Darum streiten sich die Fachleute: Auf dieser Fläche (links) will die Gemeinde Bruck ein Gewerbegebiet errichten. Foto; sro

Taglaching: Jetzt streiten die Experten

Bruck - Kurz vor dem Bürgerentscheid über das neue Gewerbegebiet äußern Regierung und Planungsverband verschiedene Ansichten.

Das von der Gemeinde Bruck geplante Gewerbegebiet in Taglaching ist nicht nur unter den Bürgern umstritten - sondern auch unter den Fachleuten. Besonders die landesplanerische Bedeutung des Vorhabens wird von der Regierung von Oberbayern inzwischen kritischer beurteilt, als das noch vor Monaten der Fall war.

In der jüngsten Stellungnahme, die der Brucker Bürgermeister Josef Schwäbl am Dienstagnachmittag der Ebersberger Zeitung im Wortlaut zur Verfügung stellte, wird festgehalten: „Nach eingehender Betrachtung aller vorgebrachten Aspekte sowie nach den Erkenntnissen von Ortseinsichten wird festgestellt, dass die vorliegende Planung nicht an eine geeignete Siedlungseinheit angebunden ist, und somit ein Verstoß gegen ein Ziel der Raumordnung festzustellen ist.“ In der ursprünglichen Stellungnahme vom 30. April 2014 war da lediglich von einem „Grenzfall“ die Rede gewesen.

Schwäbl will trotz der neuen Aspekte, die mit dem Schreiben der Regierung von Oberbayern verbunden sind, an dem festgelegten Fahrplan festhalten: „Wir haben jetzt einen Bürgerentscheid, und dann wird man weitersehen“, sagte er am Dienstag.

Der Bürgermeister verwies aber darauf, dass der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München eine komplett andere Sichtweise vertritt, als das die Regierung von Oberbayern in diesem Fall tue. In einer Mail an das Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Glonn, der EZ ebenfalls von Schwäbl zur Verfügung gestellt, äußert sich der Planungsverband so: „Aus regionalplanerischer Sicht ist das Gewerbegebiet Taglaching Süd auch an das Gewerbegebiet Taglaching Nord an der Staatsstraße 2351 angebunden. Die Staatsstraße hat keine trennende Funktion, sondern erschließt das Gewerbegebiet.“

Die Regierung von Oberbayern monierte in ihrem neuerlichen Schreiben noch einmal die Größe des Planungsumgriffes: „Die hinsichtlich der Größe unverändert vorgelegte Planung zum Gewerbegebiet Taglaching Süd wäre im Verhältnis zum bereits bestehenden Gewerbegebiet ,Taglaching’, das sich in isolierter Lage befindet, deutlich zu groß.“ Der Planungsverband vertritt eine gänzlich andere Haltung. Das neue Gewerbegebiet sei mit einer Größe von etwa vier Hektar nur unwesentlich größer als das bestehende. „Ein grobes räumliches Missverhältnis aus regionalplanerischer Maßstabssicht liegt deshalb nicht vor.“ Für den Planungsverband ist der Standort in Taglaching „sehr gut an den Schienenverkehr angeschlossen. Die fußläufige Entfernung zum Haltepunkt Grafing-Bahnhof beträgt lediglich einen Kilometer. Dort halten nicht nur die S-Bahnen, sondern auch die Züge Richtung München bzw. Aßling und weiter nach Rosenheim.“ Die Regierung von Oberbayern kann der Standortbeurteilung des Planungsverbandes aber nichts abgewinnen. „Die Aussage der Gemeinde, wonach das bestehende Gewerbegebiet Taglaching der einzige Standort im Gemeindegebiet mit gewerblicher Nutzung sei, kann nicht nachvollzogen werden.“ Die Regierung empfiehlt den Bruckern nach wie vor eine „interkommunale Lösung“ - in Schammach.

Michael Seeholzer

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