Martin Kugelmann Jäger Baldham
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Martin Kugelmann, hier an der Stelle, wo er das gewilderte Reh präsentiert hat, setzt auf die Vernunft der Hundebesitzer.

Ungewöhnliche Aktion

Weil‘s ihm reicht: Frustrierter Jäger präsentiert Gassigehern gerissenes Rehkitz - Appell an Hundehalter

  • Sabine Heine
    VonSabine Heine
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Es ist nicht das erste und wird nicht das letzte Mal gewesen sein: Wieder wurde im Revier des Jägers Martin Kugelmann ein Reh gerissen. Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat er nun bei Gassigehern um Verständnis geworben.

Baldham – Auf dem Weg steht eine grüne Plastikwanne. Darin ein kleines Reh, dessen schwarze Knopfaugen einen flehend anschauen. Hinter dem Köpfchen, blutverschmiert, Hals und Nacken. Martin Kugelmann (45) hat dem Maikitz die letzte Ehre erwiesen und ihm einen Eichenzweig in den Äser gesteckt, das Zeichen der Jäger für den Respekt vor dem Lebewesen.

Junges Reh fällt wilderndem Hund zum Opfer - langer und lauter Todeskampf

Dabei hat Kugelmann dem jungen Reh das Leben gar nicht genommen, wie er es sonst als Jäger gelegentlich tut. Das Reh ist das Opfer eines wildernden Hundes geworden. Zwei Meter neben dem Spazierweg hat es am Sonntagabend Aaron gefunden, der Jagdhund des Baldhamers. Ganz in der Nähe der Bebauung.

Das junge Reh wurde durch gezielte Kehlbisse getötet. Es muss ein langer und auch lauter Todeskampf gewesen sein. „Die schreien fruchtbar, wenn so etwas passiert“, weiß der traurige Jäger, der vor zwei Wochen bereits ein weiteres schwer verletztes Reh, das von drei Hunden angegriffen worden war, erlösen musste.

Reh von Hund gerissen: Jäger startet ungewöhnliche Aktion

Martin Kugelmann will die Hundebesitzer nicht alle über einen Kamm scheren und generelle Leinenpflicht einfordern. „Viele sind vernünftig und haben ihre Hunde im Griff“, ist seine Erfahrung. Allerdings seien seit den Corona-Lockdowns auch rund um Baldham immer mehr Hundehalter unterwegs, die es mit dem Gehorsam ihrer Vierbeiner nicht so genau nehmen.

Und genau für diese Leute hat Martin Kugelmann sich am Montag am Hasenweg aufgestellt, vor sich die grüne Plastikwanne mit dem toten Rehkitz darin. Ein stummer Protest gegen Ignoranz und Egoismus. „Die Leute, die da vorbeikamen, waren ganz schön erschrocken“, sagt der Jäger. „Aber alle waren von der Aktion angetan.“

Jäger setzt auf die Vernunft des Hundebesitzer - Appell an Gassigeher

Vielleicht hat der Anblick der toten Kreatur mit den niedlichen Knopfaugen den einen oder anderen Gassigänger zum Nachdenken gebracht. „Keiner hat den Vorfall bei der Polizei oder bei uns Jägern gemeldet“, sagt Kugelmann fast resigniert. „Sicher, sowas kann passieren, aber man geht doch nicht einfach weiter, wenn man sieht, dass ein Tier so furchtbar leidet.“

Das Reh wurde im lichten Wald angegriffen. Nur ein paar Meter vom Weg entfernt. Kugelmann: „Das muss der Hundebesitzer mitbekommen haben.“ Sein Appell an die Gassigeher: „Bitte nehmt Rücksicht auf das Wild und haltet die Hunde in eurem Sichtbereich.“

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