„Die Politik sollte sich lieber darauf konzentrieren, die örtlichen Unternehmen zu halten“: Taxi-Unternehmer René Buchner.
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„Die Politik sollte sich lieber darauf konzentrieren, die örtlichen Unternehmen zu halten“: Taxi-Unternehmer René Buchner.

Konkurrenz um nächtliche Passagiere durch geplantes MVV-Rufbus-Angebot

Taxifahrer im Landkreis Ebersberg fürchten um ihr Geschäft

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Taxifahrer im Landkreis Ebersberg, die es wegen Corona eh schon schwer haben, bangen um ihre Existenz. Der Grund sind die Ruftaxis des MVV, die der Kreistag im Auge hat.

Landkreis – Für die Fahrgäste hört es sich verlockend an: Der Landkreis plant gemeinsam mit dem MVV Ruftaxis, die Nachtschwärmern das Heimkommen zum MVV-Tarif ermöglichen – und auch sonst den öffentlichen Nahverkehr am Laufen halten, wenn sonst nichts fährt. Das nachts gar nichts fährt, stimmt aber nicht: Ein rundes Dutzend Taxiunternehmen sind im Landkreis gemeldet. Sie fürchten nun um ihr Geschäft.

Einzelkämpfer bangt ums Nachtgeschäft

Cihan Zeyrek aus Markt Schwaben bezeichnet sich als Einzelkämpfer. Nach 13 Jahren in der Branche hat sich der 35-Jährige heuer selbstständig gemacht. Mit seiner Mercedes E-Klasse oder einem Citroën-Jumpy-Großraumtaxi ist er öfter nachts unterwegs. An guten Wochenenden, wenn nicht gerade Pandemie ist, macht er dann an die 300 Euro Umsatz. Insgesamt machen die nächtlichen Fahrten von seinem Einkommen ein gutes Drittel aus, schätzt er. Wenn sich nun der MVV als Konkurrent positioniert, macht ihm das das Nachtgeschäft kaputt, fürchtet er. „Mich ärgert, dass wir bei der Planung nicht mit ins Boot genommen worden sind“, sagt Zeyrek. Von dem Vorhaben habe er aus der Ebersberger Zeitung erfahren.

Branche wegen Uber eh schon unter Druck

Sein Kollege René Buchner betreibt seit elf Jahren den „Fahrservice VaBa“ für Vaterstetten und Baldham. Er hat eine Flotte von sechs Taxis und beschäftigt 13 Mitarbeiter. Ob er diese Arbeitsplätze angesichts der MVV-Pläne halten könne, wisse er nicht. Auch bei ihm machten die Nachtfahrten ein gutes Drittel vom Umsatz aus. „Ich bin äußerst geschockt“, sagt Buchner. Die Branche sei durch die Konkurrenz aus München und den Online-Dienst Uber, der im nördlichen Landkreis schon unterwegs ist (wir berichteten), ohnehin stark unter Druck.

Ob es überhaupt einen nachhaltigen Bedarf für die Nachtlinien gebe, bezweifle er, sagt Buchner. Schließlich seien Angebote wie der Nachtexpress oder der Seniorenfahrdienst in Vaterstetten mangels Nachfrage als Draufzahlgeschäfte eingestellt worden. „Die Politik sollte sich lieber darauf konzentrieren, die örtlichen Unternehmen zu halten“, sagt der Taxi-Unternehmer. Dass er, wenn Busriesen mitbieten, ein konkurrenzfähiges Angebot für den Betrieb einer Ruftaxi-Linie abgeben könne, bezweifelt er. „Wir werden mit Sicherheit darüber liegen“, sagt er.

„Von einer 35-Euro-Fahrt bleiben mir nach Fixkosten und Steuern vielleicht noch 15 Euro“: Cihan Zeyrek.

Das treibt auch seinen Markt Schwabener Kollegen um, der fürchtet, sein Geschäft an ein auswärtiges Unternehmen zu verlieren. Gelegentliche nächtliche Fahrten in die Klinik und seine Stammkunden allein seien nicht genügend, um weiter ein 24-Stunden-Angebot zu rechtfertigen. Cihan Zeyrek sagt: „Von einer 35-Euro-Fahrt zwischen Markt Schwaben und Ebersberg bleiben mir nach Fixkosten und Steuern vielleicht noch 15 Euro“, rechnet er vor. „Nur die Masse macht’s.“ Falls ihm dieses Geschäft „abgeschnürt“ werde, müsse er wohl den Nachtbetrieb ganz einstellen. „Für ein paar Euro rentiert sich das sonst nicht.“

Landrat sagt, dass er die Sorgen ernst nimmt

Auf EZ-Anfrage beeilt sich der Landrat, die Befürchtungen der Taxler zu besänftigen. „Ich nehme diese Sorgen ernst“, verspricht Robert Niedergesäß (CSU). Die örtlichen Taxibetriebe in das Ruftaxi-System einzubinden, könne zu einer „Win-win-Situation“ führen.

Aber auch so bleibe den Taxifahrern ihr Geschäft. Das MVV-Ruftaxi fahre die Fahrgäste nicht von Haus zu Haus, sondern von Haltestelle zu Haltestelle. „Wer an einem bestimmten Ort abgeholt werden und nachhause gefahren werden möchte, der wird auch weiterhin das Taxi wählen“, prognostiziert der Landrat. Allerdings sei es zu Normalzeiten aktuell nicht so, dass jeder vom S-Bahnhof weg eine sichere Weiterfahrt zu einem definierten Zeitpunkt mit einem Taxi gewährleistet bekomme. „Das wollen wir mit unserem Angebot und einem zuverlässigen Fahrplan sicherstellen“, betont Niedergesäß.

Es geht nur noch um das Wann, nicht mehr um das Ob.

Für Ihn sei der Betriebsstart des MVV-Ruftaxis keine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wann“, da es ein zentraler Bestandteil des Nahverkehrsplans sei. Allerdings zeichne sich bereits ab, dass sich der geplante Betriebsstart zum Fahrplanwechsel Ende 2022 durch die coronabedingten Einbußen im Kreishaushalt verschiebe – um ein Jahr oder vielleicht länger, lässt der Landrat durchblicken und meint: „Es wäre schade, aber besser ein wenig später als gar nicht!“ Entscheiden werde das der Verkehrsausschuss des Kreistags im März 2021.

Der Landkreis Ebersberg plant die Einführung von Ruf-Taxis

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