir blitzartig.“ G. habe den Mops gepackt, sie seien gemeinsam mit dem Hund über die Straße gelaufen. „Er vorn, ich hinten. Ich hielt den Hund an den Hinterläufen. Dann ließ ich los; ich weiß nicht, was sonst passiert wäre.“ Bei dem Gerangel wurde C. leicht am Finger verletzt.

Die Kinder leiden bis heute darunter, dass Mops Marley geraubt wurde, sagt die Mutter. „Es war für die Kinder sehr schlimm. Sie fragen noch heute nach ihm.“ Inzwischen haben Emma und Elias einen neuen Mops, der genauso aussieht wie Marley. Doch wenn jemand den Hund streicheln will, werden sie panisch.

Ömer G. zahlte Familie C. noch im Gerichtssaal 1000 Euro Schmerzensgeld und Unkostenersatz. „Es war nicht richtig“, sagt er. Die Körperverletzung und „das Drumherum“ täten ihm leid. „Ich wollte nur mit meinem Hund wieder vereint sein.“ Das ist er nun. Dafür muss er allerdings eine Geldstrafe von 1400 Euro (70 Tagessätze) wegen fahrlässiger Körperverletzung bezahlen. Ein Raub war es rechtlich gesehen nicht. Dafür muss man eine „fremde“, bewegliche Sache mittels Gewalt wegnehmen. Doch der Mops war ja nicht fremd. Sondern sein geliebter Marley.

Nina Gut

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