Tagesmütter haben Sorgen

Ebersberg - Seit 1. Januar müssen Tagesmütter Steuern bezahlen. Für viele Frauen wird sich ihr Engagement deshalb wohl nicht mehr rechnen.

Elisabeth Kobler vom Tageselternservice für den Landkreis Ebersberg bestätigt, dass es dem Staat mit seiner konfusen Gesetzgebung einmal mehr gelungen ist, ein funktionierendes Selbsthilfemodell der Eltern zu erschüttern.

„Aktuell haben sich zwei Mütter abgemeldet“, bestätigt Evelyn Schwaiger vom Landratsamt Ebersberg. Sie könne allerdings nicht sagen, ob steuerliche Gründe für diesen Schritt ausschlaggebend gewesen seien. Muss auch nicht der Fall sein. Kobler: „Viel schwerer wiegt für viele Frauen, dass sie künftig aus der Familienversicherung herausfallen könnten, weil Tagesmütter knochenhart als selbständige Tätigkeit gelten.“ Da könne zum Beispiel der Fall eintreten, dass Tagesmütter „unter Umständen gar keine Kinder mehr betreuen und sich dann anschließend umständlich bemühen müssen, wieder in die Familienversicherung zu kommen.“ Sie wisse außerdem von vielen Frauen, die mit ihren Ehemännern gerade genau ausrechnen würden, ob sie nicht durch die Einkünfte als Tagesmutter steuerlich hernach wesentlich schlechter dastehen als vorher. „Da habe ich Verständnis für die Ehemänner“ sagt Kobler und lacht.

Dazu kommt: Tagesmütter müssen künftig eine Steuererklärung abgeben. Da sich das „Gehalt“ aus einem eigentlichen Lohn und etlichen Zuschüssen zusammensetzt, wird’s kompliziert. Wie sich die Besteuerung auf den Einzelfall auswirkt, kann schwer verallgemeinert werden. Im Landkreis Freising wird aus diesem Grund derzeit eine Tabelle erstellt, um den Eltern in dieser Situation Hilfestellung zu geben.

Ein Problem sind nach Auskunft von Kobler auch die fälligen Rentenversicherungsbeiträge. „Die müssen im Zweifel noch monatelang weitergezahlt werden, auch wenn keine Kinder mehr betreut werden.“ Wenn sich die neue Regelung so auswirkt, wie Fachleute das befürchten, „müssen wir unser Angebot runterfahren“, befürchtet Kobler.

Die gesetzlichen Regelungen wurden ursprünglich geändert, um einen „Graumarkt“ zu verhindern. Viele Eltern könnten diesem Druck aber ausweichen. „Die Planungssicherheit in der Tagespflege ist deshalb extrem schlecht“, sagt Kobler. Derzeit werde versucht, von der Politik „höhere Sätze“ zu bekommen, so dass sich die Tätigkeit für die Tagesmütter wieder lohne.

Private Tagesmütter, die in der Woche weniger als 15 Stunden Kinder betreuen, müssen keine Qualifikation nachweisen.

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