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Riesenandrang vor den großen Toren. Foto: sro

Thorak-Atelier: "Für Lagerräume viel zu schade"

Baldham - Mit diesem Ansturm hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Weit über 200 Leute nahmen die Gelegenheit wahr, das normalerweise unzugängliche Thorak-Atelier zu besichtigen. Darunter auch viele Zeitzeugen.

„Ich wohne schon seit 30 Jahren nebenan und war noch nie hier drin“, erzählte eine Dame und viele Umstehende nickten zustimmend. Der Wunsch nach häufigeren Besichtigungen erntete spontanen Beifall. Organisiert hatten die aktuelle Besichtigung die örtlichen Freien Wähler.

Walter Bachmann, wissenschaftlicher Depotleiter der archäologischen Staatssammlung, die die Halle heute nutzt, hatte Mühe, sich in der großen Menge Gehör zu verschaffen. Dabei hatte er viel Interessantes zu berichten. „1938 wurde das Gebäude erbaut. Der Hauptraum hat eine Deckenhöhe von 18 Metern, die drei Flügeltüren aus Stahl sind jeweils 11,80 Meter hoch.“

Im Dritten Reich diente das Gebäude dem Bildhauer Josef Thorak als Atelier. Der Baldhamer Hans Schmidt erzählte: „Immer wenn Thorak neue Modelle brauchte, musste die Hitlerjugend die jungen Mädchen vom Zug abholen und zum Atelier begleiten.“ Darüber hinaus erinnerte er sich an rauschende Künstlerfeste: „Nach Mitternacht mussten die Kellnerinnen vom Münchner Ratskeller oben ohne bedienen.“

Am 5. Mai 1945 fanden hier die Kapitulationsverhandlungen der Heeresgruppe G statt, danach diente das Gebäude den Amerikanern als Garage und Offizierskasino und bekam den Beinamen „White Horse Inn“ wegen Thoraks Pferdeskulpturen. Diese Skulpturen hatten die Amerikaner im weitläufigen Park aufgestellt und bei ihrem Abzug 1947 zerschossen. „Noch heute findet man Gipsreste hier im Boden“, erzählte Bachmann.

Anschließend war hier sieben Jahre lang die Baldhamer „Waldschule“ untergebracht, die auch Helga Oppenheimer, Anneliese Koch und Maria Schmötzer besuchten: „Wir waren über 40 Kinder in einem Raum, in dem mehrere Klassen gleichzeitig unterrichtet wurden.“ Im Winter war es kalt, geheizt wurde mit Kanonenöfen. „Aber im Pavillon gab es eine Schulspeisung.“

Nach dem Jahr 1954 entdeckte die Divina Filmgesellschaft das Thorakgelände für ihre Dreharbeiten. Alle drei Teile des Films „08/15“ mit Joachim „Blacky“ Fuchsberger wurden hier gedreht, aber auch Filme mit Heinz Erhardt und Freddy Quinn.

„Meine Mutter hat damals für das Filmteam gekocht und „Blacky“ kennengelernt“, wusste Gerd Baldermann von dieser Zeit zu berichten. Die Filmarbeiten wurden von vielen Baldhamern damals aufmerksam aus nächster Nähe verfolgt.

Von 1963 bis 1983 nutzte die Bayerische Staatsoper das Gelände als Kulissenlager. Im Juli 1984 zertrümmerte der große Hagel das Glasdach. Die Inneneinrichtung und der Holzboden wurden schwer beschädigt und es wurde über einen Abriss des Gebäudes nachgedacht. Doch im Jahre 1989 übernahm das Denkmalamt das Gebäude als Depot. In Seitentrakten sind eine Hausmeisterwohnung, eine Werkstatt und ein kleines Atelier untergebracht.

Außerdem gibt es auf dem 38 000 Quadratmeter großen Gelände noch einige kleine Nebengebäude, die Thorak seinerzeit als Pferdeställe gedient hatten. Heute ist vieles davon mit Unkraut überwuchert.

Die Besucher waren sich alle einig: Für ein Lager ist das historische Gebäude eigentlich viel zu schade. Schnell wurde der Vorschlag laut, hier den heiß ersehnten Bürgersaal für die Gemeinde unterzubringen. Doch diese Hoffnung musste Georg Reitsberger, Vorsitzender des Verschönungsvereins und Gemeinderat der Freien Wähler, den Besuchern wieder nehmen: „Das Grundstück gehört dem Staat und das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Große bauliche Veränderungen wären hier gar nicht möglich.“

Von Susanne Edelmann

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