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"Ich und der Bär": "Er ist mein Beschützer", sagt Tanja Fender.

Kunstverein Ebersberg

Der Mensch im Tier

Ebersberg - Die Künstlerin Tanja Fender stellt Tiere dar und erklärt damit den Menschen. Am Samstag, 21. November, wird die Ausstellung in der Alten Brennerei eröffnet.

Ein zotteliger, weißer Bär und sonst nichts im Eingangsraum der Alten Brennerei. Auf seinem Arm trägt er eine in eine Decke gehüllte Person. Die kuschelt sich ganz entspannt an das wilde Tier. „Der Bär und ich“ hat die Künstlerin das Objekt überschrieben, und es konfrontiert schon beim ersten Blick in die Galerie des Kunstvereins mit dem Thema: In Tanja Fenders Ausstellung „Zusammenfügung“ sind zunächst mal Darstellungen von Tieren und von Menschen zu sehen. Erst auf den zweiten Blick geht es um etwas ganz anderes, um essentielle Dinge unseres Daseins, um Liebe und Geborgenheit, um Angst, Trauer, Tod und um Gewalt. 

„Wir sind doch auch Tiere“, sagt die Künstlerin. „Auf der einen Seite handeln wir hochgeistig und durchdacht, dann wieder instinktiv und animalisch.“ Tiere, Menschen – was hat mehr Wert? Diese Frage stellt die Künstlerin nicht. Sie zeigt Tiere und erklärt damit den Menschen. Mit dem Bären zum Beispiel. „Das ist mein Beschützer“, sagt Tanja Fender. In dieser Arbeit spielt sie mit Ambivalenzen – klein, groß, stark, schwach. Was kann aus dieser Beziehung entstehen? Antworten gibt sie keine, doch man spürt, was sie meint. Sind wir nicht alle ständig auf der Suche – nach Geborgenheit, nach Liebe?

Dann ist da die Hyäne. Massig, groß und stark, gleichzeitig ungepflegt, zerkratzt und zottelig, ja regelrecht abgekämpft steht sie da, diese gefährliche Räuberin, doch statt aggressiv schauen uns ihre Augen nur sehnsüchtig und fragend an. 

Ein wenig melancholisch wirkt die schlafende Häsin. In ihrem Kopf integriert ist das Gesicht der schlafenden Künstlerin, die die Kraft und die gelassene Ruhe des Tieres unmittelbar aufnimmt. 

Den engen Bezug zur Natur thematisiert Tanja Fender auch in ihren Zeichnungen. Die haben viel mit Fruchtbarkeit zu tun, mit Gebären, mit Leben und Sterben. In vielem sieht sie sich selbst: im Frauenkörper, der sich aus dem Rehhals entwickelt, in der Figur, die mit einem Hirschen zusammenkracht, in der Frau, um die sich ein riesiger Wurm windet.

Tanja Fender ist vor 18 Jahren aus Kirgisien nach München gekommen, wo sie zunächst eine Ausbildung als Glasmalerin gemacht und anschließend die Kunstakademie besucht hat. Die Objekte fertigt sie aus Silikon und Kunstfell. Sie ist fasziniert von Animalismus und Schamanismus und bewegt sich damit in guter künstlerischer Gesellschaft – von Joseph Beuys beispielsweise. 

Nicht alle Objekte und Installationen gehen in diese märchen- und mythenhafte Richtung. Tanja Fender konfrontiert uns auch mit dem, was der Mensch mit und aus Tieren macht. Er „baut“ sich in den 30er Jahren eine Chimäre aus Hund und Welpen, züchtet haarlose Ratten. Auch das zeigt die Künstlerin in ihren Installationen, einfach so. Eine Wertung überlässt sie dem Betrachter. 

Die Ausstellung wird am Samstag, 21. November, um 18 Uhr eröffnet und läuft bis zum 13. Dezember. Geöffnet ist die Galerie des Kunstvereins im Ebersberger Klosterbauhof freitags 18 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Am 26. November gibt es ab 20.30 Uhr Kunst und Musik und am 13. Dezember um 16.30 Uhr eine Finissage mit Künstlergespräch.

Sabine Heine

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