„Freundlich musst’ sein und selber viel arbeiten“: Maria Niggl vor ihrem Kramerladen in Emmering. Foto: Stefan Rossmann

Tante Emma meldet sich zurück

Landkreis - Steht der Dorfladen vor einer Renaissance? Es gibt im Landkreis Ebersberg ernsthafte Bemühungen, den „Kramer“ wiederzubeleben, dort wo er scheinbar schon für immer die Ladentüre geschlossen hatte. Beispiele gibt es aktuell in Moosach und Baiern

„Das Wichtigste ist der Dorfinformationsdienst“, sagt der Bairer Bürgermeister Josef Zistl. In Berganger hat der Dorfkramer vor Jahren trotz des nachbarschaftlichen Verhältnisses zu seinen Kunden das Handtuch geworfen und eine Lücke in der Nahversorgung hinterlassen. „Es geht um die Dinge des täglichen Bedarfs“, erläutert Zistl die daraus resultierenden Überlegungen in seiner Gemeinde. Beschlossen ist noch nichts, aber im Zuge des aktuell geplanten Umbaus der Dorfgaststätte könnte auch ein neuer Kramer wieder ein Domizil finden.

Das „Institut für ökologische Wirtschaftsforschung“ hat alarmierende Fakten ermittelt: Die Zahl der kleinen Lebensmittel-Einzelhändler hat sich in Deutschland demnach im Zeitraum zwischen den Jahren 2000 bis 2007 um 17 000 Geschäfte reduziert, was einem Rückgang von fast 40 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Discounter erheblich an. Die „Ladendichte“ hat sich in Deutschland damit auf ein Lebensmittelgeschäft pro 1495 Bundesbürger spürbar verschlechtert.

Von dieser Entwicklung kann sich abkoppeln, wer ein schlüssiges Konzept hat. Dieses Konzept geht bei der Dorfkramerin Maria Niggl in Emmering schon seit acht Jahren auf. „Freundlich musst’ sein und selber viel arbeiten“, sagt sie. „Außerdem musst du Ware aus der Region haben. Die Leute wollen wissen, wo sie her ist.“

Die Fahrt zum Einkaufen und die dafür zurückgelegten Kilometer mit Kraftfahrzeugen wird immer länger, je weniger Einzelhändler es gibt. Diese Entwicklung spitzt sich besonders auf dem Land zu, sagt Wolfgang Gröll vom „Dorfladennetzwerk“. Er begleitet in Moosach die Bemühungen, wieder einen Dorfladen auf die Beine zu stellen. Es zeichne sich ab, dass im Gefolge der demografischen Entwicklung arbeitsplatzbezogene Einkaufsmöglichkeiten eher abnehmen, wohnortbezogene hingegen zunehmen werden.

Die Daten, die das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung ermittelt hat, geben Gröll Recht: Die Kilometerzahl für Einkaufsfahrten verdoppelte sich demnach deutschlandweit in den Jahren von 1982 bis 2002 von 219 Millionen Kilometer auf 444 Millionen Kilometer - am Tag! Die Beobachtungen Grölls decken sich mit denen, die Maria Niggl in Emmering in der Praxis gemacht hat: „Ich hab viele Senioren als Kunden. Die können nicht mit dem Bus eine Kiste Getränke heimfahren.“ Die Kramerin leistet deswegen schon mal Kurierdienste und freut sich so „über dankbare Kunden“.

In Moosach, so berichtet Bürgermeister Eugen Gillhuber, gebe es Anstrengungen, den Dorfladen über eine Bürgergesellschaft zu betreiben. „Wenn sich die sich gründet, ist das eine gute Sache“, sagt er. „Es steht und fällt mit den Leuten, die den Laden betreiben“, meint sein Bairer Kollege Zistl. Wo das Geschäft in Moosach eröffnet werden könnte, ist noch völlig offen. Gillhuber meint aber, „am besten im Umfeld vom Neuwirt“. Schräg gegenüber betrieb Gemeinderat Willi Mirus lange einen Dorfladen. Inzwischen biete auch der örtliche Metzger ein großes Sortiment an, informiert der Moosacher Bürgermeister.

Gröll hat keinen Zweifel, dass ein Dorfladen in Moosach profitabel betrieben werden kann, und verweist auf ähnliche Geschäfte in Gelting und Fischbachau. Sogar in Frabertsham, in einem Ort mit nur 250 Leuten sei es gelungen, einen Dorfladen innerhalb von nur einem halben Jahr in die schwarzen Zahlen zu bringen. Von den 150 Dorfläden, die durch das Netzwerk begleitet wurden, hätten insgesamt nur drei wieder geschlossen werden müssen, berichtet Gröll. Bei einem Drittel allerdings, berichtet der Fachmann, mussten der oder die Betreiber ausgewechselt werden.

Maria Niggl hat selbst in einem Großmarkt gearbeitet. Sie sagt. „Da fehlt das Persönliche. Der Kunde ist dort nur eine Nummer.“ Dass direkt neben ihrem Kramerladen die Schule sei, sei von Nutzen. Auch ein Kramer schätzt seine Standortvorteile. Das Wichtigste sei der persönliche Kontakt mit den Kunden. Zu den Waren aus der Region gibt es regionale Nachrichten - und zwar gratis.

Von Michael Seeholzer

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