Wegen fünf Überfällen angeklagt

Tankstellen-Chefin verwickelt Räuber in Gespräch

Ebersberg - Als ein junger Mann eine Tankstelle im Landkreis Ebersberg überfallen will, macht ihm die Seniorchefin einen Strich durch die Rechnung: Sie verwickelte ihn in ein Gespräch.

„Ich hab’ geredet und geredet. Ich wollte die Sache rauszögern und hab’ mir gedacht: Es wird doch in Gottes Namen jemand kommen.“ So schilderte am Dienstag die Seniorchefin einer Tankstelle aus dem Landkreis Ebersberg, wie sie überfallen wurde. „Der hat drei, vier mal gesagt: ,Jetzt knallt’s aber gleich.‘“ Jetzt musste sich der mutmaßliche Täter für mehrere Überfälle vor dem Landgericht München II verantworten.

Kokain, Haschisch, LSD, Pilze, Speed. Es gibt angeblich keine Droge, die ein arbeitsloser Mann (23) aus dem Kreis Ebersberg ausgelassen hat. Um das Rauschgift zu finanzieren, soll er fünf Überfälle auf verschiedene Tankstellen sowie einen Wohnungseinbruch in Ebersberg begangen haben. Seit Oktober sitzt der armenische Staatsbürger, der zuletzt in Ebersberg und Grafing wohnte, in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-Jährigen fünf Raubüberfälle auf Tankstellen zwischen Dezember 2011 und Juni 2012 vor: in Kirchseeon/Eglharting, zweimal in Zorneding, einmal in Grafing und ein weiteres Mal in Oberhaching.

Dabei soll er jedes Mal gleich vorgegangen sein. Laut Anklage trat er bis auf die Augenpartie vermummt an den Kassentresen heran und bedrohte die Mitarbeiter. Aus seinem rechten Jackenärmel ließ er einen metallischen Gegenstand in Form eines Rohres herausragen, um eine Waffe vorzutäuschen. Mit den Worten „Geld her!“ forderte er das gesamte Bargeld aus der Kasse. Aus Angst händigten ihm alle Mitarbeiter das Geld aus: 805 Euro in Kirchseeon, 730 und 700 Euro in Zorneding, 350 in Grafing und 600 Euro in Oberhaching. Den Raub in Oberhaching gibt der 23-Jährige zu, zu den anderen Vorwürfen macht er keine Angaben. Auch einen Wohnungseinbruch bei einer Frau in Ebersberg hat er gestanden.

Laut eigenen Angaben konsumiert der 23-Jährige bereits Drogen, seit er elf Jahre alt ist. Mit 13 sei es dann schon „richtig extrem“ geworden, „mit Bong rauchen und so weiter“. „Ich habe mich nie darum gekümmert, wie viel ich nehme und was ich nehme.“ Der Prozess dauert an.

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